Alles hat zwei Seiten – man sollte zwar den Durchblick behalten, aber nicht den Tunnelblick kriegen, findet Tom Hieckmann.
Tom Hieckmann, Sohn des langjährigen ehemaligen AdK-Vorsitzenden Michael Hieckmann, hat seine Ofenbau-Ausbildung mit Überzeugung begonnen und abgeschlossen. Doch nun kehrt der 19-Jährige dem Handwerk den Rücken und startet im Sommer 2026 eine nächste Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr. Über seine Motive für den Wechsel und weshalb der Ofenbau für ihn die zweitbeste Option bleibt, erzählt er hier.
Life is, what’s happening, while you`re busy making other plans – das bekannte Lennon-Zitat trifft wohl auch auf Tom Hieckmann zu. Vermutlich war der Anfang zu seiner weiteren Leidenschaft schon mit seinem Eintritt in die Jugendfeuerwehr im Alter von zwölf Jahren gelegt, aber eine„Berufung“ wurde erst im letzten Jahr daraus.
„Richtig spannend fand ich es, als ich mit Erreichen der Volljährigkeit endlich auch auf Löscheinsätze mitfahren durfte“, erklärt Tom. Genau da, als er mit der Ofenbau-Ausbildung praktisch fertig war, kippte die Entscheidung für seinen weiteren beruflichen Weg. Im Sommer 2026 beginnt Tom nun seine zweite Ausbildung bei der Berufsfeuerwehr. Den Ofenbau, den Tom gerade erst erlernt hat, lässt er aber nicht wegen schlechter Erfahrungen hinter sich. Im Gegenteil!„Wenn es die Feuerwehr nicht gäbe, wäre ich definitiv weiter dabei“, sagt er,„denn es ist nach wie vor ein herrlicher und sehr vielseitiger Beruf.“
Wenn es die Feuerwehr nicht gäbe, wäre ich definitiv weiter dabei, denn es ist nach wie vor ein herrlicher und sehr vielseitiger Beruf.«
Auch die Beziehung zu seinem Vater, in dessen Betrieb Tom die Ausbildung absolvierte, ist nach wie vor top. Dass er schon als Kind auf Baustellen mitgekommen ist, hat Toms Verhältnis zum Handwerk früh geprägt.„Ich bin quasi mit dem Ofenbau aufgewachsen“, sagt er. „Der eigentliche Funke ist während eines Schulpraktikums übergesprungen. Das hat mir viel Spaß gemacht.“ Als Alternative hatte er kurzzeitig auch Dachdecker im Blick – am Ende siegte das Vertraute, und das aus gutem Grund. Handwerkliches Geschick hatte Tom dabei schon vor der Ausbildung. Nicht aus dem Unterricht, sondern aus der eigenen Garage: „Das Schrauben und Handwerken habe ich schon als Kind an meinem Kettcar gelernt, für das ich mir Zubehör wie einen Anhänger selbst gebaut habe.“ Wer im Grundschulalter anfängt, sein Gefährt selbst umzurüsten, dem fällt der Einstieg ins Bauhandwerk nicht schwer.
Mehr als Mauern und Verputzen
Was Tom im Verlauf seiner Ausbildung dann doch noch positiv überraschte, war die Bandbreite des Berufs.„Am besten gefiel mir, dass es im Ofenbau doch noch weitaus mehr Tätigkeiten gibt als nur Mauern und Verputzen.“ Kaminanlagen und Schornsteine aufzubauen gehört zu seinen Lieblingsdisziplinen, ebenso die Montage von Kaminöfen.
„Vor allem das Verputzen fand ich während der Ausbildung doch noch wesentlich anspruchsvoller als bei meinen ersten Übungen im Praktikum. Solange man nicht so viel Sorgfalt walten lassen musste, ging es.“ Die Ausbildung im väterlichen Betrieb bewertet er im Rückblick als unkompliziert und empfehlenswert – mit einer kleinen Einschränkung:„Blöd ist es nur, wenn es am Tag mal nicht so gut lief und das Problem dann auch in den Feierabend ins Elternhaus mitgenommen wird.“ Als gut und nicht unbedingt selbstverständlich bewertet Tom außerdem, dass es mit den Kollegen nie Probleme gab, weil er der Sohn des Chefs war. Ein gutes Verhältnis zu den Kollegen findet Tom allerdings auch unerlässlich, weil man ja auf dem Bau selten alleine arbeitet.
