Finn ist jetzt stolzer Ofenbau-Geselle. Ein Meisterkurs soll in zwei Jahren folgen.
Auch die Ofenbaukarriere des Jung-Gesellen Finn Engelmann aus dem südlichen Brandenburg geht letztlich auf ein familiäres Vorbild – seinen Großvater – zurück. In seinem Fall brauchte es nur eine Fahrt mit dem Ofenbau-Opa auf eine Baustelle. Dabei konkurrierte die Berufswahl bei Finn zunächst auch noch mit anderen Optionen.
Mitten in der 10. Klasse, als viele Klassenkameraden längst ihre Bewerbungen verschickt hatten, stand Finn noch ohne klare Richtung da. Zwei Praktika hatte er bereits hinter sich: eines im Stahlwerk der GMH-Gruppe, eines bei CLAAS mit Mechatronikern. Beides überzeugte ihn nicht. Erst der Blick über die Schulter seines Großvaters auf einer Ofenbaustelle weckte das Interesse an dem Handwerk, das so viel mehr zu bieten hat, als es Außenstehenden den ersten Blick erscheinen mag. Anders ist es ja auch kaum erklärlich, dass sich nicht viel mehr junge Leute für diesen tollen Beruf begeistern.
Die Entscheidung für den Ofen- und Luft- heizungsbauer war letztlich eine Entscheidung fürs Schöpferische. „Etwas handwerklich von Tag 1 an zu begleiten, Träume umzusetzen und am Ende die Kunden erfreut an ihrem fertigen Ofen zu sehen – das ist ein großartiges Gefühl“, sagt Finn rückblickend. Handwerkliches Vorwissen brachte er zu Ausbildungsbeginn kaum mit. Die nötigen Handgriffe, das Gefühl für Werkzeug und Material – all das kam mit der Ausbildung selbst. Und genau das empfindet er nicht als Makel, sondern als Beweis dafür, wie gut sich dieser Beruf auch für Quereinsteiger eignet, die mit offenen Augen und Lernbereitschaft an die Sache herangehen.
Etwas handwerklich von Tag 1 an zu begleiten, Träume umzusetzen und am Ende die Kunden erfreut an ihrem fertigen Ofen zu sehen – das ist ein großartiges Gefühl.«
Ausbildung mit Herzblut und guten Erinnerungen
Was ihm in der Ausbildung am besten gefallen hat? Vor allem das Vertrauen. „Wenn einem der Meister zutraut, Aufgaben selbständig zu erledigen, ist das das Schönste“, sagt Finn. Dazu kam die Berufsschulzeit, die er als „wunderbare Zeit“ in Erinnerung behält – eine Zeit des Lernens, aber auch des Kennenlernens: engagierte Klassen- kameraden, zu denen zum Teil heute noch Kontakt besteht und ein starkes Miteinander. Besonders positiv hebt Finn das Projekt „Lernen am anderen Ort“ bei Ofen Innovativ hervor. Dort sei nicht nur Fachwissen vermittelt worden, sondern auch der Teamgeist gewachsen.
Ob ihm während der Ausbildung etwas nicht gefallen hat? Auf diese Frage muss Finn passen. Er findet nach eigenem Bekunden „alle Ecken und Kanten in dem Beruf wunderbar“, auch wenn ihn manches an der Ausbildung überrascht hat. Den Umfang an Mathematik, den der Beruf verlangt, hatte er zum Beispiel nicht erwartet. Insgesamt wurden Finns Erwartungen an den Beruf mehr als erfüllt: „Ich hätte am Anfang nicht damit gerechnet, dass dieser Beruf so vielseitig und flexibel ist“.
Das Feuer im Haus zu errichten ist schon was Atemberaubendes. Und deswegen bin ich so froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben.«
Teamwork, Kundenkontakt und ein denkwürdiges Projekt
Im Berufsalltag zählt Teamarbeit für Finn zu den unverzichtbaren Grundlagen. „Manche Dinge, wie Kamine transportieren oder schwere Steine setzen, erfordern mindestens vier Hände“, erklärt er. Aber auch abseits der körperlichen Anforderungen ist das Miteinander wichtig: Ein Gesprächspartner auf der Baustelle oder im Büro, jemand, mit dem man Aufgaben bespricht und Probleme löst, das kommt dem Betrieb und letztlich dem Kunden zugute.
