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/// Junge Talente

Berufung auf den zweiten Blick

Mit inzwischen 35 Jahren ist Katharina Ebi natürlich kein ganz junges Ofenbautalent mehr, ihre interessante Geschichte beschert ihr in dieser Serie, die normalerweise die Motivation und die Erfahrungen der Generation U30 zum Inhalt hat, trotzdem einen Platz. Kurze Rückblende: Es gibt ein Foto, das Katharina Ebi gerne erwähnt: Sie ist zwei Jahre alt, hält eine Spachtel in der Hand und steht neben ihrem Vater, der gerade ein Betonfundament zieht.

„Vielleicht war ich da noch nicht so produktiv, aber eben immer dabei“, sagt sie heute mit einem Schmunzeln. Drei Jahrzehnte später ist aus dem Kind, das im Familienbetrieb mitlief, die Geschäftsführerin geworden. Als wir Katharina Ebi 2017 schon einmal als eine der damals noch wenigen weiblichen Ofenbauer vorstellten, war sie frisch gebackene Gesellin und Landessiegerin im Betrieb ihres Vaters, dem Markgräfler Ofenbau. Heute leitet sie das Unternehmen gemeinsam mit Malte Reith – jenem Meister, der schon damals neben ihr auf der Baustelle stand.

Umweg über die Tiermedizin

Dass es überhaupt der Ofenbau wurde, war 2017 noch eine kleine Pointe und ist es heute geblieben: Ihre erste Ausbildung absolvierte Katharina Ebi nach dem Abitur nicht in der Werkstatt, sondern in der Tiermedizin, wo sie sich von 2011 bis 2014 zur tiermedizinischen Fachangestellten ausbilden ließ. Erst danach entschied sie sich für den Beruf, in den sie von Kindesbeinen an hineingewachsen war. Damit folgte sie, ohne es geplant zu haben, einem Muster ihres Vaters: Auch der Firmengründer hatte den Ofenbau erst als zweiten Beruf aufgenommen – nach einer zuvor abgeschlossenen Ausbildung zum Erzieher. „Am Ofenbau hat mich besonders die Vielfalt des Berufes überzeugt“, erklärt sie rückblickend. Vorerfahrung brachte sie reichlich mit: „Ich konnte vor der Ausbildung schon einen Ofen alleine verputzen.“

Im Grunde kann ein Kachelofen auch nur durch reine Handarbeit entstehen, ohne jeglichen Einsatz von elektrischen Maschinen.«

Katharina Ebi

Was Katharina Ebi an diesem Handwerk schätzt, hat sich seit damals kaum verändert. „Im Grunde kann ein Kachelofen auch nur durch reine Handarbeit entstehen, ohne jeglichen Einsatz von elektrischen Maschinen“, sagt sie. Besonders der Neuaufbau historischer Kachelöfen hat es ihr angetan. „Eine etwa 200 Jahre alte Kachel in der Hand zu halten, ist für mich etwas Besonderes – und sie erfüllt immer noch ihren Zweck und kann wieder verbaut werden. So etwas findet sich in anderen Berufen seltener.“

Zwei Chefs, ein Betrieb

Die berufliche Entwicklung der vergangenen Jahre liest sich folgerichtig: Aus der Gesellin wurde die Meisterin, aus der Mitarbeiterin die Geschäftsführerin. Was 2017 noch als Idee im Raum stand – eine spätere Betriebsübernahme gemeinsam mit Malte Reith – ist heute Alltag. „Unser Betrieb besteht aus zwei Chefs, Malte und mir“, beschreibt Katharina Ebi die Konstellation. Die Arbeit ist klar verteilt: Malte ist draußen auf den Baustellen tätig, Katharina hauptsächlich im Büro. Zwei Gesellen, ein Azubi im zweiten Lehrjahr und eine Teilzeithilfskraft kümmern sich um die Montagearbeiten. Im Büro arbeiten zudem eine Bürofachangestellte und Katharinas Vater, mittlerweile in Teilzeit. Katharina Ebis Arbeitstag beginnt morgens mit dem Fahrrad – „als Ausgleich zur Büroarbeit“.

