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Warum ein jahrhundertealter Werkstoff hochaktuell ist

Schamotte gestern & heute

Im Gespräch erläutert Carolin Kügel, Geschäftsführerin der Wolfshöher Tonwerke, warum Schamotte heute aktueller ist denn je und welche Perspektiven sich für das Ofenbau-handwerk ergeben.

Redaktion: Schamotte wird seit Jahrhunderten im Ofenbau eingesetzt. Was macht diesen Werkstoff so langlebig und warum ist er auch heute noch ein zentraler Bestandteil moderner Feuerstätten?

Carolin Kügel: Schamotte vereint mehrere Eigenschaften, die im Ofenbau entscheidend sind: Sie ist hoch temperaturbeständig, formstabil und gleichzeitig ein sehr guter Wärmespeicher. Genau diese Kombination macht sie seit Jahrhunderten zu einem idealen Werkstoff für Feuerstätten. Während viele Materialien entweder sehr gut isolieren oder sehr gut Wärme leiten, kann Schamotte Wärme aufnehmen, speichern und über einen längeren Zeitraum gleichmäßig wieder abgeben. Für den klassischen Speicherofen ist das ein zentraler Effekt. Ein weiterer Aspekt gewinnt gerade in Zeiten steigender Energiepreise und wachsender Sensibilität für Ressourcen zunehmend an Bedeutung: Schamotte wird überwiegend aus regional verfügbaren Rohstoffen hergestellt und kann im Produktionsprozess sehr effizient verarbeitet und praktisch abfallfrei produziert werden. Auch dieser nachhaltige Ansatz trägt dazu bei, dass Schamotte heute aktueller ist denn je.

Redaktion: Ofenbauer arbeiten seit Jahrzehnten mit Schamotte. Hat sich der Werkstoff in den letzten 30 Jahren technisch verändert – etwa bei Rohstoffen, Herstellungsverfahren oder Materialeigenschaften?

Carolin Kügel: Grundsätzlich ist Schamotte natürlich immer noch Schamotte – also ein keramischer Werkstoff auf Basis gebrannter Tone. Aber innerhalb dieses Rahmens hat sich technisch sehr viel weiterentwickelt. Zum einen sind die Rezepturen heute deutlich präziser auf bestimmte Anwendungen abgestimmt. Über Korngrößenverteilungen, Rohdichte oder Porosität können wir gezielt beeinflussen, wie ein Bauteil Wärme speichert oder weiterleitet. Zum anderen haben sich auch die Produktionsprozesse stark modernisiert – etwa durch präzisere Formgebung, optimierte Brennprozesse oder eine sehr konsequente Qualitätssicherung. Das Ergebnis ist, dass moderne Schamotte heute sehr genau definierte Eigenschaften hat. Für Ofenbauer bedeutet das: sie können Materialien auswählen, die exakt zu dem gewünschten Ofenkonzept und zum gewünschten Wärmeabgabeverhalten passen.

Moderne Schamotte hat heute sehr genau definierte Eigenschaften. Für Ofenbauer bedeutet das: sie In der hauseigenen modernen Abfüllanlage werden die Wolfshöher Mörtel abgesackt.können Materialien auswählen, die exakt zu dem gewünschten Ofenkonzept und zum gewünschten Wärmeabgabeverhalten passen.«

Carolin Kügel

Redaktion: Beim Bau moderner Speicheröfen spielt beispielsweise der Wärmedurchgang durch Bauteile eine wichtige Rolle. Wie können Ofenbauer durch die Wahl der Schamotte gezielt Einfluss auf das Wärmeabgabeverhalten nehmen?

