„Hier kocht der Chef selbst.“ Nicht selten rückt der zweifache Meister mit zu Kundinnen und Kunden aus.
Seit über 100 Jahren steht der Name Pointner im Raum München für individuelles Ofenbauer-Handwerk. Mit etwas über 30 Jahren führt Matthias Pointner die Familientradition in seinem Pasinger Betrieb als zweifacher Handwerksmeister – sowohl für Installateur- und Heizungsbau als auch für Ofen- und Luftheizungsbau – fort.
Zwischen Kacheln, Ofeneinsätzen und Heizungsrohren ist Matthias Pointner aufgewachsen. Doch als es um die Berufswahl ging, entschied sich der Münchner bewusst gegen eine Lehre im elterlichen Betrieb. „Um private Spannungen zu Hause zu vermeiden“, wie er sagt. Stattdessen absolvierte er eine Lehre zum Anlagenmechaniker im SHK-Handwerk – ein artverwandter Beruf, der ihm die Grundlagen verschaffte und gleichzeitig Eigenständigkeit zur Familie wahrte. Heute, mit 33 Jahren, ist Matthias zweifacher Handwerksmeister für Installateur- und Heizungsbau sowie für Ofen- und Luftheizungsbau und leitet die Firma Matthias Pointner GmbH in München-Pasing.
Die Geschichte der Pointners reicht weit zurück. 1823 taucht der Name erstmals auf, 1936 wurde Großvater Anton Pointner geboren, der das heutige Unternehmen in Pasing 1966 gründete. 1992 übernahmen Matthias‘ Vater Christoph und Onkel Andreas die Firma und prägten sie über Jahrzehnte. 2020 schließlich gaben die Brüder den Staffelstab an Matthias weiter. Christoph Pointner ist dem Unternehmen weiterhin verbunden, aber die operative Führung liegt nun in jüngeren Händen.
Vom Ferienjob zum Firmenchef
Was es bedeutet, einen Handwerksbetrieb als Familienunternehmen zu führen, bekam Matthias schon von Kind an mit, auch Sommerferienjobs im elterlichen Betrieb gehörten dazu. Abgeschreckt hat ihn das nicht.„Frühe handwerkliche Begabung, viel Kundenkontakt und Bewegung – besser, als den ganzen Tag im Büro zu sitzen“, beschreibt er seine Gründe für die Berufswahl.
Nach dem Realschulabschluss 2009 begann Matthias seine Ausbildung als Anlagenmechaniker, die er um ein halbes Jahr verkürzen konnte. Von 2012 bis 2013 folgte die erste Meisterschule, bereits ein Jahr später war Matthias als Installateur- und Heizungsbauermeister im elterlichen Ofenbaubetrieb tätig – eine willkommene Ergänzung, um ganzheitliche, wasserführende Wärmesysteme umsetzen zu können. Von 2013 bis September 2018 sammelte er dort Erfahrung, bevor er sich entschied, nun auch noch einen zweiten Meistertitel im Ofen- und Luftheizungsbau zu erwerben. Im Mai 2019 gründete er seine eigene Firma.
Viel zu sehen, immer neue technische Feinheiten zu lernen bis hin zur schnellen Fehleranalyse, mit jedem Typ Menschen umgehen zu können – das hat mir während der Ausbildung am besten gefallen.«
„Viel zu sehen, immer neue technische Feinheiten zu lernen bis hin zur schnellen Fehleranalyse, mit jedem Typ Menschen umgehen zu können“, zählt Matthias Pointner auf, was ihm während der Ausbildung am besten gefallen hat. Die Kehrseite:„Manchmal störte mich der Umgangston mit Kollegen, auch die Parksituationen in einer Stadt wie München können fürs Handwerk nervig sein, weil man Werkzeug und Material oft weit tragen muss, außerdem stören fünfstöckige Häuser ohne Aufzug und Menschen ohne Respekt für das Handwerk.“ Zum Glück überwogen die positiven Aspekte wie Teamgeist und Kundennähe bei Weitem.