Nach dem Blick in Kalender und Mailpostfach verteilt sie die Aufgaben an die Teams, die anschließend zu den Baustellen ausrücken. Sie selbst erstellt Angebote, führt Beratungs- und Verkaufsgespräche, übernimmt Bestellungen. Wenn der Hund mit im Betrieb ist, gibt es in der Mittagspause einen Spaziergang. Um 17 Uhr ist offiziell Feierabend, je nach Terminlage auch mal später.

Mitarbeiter und Nachwuchs

Die Frage der Nachwuchsgewinnung treibt das Gewerk seit Längerem um. Ihre Einschätzung fällt nüchtern aus: „Ich glaube, die meisten Betriebe tun hier schon sehr viel. Das Problem liegt eher daran, dass es weniger junge Menschen gibt, die überhaupt handwerklich arbeiten wollen.“ Sie verweist auf Elternhäuser, in denen körperliche Arbeit nicht mehr als erstrebenswert gelte – verbunden mit dem klassischen Satz: Du sollst es einmal besser haben. Dabei habe sich gerade auf der Baustelle viel getan. Im eigenen Betrieb komme ein elektrischer Treppensteiger zum Einsatz, ein befreundeter Gipser teste derzeit Exoskelette für Überkopf- und Hebearbeiten. „Das funktioniert alles sehr gut.“ Auch flexible Arbeitsmodelle hält sie für sinnvoll: Ein Mitarbeiter arbeite im Markgräfler Ofenbau in einer Vier-Tage-Woche, damit für die Familie Zeit bleibe – „und auch das klappt super“. Was Azubis aus ihrer Sicht mitbringen sollten, fasst sie knapp zusammen: „Interesse an dem Beruf und allgemein Aufgeschlossenheit, etwas zu lernen.“

Kunden, die ihren Ofen lieben lernen

Den persönlichen Kundenkontakt schätzt Katharina unverändert hoch. „Wir bauen schließlich den Ofen nicht für uns selbst, sondern für unseren Kunden, also muss dieser mit einbezogen werden.“ Eine Anekdote, die sie gerne erzählt, handelt von einem Paar, das einen alten Kaminofen gegen ein neues Modell mit Speicher tauschen musste – widerwillig zunächst. „Hinterher waren sie aber so begeistert vom Flammenbild und davon, wie lange der Ofen warm bleibt, dass sie sich geärgert haben, den Ofen nicht schon früher getauscht zu haben.“ Solche Momente, sagt sie, gehörten zu den schönsten im Beruf.

Ich glaube, die meisten Betriebe tun bei der Nachwuchsgewinnung schon sehr viel. Das Problem liegt eher daran, dass es weniger junge Menschen gibt, die überhaupt handwerklich arbeiten wollen.«

Katharina Ebi

Vorbehalten gegenüber einer Frau auf der Baustelle ist Katharina übrigens kaum je begegnet. „Ich wurde als Frau auf der Baustelle immer positiv empfangen und sehr wertschätzend behandelt“, betont sie. Klassische Rollenbilder seien ihr nicht untergekommen.

Privatleben und Ausblick

Manches hat sich für Katharina Ebi auch privat verändert. Heute teilen ein Golden Retriever und zwei Katzen den Haushalt; aus dem damaligen Freund ist ihr Mann geworden. Geblieben sind die Liebe zum Wandern, zum Draußensein – und zum Backen, am liebsten im Holzbackofen. Wo sie sich beruflich in fünf bis zehn Jahren sieht? Die Antwort kommt ohne Umschweife: „Ich glaub, ich bin an meinem beruflichen Ziel angekommen. Hier lass ich mich überraschen, was die Zeit ansonsten noch so bringt.“ Ihr größtes Hobby, ergänzt sie, sei ohnehin ihre Arbeit – „ohne Spaß am Beruf geht das nicht. Die Selbstständigkeit nimmt wirklich viel Zeit in Anspruch, über die normale Arbeitszeit hinweg.“

