Die vielfältig einsetzbaren Firetube-Brennräume lassen sich auch für den individuellen Herdbau nutzen. Hier mit Sommerhuber-Keramik.
„Eigener (Holz-)Herd ist Goldes wert“, sagt ein altes Sprichwort. In Krisenzeiten mit potentiellen Auswirkungen auf die Energieversorgung, gilt das auch heute noch. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg haben Hersteller der Ofenbranche darauf mit neuen Produkten reagiert, doch das Segment bleibt eine (lukrative) Nische fürs Handwerk.
Steigende Gas- und Strompreise, vor allem aber auch Sorgen vor Ausfällen (Black-Outs) haben das Heizen mit Holz in den vergangenen Jahren neu in den Blickpunkt gerückt. Davon profitiert auch der handwerklich gebaute Festbrennstoffherd.
Was lange Zeit als nostalgisches Möbelstück galt, erweist sich bei guter Konstruktion als wirtschaftlich attraktive Feuerstätte mit Mehrwert: Mit vergleichsweise wenig Brennstoff erreichen moderne Kachelherde einen hohen Nutzungsgrad und decken zugleich mehrere Funktionen ab – Kochen, Backen, Heizen, oft auch die Erwärmung von Wasser. Für den Ofen- und Luftheizungsbauer bleibt der Herd damit eines der vielseitigsten Aufgabengebiete.
Die historische Entwicklung der Feuerstelle zum Herd
Ein kurzer Exkurs in die Historie des Herdbaus: Aus offenen Feuerstellen wurden im Mittelalter aufgemauerte Sockel in Tischhöhe. Mit dem Schornstein wanderte die Herdstelle an die Wand. Um 1730 entstanden die ersten vollummauerten Kochherde mit durchlöcherter Eisenplatte. Ende des 18. Jahrhunderts kamen geschlossene Feuerräume und eiserne Herdplatten hinzu. Roste und Brennraumklappen führten zum sogenannten Sparherd, der den Brennstoff deutlich besser ausnutzte – maßgeblich entwickelt vom Physiker Benjamin Thompson. Auf der Londoner Indus-trieausstellung 1851 wurde der erste transportable eiserne Herd gezeigt; ab den 1860er Jahren lief in Deutschland die Serienproduktion. Parallel entwickelten Ofenbauer die handwerklich gemauerten Herde in jener Formen- und Funktionsvielfalt, die das Bauprinzip bis heute prägt.
Industriell oder handwerklich – die normative Trennung
Die Regelwerke unterscheiden klar zwischen zwei Welten. Industriell gefertigte, in der Regel transportable Herde fallen unter die DIN EN 16510-2-3, die seit November 2025 die bisherige DIN EN 12815 abgelöst hat. Sie erfasst Geräte mit Handregelung, deren Hauptfunktion das Kochen ist, mit der Beheizung des Aufstellraumes als Nebenfunktion. Der handwerklich errichtete Herd nach TROL ist dagegen individuell, ortsfest und nicht in Serie gefertigt. Je nach Ausführung dient er zum Kochen, Backen, Erwärmen von Wasser und zur Raumerwärmung. Die Außenflächen bestehen typischerweise aus Ofenkacheln oder ähnlichem wärmespeicherndem Material. Bei metallischen Außenflächen schreibt die TROL eine zweischalige Ausführung vor. Nachfolgend soll es nur um handwerklich und ortsfest errichtete Herde gehen, Industrieherde werden in einer folgenden Ausgabe behandelt.
Die Norm unterteilt den handwerklichen Herd in vier Bauformen, die sich nach Heizleistung und Funktionsumfang abgrenzen lassen.
Für den Ofen- und Luftheizungsbauer bleibt der Herd damit eines der vielseitigsten Aufgabengebiete.«
Der Tischherd ist die kompakteste Variante und für kleinere Heizleistungen ausgelegt. Er dient in erster Linie dem Kochen, gegebenenfalls auch dem Backen und Braten. Erkennungsmerkmal ist die seitlich angeordnete Backröhre. Die Heizgase werden um Kochplatte und Backfach geführt; eine weitergehende Zugführung ist nicht vorgesehen. Zu den charakteristischen Bauteilen zählen Herdplatte, Herdkranz, Plattenwinkel, Schutzstange, Heizbrust, Putzlamelle sowie Eck- und Fußwinkel.