Carolin Kügel: Der Wärmedurchgang eines Bauteils hängt stark von seiner Rohdichte, seiner Porosität und damit auch von seiner Wärmeleitfähigkeit ab. Unterschiedliche Schamottequalitäten ermöglichen gezielte Anpassungen. Unsere Schwerschamotte mit hoher Dichte und geringer Porosität kann zum Beispiel im Bereich mit hoher Temperaturdifferenz mehr und schneller Wärmeenergie aufnehmen als unsere Standardschamotte. Das macht die Schwerschamotte als Material für die Heizgaszüge besonders geeignet. Unsere Standardschamotte hat dagegen technische Vorteile für den Bau des Feuerraumes. Die Aufnahme der Wärmeenergie ist so angepasst, dass hohe Verbrennungstemperaturen erreicht werden und zu einem optimalen Verbrennungsverlauf mit geringen Emissionen führen. Für Ofenbauer eröffnet das interessante Gestaltungsmöglichkeiten: Je nach Bauweise des Ofens und Nutzungskonzept kann der Wärmefluss im Ofen und in den Heizgaszügen gezielt beeinflusst werden. Schamotte ist damit nicht nur ein konstruktiver Baustoff, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der thermischen Auslegung eines Ofens.

Redaktion: Neben dem Ofenbau nutzt auch die Industrie Schamotte. Welche Eigenschaften machen den Werkstoff dort weiterhin attraktiv, obwohl es heute viele alternative Materialien gibt?

Carolin Kügel: In vielen industriellen Anwendungen gibt es ähnliche Herausforderungen wie im Ofenbau: hohe Temperaturen, thermische Wechselbelastungen und eine langfristig stabile Materialstruktur. Und auch hier kann Schamotte mit den erwähnten Eigenschaften in Kombination mit wirtschaftlicher Herstellbarkeit punkten. Schamotte ist zudem ein sehr zuverlässiger Werkstoff, der sein Wärmespeichervermögen auch über einen langen Nutzungszeitraum nicht verliert. Für industrielle Prozesse ist diese Berechenbarkeit extrem wertvoll.

Die Anforderung ist heute, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden.«

Carolin Kügel

Redaktion: Die Anforderungen an Feuerstätten verändern sich – etwa durch strengere Emissionsvorgaben, Effizienzanforderungen oder neue Ofenkonzepte. Welche Rolle wird Schamotte Ihrer Meinung nach in der zukünftigen Entwicklung spielen?

Carolin Kügel: Moderne Feuerstätten müssen heute sehr präzise funktionieren – sowohl in Bezug auf die Verbrennung als auch auf das Wärmeabgabeverhalten. Genau hier kann Schamotte ihre Stärken ausspielen. Darüber hinaus gewinnt Schamotte auch außerhalb des klassischen Ofenbaus zunehmend an Bedeutung – etwa im Bereich von Hochtemperaturwärmespeichern. Dort kann der Werkstoff überschüssige Energie, zum Beispiel aus industriellen Prozessen oder erneuerbaren Energiequellen, bei sehr hohen Temperaturen aufnehmen und zeitversetzt nutzbar machen. Gerade im Kontext der Energiewende und der industriellen Dekarbonisierung eröffnet das interessante Perspektiven. Die Entwicklung geht daher weniger weg von Schamotte, sondern eher hin zu immer stärker anwendungsspezifischen Schamotteprodukten. Der Werkstoff selbst hat eine lange Tradition – aber seine technische Weiterentwicklung sorgt dafür, dass er auch in modernen und zukünftigen Ofensystemen eine wichtige Rolle spielen wird.

Redaktion: Die Wolfshöher Tonwerke blicken auf eine über 160-jährige Tradition zurück. Was bedeutet es für Sie persönlich, ein Unternehmen zu führen, das einen so traditionsreichen Werkstoff in die Zukunft weiterentwickelt?

Carolin Kügel: Schamotte ist ein Werkstoff mit einer enormen Geschichte – er hat Generationen von Ofenbauern begleitet und ist bis heute unverzichtbar. Die Anforderung ist heute, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden. Das könnte bedeuten, die Qualität und Zuverlässigkeit dieses Werkstoffs zu bewahren, gleichzeitig aber neue Anwendungsmöglichkeiten zu entwickeln, die den Anforderungen moderner Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Industrieprozesse gerecht werden. Wir versuchen, alte Erfahrungen mit neuen Technologien zu verbinden – sei es in der Materialforschung, in der Produktion oder in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden.

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