Startpunkt der Japan-Challenge: die Firma „Fireside“ in Komagane, Standort des Generalimporteurs für Feuerungstechnik aus dem Hause Hoxter.
Ofenbauer Alexander Schwarz und Jörn Thurau blicken in Japan über den eigenen Tellerrand und entdecken andere Bauweisen, neue Ideen und eine besondere Handwerkskultur.
Der fachliche Austausch kennt längst keine Landesgrenzen mehr. Das zeigt auch die Reise von Ofenbauer Alexander Schwarz, Inhaber von Kachelofenbau Schwarz im Allgäu, nach Japan. Gemeinsam mit seinem norddeutschen Kollegen Jörn Thurau, OL-Meister aus Itzehoe und der tatkräftigen Unterstützung in der Planungsphase von Petr Banasinski (Hoxter) machte er sich auf den Weg, um gemeinsam Einblicke in die japanische Ofenbaukultur zu gewinnen und Erfahrungen mit Fachkollegen vor Ort auszutauschen.
Ursprünglich war sogar geplant, gemeinsam mit den japanischen Gastgebern Öfen zu errichten. Vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass die örtlichen Gegebenheiten – insbesondere die Bodenbeschaffenheit – dafür nicht geeignet waren. Stattdessen entwickelte sich aus der ursprünglichen Idee eine mehrtägige Fachveranstaltung, die ganz im Zeichen des internationalen Wissenstransfers stand.
Gemeinsame Sprache: das Handwerk
In der Nähe von Nagano trafen sich japanische Ofensetzer, Händler und Handwerker, um über Bauweisen, Materialien und technische Konzepte zu diskutieren. Drei Tage lang standen handwerkliche Details im Mittelpunkt. Themen waren unter anderem klassische Grundöfen sowie Herdanlagen, die heute selbst in Deutschland nur noch selten realisiert werden.
Während der norddeutsche Kollege traditionelle Bauweisen aus seiner Region vorstellte, präsentierte Alexander Schwarz seine Erfahrungen aus Süddeutschland. Gemeinsam wurden Planungen analysiert, Konstruktionsdetails besprochen und unterschiedliche Herangehensweisen beim Aufbau von Feuerungsanlagen verglichen.
Niemand wollte zeigen, dass er besser ist – im Mittelpunkt stand der gemeinsame Austausch.«
Besonders interessant waren für die deutschen Gäste die speziellen Anforderungen des japanischen Marktes. Da Erdbebensicherheit bei nahezu jeder Konstruktion eine zentrale Rolle spielt, unterscheiden sich Planung und Ausführung in vielen Bereichen von europäischen Standards. Die japanischen Gastgeber stellten detaillierte Baupläne vor und erläuterten ihre technischen Lösungen. Für Schwarz bot dies einen seltenen Einblick in eine Handwerkskultur, die von hoher Präzision und besonderen baulichen Anforderungen geprägt ist.
Beeindruckt zeigte er sich vor allem von der Atmosphäre des Austauschs. Im Mittelpunkt stand nicht die Frage, wer die besseren Lösungen kennt, sondern das gemeinsame Interesse am Handwerk und der Wille, voneinander zu lernen.
Neue Perspektiven zwischen Tokio und Nagano
Ein weiterer Programmpunkt führte die Gruppe zu einem der bedeutendsten Importeure für Kamineinsätze in Japan. Dort kamen Händler und Ofensetzer aus verschiedenen Regionen des Landes zusammen. Moderne Übersetzungstechnik erleichterte die Kommunikation erheblich: Gespräche wurden in Echtzeit auf Bildschirmen übersetzt und ermöglichten so einen direkten fachlichen Austausch trotz Sprachbarrieren.
Auch ein Besuch in Tokio gehörte zum Reiseprogramm. Dort lernten die Ofenprofis eine Organisation regionaler Ofensetzer kennen, die sich auf hochwertige Designkamine spezialisiert hat. Viele der gezeigten Anlagen sind individuelle Einzelstücke und werden gezielt als architektonische Gestaltungselemente eingesetzt. Die Feuerstätte übernimmt dabei nicht nur die Funktion einer Wärmequelle, sondern wird zum zentralen Bestandteil moderner Wohnkonzepte.
Andere Bauweisen kennenzulernen bedeutet, die eigene Arbeit mit neuen Augen zu sehen.«
Neben den fachlichen Eindrücken hinterließ auch das Land selbst einen bleibenden Eindruck. Alexander Schwarz beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der japanischen Kultur und schätzt insbesondere die Höflichkeit, den gegenseitigen Respekt und den hohen Qualitätsanspruch im Alltag. Selbst in der Millionenmetropole Tokio herrsche eine bemerkenswerte Ruhe und Rücksichtnahme im öffentlichen Leben.
Um sich besser verständigen zu können, hat der Ofenbauer begonnen, Japanisch zu lernen. Außerhalb der großen Städte werde nur wenig Englisch gesprochen. Gleichzeitig eröffne die Bereitschaft, sich auf Sprache und Kultur einzulassen, neue Möglichkeiten der Begegnung und des Austauschs.
Zwischen den Fachterminen blieb zudem Zeit, historische Sehenswürdigkeiten zu besichtigen und die regionale Kultur kennenzulernen. Dabei traf man auf Menschen aus unterschiedlichsten Ländern – darunter Australien, Korea und England. Was sie verband, war die gemeinsame Leidenschaft für das Handwerk.
Für die Beiden steht nach dieser Reise fest, dass der Blick über den eigenen Tellerrand für Handwerksbetriebe einen hohen Wert besitzt. Andere Bauweisen, neue Denkansätze und internationale Kontakte können wichtige Impulse für die tägliche Arbeit liefern – unabhängig davon, auf welchem Kontinent sie entstehen.
Foto: Fireside
Foto: Fireside
Schulungsobjekt vor Ort: an Beispiel dieser Kaminanlage erklärten die japanischen „Ofen-Senseis“ den Gästen Planung, Technik und Bau auf typisch japanische Bauweise der Feuerstätte (hier eine Kaminanlage aus Stahl mit Heizeinsatz Hoxter UKA 37/95/37/57 h).
Foto: Alexander Schwarz
Alles rund um den Schornstein ist in Japan„Ofensetzer-Sache“.
Foto: Alexander Schwarz
„Wer immer nur das tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ Mit diesem Zitat von Henry Ford beschreibt Alexander Schwarz die Motivation hinter seiner Reise. Neben dem fachlichen Austausch kamen dabei auch die kulturellen und kulinarischen Erfahrungen nicht zu kurz, die den Blick auf Land, Menschen und Handwerk zusätzlich bereicherten.
Foto: Alexander Schwarz
Abschluss-Meeting in Tokio – eine eindrucksvolle Reise geht zu Ende. Neue Perspektiven und internationale Kontakte waren für Alexander Schwarz und Jörn Thurau eine wertvolle Bereicherung für ihr Handwerk – und möglicherweise erst der Anfang weiterer Besuche in Japan.
Schornsteinbau ist Ofensetzer-Sache
In Japan liegt die Verantwortung für die gesamte Feuerungsanlage traditionell in einer Hand. Vom Fundament über die Feuerstätte bis hin zum Schornstein übernimmt der Ofenbauer sämtliche Arbeiten und realisiert das Projekt über alle Bauphasen hinweg – einschließlich der späteren Wartungs- und Serviceleistungen.
Jetzt weiterlesen und profitieren.
+ K&L E-Paper-Ausgabe – acht Ausgaben im Jahr + Kostenfreien Zugang zu unserem Online-Archiv