Die zweite Ausbildung führte Hannes in den Ofenbau. Aktuell macht er seinen Meister.
Nach der Fliesenlegerlehre im elterlichen Betrieb wechselte Hannes Hofmann für die Ausbildung zum Ofen- und Luftheizungsbauer zur Großenhainer Ofenbauer GmbH. Seit August 2025 ist der 23-Jährige zurück im Familienunternehmen, der Bert Hofmann Fliesenleger- & Ofensetzermeister GmbH in Döbeln-Pröbschütz – jetzt auch als Ofenbauer. Parallel absolviert er die Meisterausbildung an der Handwerkskammer Dresden.
Angefangen hat alles mit Keramik am Boden und an der Wand. Nach der Oberschule in Rosswein begann Hannes Hofmann im Betrieb seines Vaters Bert Hofmann 2019 die Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger. Hannes‘ Vater fährt mit seinem Unternehmen in Mittelsachsen seit Jahren zweigleisig, einerseits mit Fliesen und Natursteinverlegung und andererseits mit dem Bau von Kaminen, Grundöfen und Herden. Im zweiten Lehrjahr nahm der Vater Hannes immer wieder mit auf seine Baustellen. „Das weckte natürlich mein Interesse“, erinnert sich der Junior. Dabei reifte der Entschluss, in die väterlichen Fußstapfen zu treten. Zunächst begann Hannes mit der Fliesenleger-Ausbildung. Mittendrin bewarb er sich im Oktober 2021 auf Empfehlung bei der Großenhainer Ofenbauer GmbH. Wenige Wochen später unterschrieb er den zweiten Lehrvertrag, noch bevor der erste abgeschlossen war.
Von 2022 bis 2025 lernte Hannes dann auch den Ofen- und Luftheizungsbau von der Pike auf.
Jeden Tag eine neue Aufgabe
Was Hannes am Ofenbau begeistert, ist die immense Bandbreite der Tätigkeiten.„Die Vielseitigkeit im Ofenbau gibt es in kaum einem anderen Handwerk“, sagt er.„Von allem etwas, keine stumpfsinnige Arbeit am Band oder an Maschinen. Man ist immer in Bewegung, und es wird nie langweilig. Jede Baustelle ist anders und fordert immer wieder zum Umdenken.“
Vom Fliesenleger zum Ofenbauer.«
Den Sprung aus dem ersten ins zweite Handwerk hat Hannes die Fliesenlegerlehre erleichtert. Estrich- und Betonbau, Mauer- und Verputzarbeiten, Trockenbau, ein wenig Holzfachwerk, dazu die Natursteinbearbeitung – vieles davon war ihm nicht fremd, auch wenn manches in der ersten Lehrzeit nur angerissen wurde. Das Hauptaugenmerk lag damals woanders: In den überbetrieblichen Lehrgängen der Handwerkskammer Chemnitz wurde das Verlegen von Fliesen im Dickbett an Wand und Boden gefordert und geprüft.
Wenn der Ofen Stück für Stück wächst
„Das Arbeiten mit Keramik finde ich persönlich immer noch am schönsten“, sagt Hannes. Kacheln bearbeiten, Kacheln setzen und dabei zusehen, wie der Ofen langsam Gestalt annimmt. Wichtig ist Hannes das Miteinander auf der Baustelle. Der Zusammenhalt im Betrieb stimmt, und der Ton ist locker.„Wir nehmen uns auch gerne mal gegenseitig auf den Arm“, erzählt er. Auch der Draht zur Kundschaft entscheidet für ihn über einen guten Arbeitstag.„Wenn wir es schaffen, von Anfang an ein gutes Verhältnis aufzubauen, erleichtert das den Berufsalltag.“ Gute Terminabsprachen und klare Kommunikation, sagt er, machten sehr viel aus und tragen zur Zufriedenheit in der Kundenbeziehung bei.
Als die Decke zwölf Zentimeter zu niedrig war
Nicht immer läuft alles glatt. Dass sich aber auch knifflige Situationen lösen lassen, hat Hannes bei einer der letzten größeren Neuanlagen erlebt. Die Deckenhöhe passte nicht zur Planung – der Kunde hatte in Eigenleistung etwas umgebaut, und am Ende fehlten zwölf Zentimeter. Hofmann und seine Kollegen überbrückten die Höhe mit einem Untertritt.„Die Kunden waren zwar anfangs skeptisch, wurden aber je weiter der Bau des Ofens voranging immer entspannter.“ Mit dem Ergebnis waren sie am Schluss zufriedener als mit der ursprünglichen Planung.
Sei kein „Mehlmann“ ...