Damit sind wir bei den Erfahrungen mit der Kundschaft: „Man kann sich mit den Leuten unterhalten, erfahren, was sie arbeiten, welche Hobbys sie haben – und genau das ist mir auch wichtig, um mit ihnen gemeinsam Anlagen planen zu können“, sagt Finn. Dass dabei nicht immer alles reibungslos läuft, hat er schon erfahren: Eine Baustelle mit drei Öfen an einem Schornstein bescherte dem Team zunächst unerwartete Probleme. Nach langem Hin und Her wurden alle gelöst. Die Belohnung: das erste Anzünden aller drei Öfen, eine glückliche Kundschaft und, wie er schmunzelnd ergänzt, „zwei glückliche Schornsteinfeger“.
Zwischen Lager, Baustelle und Feierabend-Leselektüre
Ein typischer Arbeitstag beginnt bei Finn mit einem Kaffee. Man spricht über die anstehenden Aufgaben, dann geht es ins Lager, der Sprinter wird beladen, und auf geht’s zur nächsten Baustelle. Am Abend wird der Wagen wieder entladen, der nächste Tag besprochen. „Dann ist Feierabend mit Leselektüre, Absprache für den nächsten Tag und Getränk.“
Außerhalb der Arbeit spielte Finn früher Tischtennis im Verein, was durch den Berufsstart etwas ins Stocken geraten ist. Seine Interessen drehen sich heute vor allem um handwerkliche Arbeiten, Technik sowie Familie und Freunde.
Meister, Übernahme, Zukunft
Finns Blick in die Zukunft ist klar: Nach der Gesellenprüfung in etwa zwei Jahren will er mit dem Meisterkurs beginnen und danach die Firma seines Großvaters übernehmen. Damit schließt sich ein schöner Bogen: Der Opa hat Finn einst auf die Baustelle mitgenommen und ihm die Welt des Ofenbaus geöffnet, und nun ist es sein Ziel, genau dieses Erbe weiterzuführen und weiterzuentwickeln.
Was der Nachwuchs braucht – und was Betriebe tun sollten
Auf die Frage, was künftige Azubis mitbringen sollten, nennt Finn drei Dinge: handwerkliche Grundlagen und technisches Verständnis auf der einen Seite – und auf der anderen Seite Ruhe und Konzentration, weil man häufig mit sensiblen Materialien und Bauteilen arbeitet, die Genauigkeit und Sorgfalt bei der Umsetzung verlangen. Dazu kommt Teamgeist, denn Ofenbau ist kein Einzelkämpfer-Beruf. Und was sollten Betriebe tun, um mehr Nachwuchs zu gewinnen? Hier hat Finn eine klare Meinung: „Man muss auf jeden Fall stärker auf die Onlinepräsenz setzen und vor allem in Social Media aktiv sein, damit das Berufsfeld mehr Reichweite bekommt.“ In seiner Region, Südbrandenburg, herrsche nach wie vor das Bild, Handwerk bedeute vor allem harte körperliche Arbeit und einen kaputten Rücken. Dieses Bild müsse verändert werden: „Mit diesem Beruf kann man viel mehr erreichen.“ Wer weiß, vielleicht hilft ja sein eigenes Beispiel dabei, genau das zu zeigen. Finns persönliches Fazit bringt es auf den Punkt: „Dieser Beruf ist so viel mehr als Steine zu setzen und Öfen zu kehren. Das Feuer im Haus zu errichten ist schon was Atemberaubendes. Und deswegen bin ich so froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben.“
Finn Engelmann
Foto: Finn Engelmann
Besser zu zweit: Teamwork ist im Ofenbau oft nicht nur eine Voraussetzung, sie macht auch (mehr) Spaß, weil man sich austauschen kann.
Foto: Finn Engelmann
Sauberes Verfugen eines Kachelofens erfordert eine ruhige Hand.
Finn Engelmann
Foto: Finn Engelmann
In seiner Region in Brandenburg...
Foto: Finn Engelmann
...hat Finn es häufig noch mit alten Kachelöfen aus DDR-Zeiten zu tun.
Foto: Finn Engelmann
Arbeiten im bewohnten Umfeld wie hier beim Bohren eines Schornsteinanschlusses verlangen höchstes Bemühen um Sauberkeit.
Foto: Finn Engelmann
Der Kunde wählt: Nicht immer ist es eine handwerklich aufgebaute Anlage. Hier sehen wir Finn bei der „Feuertaufe“ eines Kaminofens.