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/// Junge Ofenbau-Talente

„Reise mit Feuer, und es öffnet dir Augen und Herz!“

K&L-Magazin: Jim das ist ja eine steile Ofenbaukarriere. Wirtschaftsabitur, Ofenbaulehre mit Gesellenbrief, jetzt kam noch dein Meistertitel hinzu und seit 1. Januar bist Du Geschäftsführer bei firetube. Na da sage noch einer das Handwerk ist nichts für die jüngere Generation.

Jim Schmitz: Genau das Gegenteil, denn das Handwerk hat so viele Facetten. Schaut mal nach draußen. Fast alles, was man sieht und anfasst, ist per Hand entstanden. Und ganz besonders unsere Öfen entstehen nicht per Knopfdruck. Nicht ohne Grund gibt es das Wort „Handwerksstolz“, das ich mir gerne auf die Fahne schreibe.

K&L-Magazin: Wenn man Dich so schwärmen hört, merkt man, Du brennst für den Beruf des Ofenbauers.

Jim Schmitz: Ja, eigentlich nicht nur für den Beruf, sondern für die ganze Ofenbranche. Natürlich steht der handwerkliche Ofenbau im Vordergrund. Aber mein Aufgabengebiet bei so einer kleinen Ofenmanufaktur wie firetube ist so weit gespannt, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu erklären. Begonnen hat es als firetuber vor acht Jahren mit der Aufgabe, zusammen mit meinem Bruder Tom einen eigenen Ofen zu entwickeln. Raus gekommen ist der tinytube. Ein Ofenkonzept speziell für Tiny-Häuser mit einer geringen Wärmeleistung, Speichermasse und Kochfunktion. Betreiben kann man den tinytube aber auch mit einer größeren Wärmeleistung von 8 kW für normale Wohnhäuser. Das war Klasse von meinem Vater, so viel Freiheit zu bekommen, um selber gleich Erfahrungen zu sammeln und alles von der Pike auf zu durchdenken und zu entwickeln. Marktforschung, Brainstorming, Anforderungsprofile erstellen, Entwurfsskizzen, Zeichnungen, Prototypenbau und im Anschluss die ersten Bratkartoffeln auf der Kochplatte und das Steak aus der Brennkammer – diesen Moment werde ich nie vergessen. Danach folgten Marketing, Messen, Kundengewinnung und natürlich die Behebung von Anfangsproblemchen. Die Krönung war schließlich, dass ich mit dem tinytube an der Ausarbeitung der Prüfungskriterien und der Festlegung des „Blauen Engels“ für Kaminöfen beteiligt war. Gemeinsam mit führenden Herstellern, Branchen- und Umweltverbänden sowie Spezialisten aus Forschung, Technik und Entwicklung saß ich im Bundesumweltamt am Tisch, um die Anforderungen des Blauen Engels zu definieren. Dieser Austausch war für mich fachlich wie persönlich sehr interessant. Der tinytube wurde daraufhin unter realen Bedingungen auf Herz und Nieren getestet. Das war wirklich spannend.

Feuer zu bändigen begleitet die ­Menschheit schon seitdem wir aufrecht gehen. Und ­genauso aufrecht gehen wir die anstehenden Entwicklungen an. «

Jim Schmitz

K&L-Magazin: Wow, spannend ist aber auch, wo du schon in Sachen Ofen weltweit unterwegs warst.

Jim Schmitz: Ja, mit und für Feuer zu reisen, ist für mich ein Muss. Highlight waren mehrere Ofenbauertreffen der Masonry Heater Association of North America (MHA) in Wildacres North Carolina. Seitdem habe ich Freunde wie Jessica Steinhäuser, eine Keramikerin aus Toronto oder Aki Yoshimizu, ein Ofenbauer aus Japan, den ich 2017 bei einem Ofenbau in Japan begleiten durfte. 2015 fuhr ich mit einem alten Schoolbus durch Amerika mit dem Ziel in Fairbanks, Alaska, eine coole firetube Alleinhausheizung zu bauen. Das war der Hammer. Es gibt aber auch ein paar weitere Herzensprojekte. Beim Reisen stellt man fest, dass der Reichtum, in dem wir leben, nicht selbstverständlich ist und Wärme, Sicherheit und Gesundheit nicht überall gegeben sind. So war ich 2018 mit Maisons on a Mission (MoM) in Guatemala. Dort werden in freiwilliger Arbeit mit Ofenbauern aus aller Welt Kochöfen für bedürftige Familien gebaut, die mit offenem Feuer in ihrer Hütte kochen und täglich den Rauchgasen und der Gefahr vor Verbrennungen ausgesetzt sind. Die Kochöfen entstehen in Zusammenarbeit mit heimischen Handwerkern sowie örtlichen Baumaterialien, was je Ofen 120 Dollar kostet. Es ist schon bewegend, in dankbare Augen zu schauen und hier einen kleinen, aber warmen Beitrag leisten zu dürfen. Ein weiteres Herzensprojekt ist „Wärme für Kinder“. Ich möchte jedem Ofenbauer nahelegen, hier auch mal ehrenamtlich Teil davon zu werden. Ich war 2024 mit meiner Meisterklasse, Hendrik Schütze und André Dix in Rumänien, dort spendet jetzt ein toller Kachelofen Wärme für ein rumänisches Kinderheim. Schon seit über 25 Jahren werden durch „Wärme für Kinder“ Öfen von engagierten Ofenbauern in Osteuropa gebaut. Helene Schütze promotet dieses Herzensprojekt in den letzten Jahren intensiv und es werden bestimmt noch viele Herzensöfen gespendet. Geben tut gut! Mein Credo: Reise mit Feuer und es öffnet dir Augen und Herz!