Ein Punkt liegt Hannes besonders am Herzen: vernünftiges, sauberes Arbeiten. Bei manchen älteren Kollegen vermisst er die Bereitschaft, eingefahrene Wege zu überdenken – beim Gehörschutz, beim Atemschutz, bei einfachen Arbeitserleichterungen. Er selbst stellt beim Schneiden mit dem Winkelschleifer den Staubsauger als Arbeitsplattform auf und legt eine Schneidplattform als Auflage für die Keramik darüber.„Man muss ja nicht jeden Tag aussehen wie der Mehlmann persönlich.“
Dass Hannes schon früh viel mit Palette CAD gearbeitet hat, sieht er heute als großen Vorteil – im Arbeitsalltag wie in der Meisterausbildung. Rückblickend ist er auch froh darüber, drei statt der möglichen zwei Jahre gelernt zu haben: So musste er das erste Schuljahr nicht unter Druck nachholen. Weniger überzeugt hat ihn anderes. Dass in der Ausbildung noch das Arbeiten an Ölgeräten gefordert wurde, hält er für wenig sinnvoll, wenn ein Betrieb nicht darauf spezialisiert ist.„Wenn man es nur ein oder zwei Mal in der Ülu macht, kann sich das gesammelte Wissen gar nicht richtig festigen.“
Mehr junge Leute ins Handwerk
Auch das Thema Nachwuchsgewinnung beschäftigt den jungen Handwerker.„Natürlich könnten (und sollten) Betriebe auf Ausbildungsmessen gehen, in Schulen präsent sein, online für sich werben. Der Ansatz könnte aber auch ein anderer sein.“ In Hannes‘ Augen wird die Verantwortung zu sehr den Betrieben zugeschoben. Das Handwerk müsse schon vom Bildungssystem her viel stärker beworben und gefördert werden.„Anstatt noch das Abitur oder irgendein Studium anzuhängen, sollten viel mehr junge Menschen ermuntert werden, eine handwerkliche Ausbildung zu machen. Viele werden anschließend dabeibleiben“, ist sich Hannes sicher. Die Chancen seien selten besser gewesen: Viele Betriebe suchen Nachfolger oder junge Arbeitskräfte. Was ein Azubi mitbringen sollte, ist für Hannes schnell gesagt: Interesse vor allem.„Wenn man merkt, dass eine Person lernwillig ist, von sich aus Fragen stellt, pünktlich und höflich ist, bekommt sie auch meist mehr mit auf den Weg gegeben.“ Eine gute Grundlage fürs Berufsleben, findet er.
Anstatt noch das Abitur oder irgendein Studium anzuhängen, sollten viel mehr junge Menschen ermuntert werden, eine handwerkliche Ausbildung zu machen.«
Wo er selbst in zehn Jahren steht, lässt Hannes offen.„Noch bin ich in der Meisterausbildung, der Fokus liegt momentan also darauf und auf dem Betriebsalltag.“ Den Ausblick auf die Branche formuliert er dafür umso klarer: Der Ofenbauer werde sich so schnell nicht ersetzen lassen, und die Folgen der Jahre, in denen zu wenig ausgebildet wurde, würden sich noch stärker auf die Auftragslage auswirken.„Wer Handwerker ist, seinen Betrieb gut führt und breit aufgestellt ist, wird die nächsten Jahre bestimmt gut zu tun haben.“ Ein Betrieb, der von der Fliese über den Naturstein bis zum Grundofen alles aus einer Hand bietet, dürfte dafür keine schlechte Ausgangslage sein.
Den Ausgleich zum Bau holt sich Hannes auf dem Fußballplatz. Lange hat er als Torwarttrainer den Nachwuchs betreut, inzwischen fehlt ihm dafür leider die Zeit. Geblieben ist die Rolle bei der Männermannschaft – und das gelegentliche eigene Spiel. Auch da gilt für ihn, wie im Beruf: lieber selbst mit anpacken, als nur zuzusehen.
Hannes Hofmann
Foto: Hannes Hofmann
Durch seine Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger gehen Hannes auch Arbeiten an Wand und Boden leicht von der Hand.
Foto: Hannes Hofmann
Palette CAD beherrscht Hannes aus dem ff.
Foto: Hannes Hofmann
Hannes beim Zuschneiden von Plattenware.
Foto: Hannes Hofmann
Kein Ofen ist wie der andere – das liebt Hannes an diesem Job.
Foto: Hannes Hofmann
Für größere Materialbewegungen steht ein elektrischer Stapler zur Verfügung.
Foto: Hannes Hofmann
Den Ausgleich zum Beruf findet Hannes beim Fußball in der Männermannschaft.