Teamarbeit und Kundenkontakt als Grundpfeiler
„Mir ist die Teamarbeit sehr wichtig, weil es einfach mehr Spaß macht und man in schwierigen Situationen auf dem Bau immer jemanden um Rat bitten kann.“ Ebenso bedeutsam ist für ihn der Kontakt zu den Auftraggebern – und der reicht über die unmittelbaren Kunden hinaus.„Bei wasserführenden Anlagen etwa arbeiten wir eng mit Heizungsbauern zusammen“, und auch dieses gewerkeübergreifende Miteinander betrachtet Tom als Teil des Berufsbilds, das gepflegt werden sollte. Schöne Momente auf der Baustelle? Da muss Tom nicht lange überlegen:„Wenn man eine Anlage fertig gestellt hat und bei der Feuertaufe das Strahlen in den Augen der Kunden sieht.“ Problematischer wird es, wenn Lieferungen nicht rechtzeitig eintreffen, Teile beschädigt ankommen oder nachträglich Änderungswünsche die Zeitplanung durcheinanderwerfen. Das kennen Ofenbauer aller Erfahrungsstufen – und Tom hat gelernt, damit umzugehen.
Mir ist die Teamarbeit sehr wichtig, weil es einfach mehr Spaß macht und man in schwierigen Situationen auf dem Bau immer jemanden um Rat bitten kann.«
Der Alltag im Betrieb folgt bei„Binn Kachelofen- und Kaminbau“ einem klaren Rhythmus: Um 7 Uhr morgens beginnt die Arbeit mit der Verteilung der Baustellen. Dann werden die Fahrzeuge beladen und es geht ab zu den Kunden. Dabei ist jeder Tag so anders wie es auch die Aufträge sind, denn das Spektrum reicht vom Neubau verschiedenster Ofenanlagen und Kamine über Wartung und Reparatur bis hin zu Schornsteinbau und -sanierung.Gegen 16 Uhr ist Feierabend – handwerklicher Alltag, der sich bewährt hat.
Die anderen Leidenschaften
Neben der Feuerwehr ist Tom Handballer und betätigt sich in seiner Freizeit als gefragter DJ. Die Berufsfeuerwehr bietet ihm etwas, das mit dem Ofenbauberuf in gewisser Weise verwandt ist: täglich wechselnde Situationen, körperliche Anforderung, Teamgeist unter Druck.
Leicht gemacht hat Tom es sich mit seinem Wechsel-Wunsch nicht, aber er erntet zum Glück auch volles Verständnis seiner Eltern, obwohl die sich sicher schon auf einen Betriebsnachfolger aus der eigenen Familie gefreut hatten. Grundsätzlich bliebe der Weg dorthin ja auch immer noch offen. Dass Tom große Stücke auf den Ofenbau hält, wird nicht zuletzt dadurch deutlich, dass er nach wie vor gerne für dieses Handwerk wirbt:„Macht eine Ausbildung im Ofenbau, ihr seid damit sehr gut und breit aufgestellt.“
Für Betriebe, die über erfolgreiche Nachwuchsgewinnung nachdenken, hat Tom einen pragmatischen Rat: Zeigt Präsenz auf Berufsmessen. Und für angehende Azubis nennt er die Grundvoraussetzungen knapp und treffend:„Definitiv ist natürlich Interesse das Wichtigste – und auch handwerkliches Geschick, wobei sich das trainieren lässt. Technisches Verständnis und mathematische Grundlagen sollte man ebenfalls mitbringen.“
Und so verlässt Tom die Branche im Sommer mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ob für immer? Wer weiß das heute schon. Das eingangs erwähnte Lennon-Zitat lässt das ja auch offen …
Foto: Tom Hieckmann
Tom ist mit Freude Ofenbauer ...
Foto: Tom Hieckmann
... aber vielleicht noch etwas lieber Feuerwehrmann.
Foto: Tom Hieckmann
Eine Ecksichtscheibe wird für den Einbau vorbereitet.
Foto: Tom Hieckmann
Tom beim Anschluss einer Ofenregelung.
Foto: Tom Hieckmann
Morgens wird der Firmentransporter mit Material beladen.
VITA Tom Hieckmann
Geburtsjahr: 2007
Wohnort: Kevelaer
Schulzeit: Grund- und Gesamtschule: 2014 - 2022
Ausbildungszeit: 2022 bis Juni 2025
Hobbys: Feuerwehr, Handball, DJ
Jetzt weiterlesen und profitieren.
+ K&L E-Paper-Ausgabe – acht Ausgaben im Jahr + Kostenfreien Zugang zu unserem Online-Archiv