Ein typischer Arbeitstag bei Pointner beginnt früh. Um 6.45 Uhr trifft sich das Team im Lager, die Autos werden für die Baustellen des Tages beladen. Spätestens um acht Uhr steht man beim Kunden auf der Matte. Je nach Auftrag verbringt die Mannschaft den ganzen Tag auf einer Baustelle oder erledigt mehrere Kleinarbeiten – Reinigungen, Wartungen, Kundendienst. Gegen 16 Uhr ist Feierabend. „Ohne gutes Team geht keine gute Baustelle und macht auch keinen Spaß. Geteilte Arbeit ist die halbe Arbeit“, betont der junge Chef. Und genauso wichtig ist ihm der Kundenkontakt: „Mit den Auftraggebern alles detailliert abzusprechen macht Spaß und vermeidet unerwartete Ereignisse. Durch den Kontakt lernt man den Kunden kennen und man kann sich seinen Bedürfnissen und Vorstellungen anpassen.“
Nachwuchssuche? Die richtige Ansprache macht‘s
Was sollten Betriebe tun, um Ofenbau-Azubis zu gewinnen? Matthias Pointner hat eine klare Antwort:„Social Media Arbeit, dass die Jugend auch mal Handwerk am Handy sieht und sich dann eventuell dafür begeistert.“ Seine eigene Firma ist auf Instagram, Facebook und TikTok präsent – betreut von einer Social Media-Beraterin. Junge Menschen erreicht man heute digital, da ist sich der 32-Jährige sicher. Welche Voraussetzungen sollten Azubis mitbringen?„Am Wichtigsten ist, dass sie mit Freude und Elan arbeiten, Lust darauf haben, neue Dinge zu lernen, dass sie handwerkliches Geschick mitbringen und teamfähig sind“, zählt er auf.„Ich wusste von Anfang an, worauf ich mich einlasse. Für mich ist das Berufsbild des Ofenbauers eines der Schönsten und Spannendsten, die es gibt. Wenn man weiß, was man will und sich vorher informiert, wird es auch klappen.“
Tradition trifft Innovation
Die Philosophie der Firma Pointner ist über die Generationen unverändert geblieben: Kamine, Öfen und Bäder werden individuell gebaut, niemals„von der Stange“. Gleichzeitig arbeitet man mit modernster Technik – von Heizungsanlagen mit Solarthermie über Wärmepumpen bis hin zu Erdwärmeheizung. Was die Zukunft bringt?„Schwierig zu sagen“, findet er,„das Leben wird uns OL-Handwerkprofis und Heizungsbauern zurzeit ja politisch eher schwer gemacht. Weil es aber ohne Heizwärme hierzulande nun mal nicht geht, sehe ich mich mit meiner Firma auch noch in 30 Jahren gut aufgestellt.
Macht Social Media Arbeit – dass die Jugend auch mal Handwerk am Handy sieht und sich dann eventuell dafür begeistert.«
Wenn er nicht gerade auf Baustellen unterwegs ist, geht Matthias Pointner gerne Snowboarden, Tanzen, Stockschießen – und als Bayer natürlich Schafkopfen. Ein junger Meister mit festem Stand, der Tradition und Aufbruch gleichermaßen lebt. Bei Pointner zieht die ganze Familie an einem Strang,„und das schon Generationen über Generationen“, wie es auf der Website heißt. Matthias Pointner bringt frischen Wind mit rein, hat immer ein Lachen auf den Lippen und arbeitet mit Leidenschaft an jedem Projekt. Seine Botschaft an den Nachwuchs: „Es ist egal was man macht, man muss es mit Herzblut ausüben. Der Beruf Ofen- und Luftheizungsbauer sowie der Anlagenmechaniker im SHK-Bereich sind Ausbildungen und Berufe, die zukunftsweisend sind.“
Foto: Matthias Pointner
Andreas und Christoph Pointner mit ihren Ehefrauen Sabine und Angela haben das Geschäft 1992 übernommen und die Firma über Jahrzehnte hinweg geprägt. Christoph Pointner ist weiterhin für das Unternehmen tätig. Beide Brüder haben den„Staffelstab“ aber 2020 an Christophs Sohn Matthias weitergereicht.
Foto: Matthias Pointner
Christophs Großvater Anton Pointner gründete 1966 seinen Ofenbaubetrieb in Pasing, die Handwerkstradition der Familie reicht allerdings schon über 100 Jahre zurück.
Foto: Matthias Pointner
Von der Aufstellung eines Kaminofens ...
Foto: Matthias Pointner
... bis zum traditionellen Kachelofenbau reicht das Spektrum der Aufträge ...
Foto: Matthias Pointner
... dabei werden gerne auch designmäßig ausgefallenere Wünsche realisiert wie diese Kaminanlage in Black & White ...
Foto: Matthias Pointner
... oder so ein klassischer Natursteinkamin an der Außenfassade.