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/// Walter-Bucerius-Seminar 2026

Familientreffen der OL-Branche am Titisee

Die OL-Kenner wissen: Das WBS ist einer der Branchentreffs des Ofen- und Luftheizungsbaus. Beim WBS ist jeder willkommen, ob Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber, Angestellte, Hersteller, Sachverständige oder Berufsschullehrerinnen und -lehrer.

An drei Tagen vom 3. bis 5. März fanden insgesamt zwölf Fachbeiträge zu aktuellen Themen aus Technik, Politik, Betriebsführung und Arbeitssicherheit statt. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass das Ofen- und Luftheizungshandwerk vor großen Veränderungen steht. Gleichzeitig eröffnen sich aber auch neue Chancen für die Branche.

Politische und rechtliche Rahmenbedingungen im Fokus

Ein wichtiger Schwerpunkt lag auf den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die den Arbeitsalltag der OL-Betriebe zunehmend prägen. Dr. Johannes R. Gerstner gab zum Auftakt Einblicke in aktuelle Gesetzgebungsprozesse aus Berlin und Brüssel und zeigte auf, welche Chancen und Herausforderungen sich daraus für die Ofenbranche ergeben.

Gleichzeitig stand die Frage im Raum, wie sich das Handwerk im Spannungsfeld zwischen Regulierung, Technik und Praxis weiterentwickeln kann. Serjoscha Dehn setzte sich kritisch mit der Bundesimmissionsschutzverordnung auseinander und zeigte, dass bei Prüfverfahren häufig die tatsächliche Wirkung eines Ofens im Wohnraum nicht ausreichend berücksichtigt wird. Sein Vortrag machte deutlich, wie wichtig neben Normen und Technik auch handwerkliche Erfahrung, physikalisches Verständnis und ein ganzheitlicher Blick auf das Heizsystem bleiben.

Systeme wie Wärmepumpe, Photovoltaik und Ofenanlagen sind keine Gegensätze, sondern könnten künftig verstärkt als ganzheitliche Energie­konzepte gedacht werden.«

Marc-Angelo von Zoepffel

Ein weiteres zentrales Thema des Seminars war die Energiewende und die zunehmende Vernetzung verschiedener Heizsysteme. Steffen Häusler erläuterte die gesetzlichen Anforderungen beim Anschluss von Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen mit intelligenten Messsystemen. Die Inhalte zeigten deutlich, dass gerade in der Kombination unterschiedlicher Technologien künftig große Chancen für das Ofen- und Luftheizungshandwerk liegen.

Neben technischen Entwicklungen spielte auch die Digitalisierung der Betriebe eine wichtige Rolle. Frank Schöllkopf gab einen praxisnahen Einblick in die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz im Handwerk und zeigte live anhand konkreter Beispiele, wie Tools wie ChatGPT Betriebe bereits heute vielseitig unterstützen können. Ergänzend dazu zeigte Lisa Brunner, wie Handwerksbetriebe soziale Medien strategisch einsetzen können, um Kundinnen und Kunden zu erreichen oder Nachwuchs für das Handwerk zu gewinnen.

Ein weiterer wichtiger Themenblock widmete sich der Verantwortung der Betriebe für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Joachim Jäger von der BG Bau informierte über typische Risiken bei Arbeiten im Ofen- und Kaminbau und stellte Maßnahmen zum sicheren Umgang mit Leitern sowie zum staubarmen Arbeiten vor. Ergänzend dazu vermittelte Wolfgang Rentschler fundiertes Wissen zum Umgang mit dem Gefahrstoff Asbest.

Auch der unternehmerische Alltag im Handwerk wurde aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Matthias Scheible informierte über aktuelle arbeitsrechtliche Fragestellungen im Handwerksbetrieb, während Jörg Knapp Einblicke in typische Themen aus der technischen Betriebsberatung des Fachverbands gab.

Praxisnah wurde es im Vortrag von Jens Hilt, ganz nach dem Motto: Aus Fehlern lernen. Er berichtete anhand realer Beispiele typischer Planungs- und Ausführungsfehler aus seiner Tätigkeit als Sachverständiger und sorgte reihenweise für ungläubiges Kopfschütteln.

Das OL-Handwerk steht vor großen Veränderungen. Gleichzeitig eröffnen sich aber auch neue Chancen für die Branche.«

Zum Abschluss des Seminars richtete Stefan Eisele, Präsident des Landesinnungsverbands der Schornsteinfeger Baden-Württemberg, den Blick auf die Zukunft der Holzheizung. Dabei wurde deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen Ofenbauern und Schornsteinfegern ist. Beide Gewerke arbeiten letztlich für denselben Kunden und ein frühzeitiges Abstimmen kann dabei helfen, praktische Lösungen zu entwickeln und spätere Probleme bei der Abnahme zu vermeiden.