Wer Katharina Ebi heute begegnet, erlebt eine Handwerkerin, die mit beiden Beinen im Betrieb steht und die nicht den Drang verspürt, sich neu erfinden zu müssen. Die 2017 noch ventilierte Idee, den Gestalter im Handwerk in Stuttgart anzuhängen, hat sie nicht weiterverfolgt. Stattdessen hat sie das getan, was damals erst als Möglichkeit am Horizont erschien: den Betrieb übernommen. Gemeinsam mit Malte Reith – wie damals schon angekündigt.

2016 schloss Katharina Ebi ihre Gesellenprüfung als Kammerbeste ab.

Foto: Katharina Ebi

2016 schloss Katharina Ebi ihre Gesellenprüfung als Kammerbeste ab.
Meisterausbildung während der Coronazeit unter erschwerten Bedingungen.

Foto: Katharina Ebi

Meisterausbildung während der Coronazeit unter erschwerten Bedingungen.
Im Oktober 2023 hat Katharina Ebi ihren Meisterbrief erlangt.

Foto: Katharina Ebi

Im Oktober 2023 hat Katharina Ebi ihren Meisterbrief erlangt.
Feuertaufe mit zufriedener Auftraggeberinnen.

Foto: Katharina Ebi

Feuertaufe mit zufriedener Auftraggeberinnen.

Steckbrief Katharina Ebi

Geboren: 07.07.1990

Geburtsort: Freiburg im Breisgau

Schulzeit:

– Grundschule Staufen von 1997 bis 2001

– Waldorfschule Markgräflerland von 2001 bis 2010 (Abschluss: Abitur)

– Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten von 2011 bis 2014

– Arbeit in einer Katzenpension von Januar bis August 2014

– Ausbildung zur Kachelofenbauer-Gesellin September 2014 bis Sommer 2016 im väterlichen Betrieb

– Meisterausbildung und Abschluss im Sommer 2023

– Geschäftsübernahme vom Vater im April 2025

Hobbys: Wandern, Kochen, Backen auch im Holzofen, mein Mann und meine Tiere (ein Golden Retriever, zwei Katzen), größtes Hobby ist allerdings die Arbeitt

Das besondere Projekt

Unter den für dieses Porträt übermittelten Bildern waren ein paar dabei, die auf den ersten Blick sehr außergewöhnlich wirkten: Ein Holz-Backofen aus behauenen Felssteinen, der mit einem darüberliegenden Haus aus gleichem Material eine Einheit bildete. Dazu erklärte Katharina Ebi:

Wir haben einen Kunden aus Freiburg mit Ferienhäusern im Tessin in Prada. Prada liegt im Maggia-Tal, und die historischen Steinhäuser sind nur zu Fuß zu erreichen. Hier haben wir einen Backofen aus einer feuerfesten Stampfmasse von Rath gebaut. Dazu wurde ein Sandhügel in Form des Ofens erstellt. Darauf kam die Stampfmasse. Nach dem Aushärten wurde der Sand wieder entfernt. Die Verkleidung haben wir mit dem dort vorhandenen Granit erstellt. Zwischen dem Granit und dem Backofengewölbe befindet sich eine Dämmung aus Blähtonkugeln. Der Backofen wurde neu errichtet. Die Häuser sind zum Teil stromlos und sehr einfach gestaltet. Früher dienten sie als Almen für Ziegen und ihre Menschen. Gedacht ist der Ofen, um dort oben Brot, Pizza und so weiter zu backen und zum Grillen, da offenes Feuer verboten ist. Es müssen allerdings alle Lebensmittel hochgetragen werden. Die Hütten liegen zirka zwei Stunden Fußmarsch oberhalb von der letzten Straße. Die Aussicht dort ist gigantisch und reicht bis über den Lago Maggiore. Material und Werkzeuge haben wir mit dem Helikopter hochfliegen lassen, nur wir mussten mit den Rucksäcken laufen ...

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