K&L-Magazin: Okay, also auch durchs Reisen hast Du viel erlebt. Jetzt baut Ihr ja auch Euren tinytube in Reisemobile und seid in der Tiny Home Szene kein unbeschriebenes Blatt mehr. Wie kommt man auf solche Ideen?

Jim Schmitz: Dass man unsere firetube in Wohnhäuser einbauen kann, ist ja seit über 20 Jahren kein Geheimnis. Aber was uns von firetube schon immer gereizt hat, ist auch in anderen Ofengewässern zu fischen. Hierbei geht es darum, sich ganz neue Märkte zu erschließen und seine Gedanken für Ungewöhnliches zu öffnen. Ich stelle mich solchen Herausforderungen gerne, denn dann entsteht etwas komplett Neues, was auf dem Alten aufbaut. Da ist mir mein Vater ein echtes Vorbild.

Nicht ohne Grund gibt es das Wort „Handwerksstolz“, das ich mir gerne auf die Fahne schreibe«

Jim Schmitz

K&L-Magazin: Ja, Axel war schon immer sehr experimentierfreudig. Wie siehst Du denn die Ofenzukunft?

Jim Schmitz: Feuer zu bändigen begleitet die Menschheit schon seitdem wir aufrecht gehen. Und genauso aufrecht gehen wir die anstehenden Entwicklungen an. Auch unsere Ofenanlagen werden sich zeitgemäß wandeln und anpassen. Und wer die Ofenzukunft erleben will, kommt gerne im März auf die Hagos-Börse – da erwartet Euch der „Chronobot“ von firetube. Eine stromlose Ofensteuerung, die das Ofenheizen vereinfacht und Bedienfehler verhindert. Man kann sagen, wir von firetube sind „Stromausfall-ready“.

K&L-Magazin: Das war wirklich inspirierend und ich bin gespannt, wie es mit firetube in die 2. Runde geht. Wir von der K+L freuen uns auf die Feuerzukunft mit Dir Jim und Deinem Bruder Tom.

Internationales Netzwerken: Im Rahmen seines Amerika-Aufenthalts nahm Jim am Treffen der Masonry Heaters Association teil ...

Foto: Jim Schmitz

Internationales Netzwerken: Im Rahmen seines Amerika-Aufenthalts nahm Jim am Treffen der Masonry Heaters Association teil ...
... inklusive des dort initiierten Kachel-Herstellungskurses.

Foto: Jim Schmitz

... inklusive des dort initiierten Kachel-Herstellungskurses.
Später baute Jim mit Aki Yoshimizu in Japan einen Kachelofen auf.

Foto: Jim Schmitz

Später baute Jim mit Aki Yoshimizu in Japan einen Kachelofen auf.
Gemeinsam mit seinem Bruder Tom (links) entwarf und konstruierte Jim den „tinytube“, eine kleinere und günstigere Version des erfolgreichen firetube mit ähnlicher Vielseitigkeit und gleicher Wertigkeit.

Foto: Jim Schmitz

Gemeinsam mit seinem Bruder Tom (links) entwarf und konstruierte Jim den „tinytube“, eine kleinere und günstigere Version des erfolgreichen firetube mit ähnlicher Vielseitigkeit und gleicher Wertigkeit.
Als Teil des ­Dresdener Meisterkurses reiste Jim für die Initiative „Wärme für Kinder“ nach ­Rumänien, um dort in einem Heim einen Kachelofen zu errichten.

Foto: Wärme für Kinder e.V.

Als Teil des ­Dresdener Meisterkurses reiste Jim für die Initiative „Wärme für Kinder“ nach ­Rumänien, um dort in einem Heim einen Kachelofen zu errichten.

Lebenslauf Jim Schmitz

Geboren am: 3.8.1994 in Stuttgart

Schulabschluss: 2014 Allg. Hochschulreife

Ausbildung: 2015-2016 Lehre Ofen- und Luftheizungsbau

Meisterkurs: 2023-2025

Info

Die Ofenhelden m/w – jetzt mit neuem Konzept!

Die Ofenhelden m/w starten in eine neue Phase – mit frischen Ideen und einem klaren Ziel: Künftig wird der Ofenhelden-Account direkt von engagierten Auszubildenden aus der Ofenbau-Branche gestaltet. Sie berichten über ihren Ausbildungsalltag, teilen spannende Einblicke in Projekte und zeigen, wie vielfältig, modern und kreativ unsere Branche ist. Die Vision: Eine bundesweite Ofen-Community, in der junge Menschen, Handwerk und Industrie gemeinsam den Ofenbau sichtbar, innovativ und zukunftsorientiert weiterentwickeln.

Um diese Idee mit Leben zu füllen, sucht der GVOB weitere Auszubildende, die Lust haben, Teil der Ofenhelden zu werden und die Zukunft unserer Branche aktiv ­mitzugestalten.

Warum sollte man als Auszubildender / Auszubildende mitmachen?

Zugang zu exklusiven Events, ein großes Netzwerk. die Möglichkeit den Ofenbau ­aktiv mitzugestalten und weitere Vorteile...

Also bitte an die Azubis weiterleiten – bei Interesse oder Rückfragen einfach beim GVOB melden. Gemeinsam machen wir den Ofenbau erlebbar!

Foto: GVOB

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