Auch ein eher ungewöhnliches, aber sehr wichtiges Thema fand Platz im Programm. Martina Manglea Glück sprach über Stress, Überlastung und Balance im Arbeitsalltag. Der Vortrag machte deutlich, wie fordernd der Arbeitsalltag im Handwerk ist und welche Strategien helfen können, langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben.

Der Mehrwert des WBS liegt jedoch nicht nur in den Vorträgen. Die Referenten sowie der technische Berater des Fachverbands Jörg Knapp standen den Teilnehmenden jederzeit zur Verfügung, um individuelle Fragen zu klären.

Netzwerken und Austausch unter Kollegen

In den Pausen, beim gemeinsamen Abendessen im Restaurant Bergsee und beim traditionellen Schwarzwaldvesper stand dann der Austausch im Vordergrund. Die Teilnehmenden unterhielten sich über ihren Betrieb und fragten einfach mal nach: „Wie machst du das eigentlich?“ Es entstand ein reger Erfahrungsaustausch, bei dem voneinander gelernt werden konnte. Wichtig ist aber auch, fernab der Arbeit zusammen anzustoßen und eine gute Zeit zu haben –ganz im Sinne des Walter-Bucerius-Seminars, das seit Jahrzehnten nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl der OL-Branche stärkt.

Man kann sich jetzt schon auf das nächste Walter-Bucerius-Seminar freuen, das vom 2. bis 4. März 2027 wieder wie gewohnt im Kurhaus am Titisee stattfinden wird!

Die Referenten sowie der technische Berater des Fachverbandes Jörg Knapp standen bei Fragen rund um die Vorträge Rede und Antwort.

Foto: Lisa Brunner/FV SHK-BW

Die Referenten sowie der technische Berater des Fachverbandes Jörg Knapp standen bei Fragen rund um die Vorträge Rede und Antwort.
Aus (teils unglaublichen) Fehlern lernen. Jens Hilt berichtete aus seiner Tätigkeit als Sachverständiger.

Foto: Lisa Brunner/FV SHK-BW

Aus (teils unglaublichen) Fehlern lernen. Jens Hilt berichtete aus seiner Tätigkeit als Sachverständiger.
Marc-Angelo von Zoepffel

Foto: Jens Fischer

Marc-Angelo von Zoepffel

Zukunft aktiv gestalten

Zum Auftakt des 112. Walter-Bucerius-Seminars im Kurhaus Titisee richtete Marc-Angelo von Zoepffel als Landesfachgruppenleiter Baden-Württemberg einen klaren Appell an die Branche. Angesichts politischer Vorgaben, technischer Entwicklungen und steigender Anforderungen stehe das Handwerk vor tiefgreifenden Veränderungen. Entscheidend sei es daher, sich aktiv mit neuen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen und die Zukunft des Ofen- und Luftheizungsbaus selbst mitzugestalten.

Dabei betonte er insbesondere das Zusammenspiel moderner Energielösungen. Systeme wie Wärmepumpe, Photovoltaik und Ofenanlagen seien keine Gegensätze, sondern könnten künftig verstärkt als ganzheitliche Energiekonzepte gedacht werden. Gleichzeitig rief er dazu auf, Digitalisierung und neue Technologien als Chance zu verstehen – etwa zur Fachkräftegewinnung, zur Optimierung betrieblicher Abläufe und zur Weiterentwicklung der Unternehmen.

Auch die Bedeutung von Aus- und Weiterbildung stellte von Zoepffel in den Mittelpunkt. Nur wer bereit sei, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und neue Technologien zu verstehen, könne künftig eine zentrale Rolle in der Energiewende einnehmen. Ebenso hob er die Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden hervor: Gesundheit, Arbeitssicherheit und nachhaltige Betriebsführung seien zentrale Faktoren für langfristigen Unternehmenserfolg.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem partnerschaftlichen Austausch innerhalb der Branche. Kooperation – etwa mit Schornsteinfegern, Industrie und Kollegen – sei ein wichtiger Schlüssel für tragfähige Lösungen im Alltag. Abschließend rief er die Teilnehmer dazu auf, das Seminar aktiv zu nutzen: „Wer heute lernt, gestaltet morgen die Branche“.

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