Der Aufsatzherd, regional auch Sesselherd genannt, ist die Bauform für die größere Küche und für höhere Heizleistungen. Sein Kennzeichen ist der Aufsatz neben oder hinter der Herdplatte. Dort lassen sich Heizgaszüge, Brat-, Back- und Warmhaltefächer oder Bauteile zur Wassererwärmung unterbringen. Der Aufsatzherd ist regelmäßig auch zur Raumheizung vorgesehen. Die Zugführung ist anspruchsvoller als beim Tischherd: Ein Rundzug leitet die Heizgase durch den Aufsatz. Konstruktiv kritisch ist der Übergang zwischen Kochplattenzug und Aufsatz – der Herdkranz muss in diesem Bereich zwingend gegen thermische Überlastung geschützt werden, etwa durch einen Schamottevorschub.
Der Durchheizherd dient zusätzlich der Beheizung weiterer Räume. Hinter der Wand schließt ein Kachelofenteil mit eigenen Heizgaszügen an. Festbrennstoffherd und rückseitiges Ofenteil bilden eine technische Einheit. Die Bauform kann als Tisch- oder Aufsatzherd realisiert werden, ebenso mit einem industriell gefertigten Herdteil. Bauteilseitig entspricht der Durchheizherd dem Aufsatzherd, ergänzt um zwei Umschaltklappen – die sogenannte Umschaltgarnitur –, mit der zwischen reinem Kochbetrieb und kombiniertem Heizbetrieb umgeschaltet wird.
Eine eigene Kategorie bildet der Heizungsherd mit Herdeinbaukessel. Das Kesselgefäß sitzt direkt im Feuerraum oder Heizgasweg und wird möglichst allseitig umströmt. Für die wasserführenden Bauteile gelten die Vorgaben des Abschnitts 4.17 TROL. Wasserseitig wird gemäß den Herstellerangaben angeschlossen, je nach Bedarf an offene oder geschlossene Heizungsanlagen, mit Schwerkraftprinzip oder Umwälzpumpe.
Bemerkenswert: Da der Herd in der Regel als Kleinfeuerung mit geringer Brennstoffmenge betrieben wird, lässt sich der Herdeinbaukessel oft ohne Pufferspeicher betreiben. Ein Boiler mit 150 bis 200 Litern reicht häufig aus. Erst bei sehr häufigem Heizbetrieb oder in Niedrigenergiehäusern – idealerweise in Kombination mit Solarkollektoren – wird ein Pufferspeicher unverzichtbar.
Drei Wege zur Verbrennung
Die Wahl der Feuerung richtet sich nach Brennstoff, Kundenwunsch und nicht zuletzt nach den Erfahrungen des Ofenbauers. Drei Systeme sind etabliert.
Die Rostfeuerung mit Gussrost ist die klassische Bauart. Sie eignet sich für Holz und Kohle. Die Verbrennungsluft strömt über die Aschetür von unten durch den Rost in den Glutstock. Soll der Herd auch heizen, muss der Rost in mindestens zwei Höhen einstellbar sein – eine Flachfeuerung für den Sommerbetrieb mit maximal 23 cm Abstand zur Herdplatte und eine Füllfeuerung für den Winterbetrieb mit mindestens 30 cm. Metallische Roste müssen herausnehmbar sein.
Der Trend zu offenen Wohngrundrissen bietet die Möglichkeit, den Herd wieder zum wärmenden „Herzen des Hauses“ zu machen.«
Die KOV-Herdfeuerung mit Keramikrost wurde vom Österreichischen Kachelofenverband entwickelt und ist für den Brennstoff Holz optimiert. Anstelle eines Gussrostes kommt ein Keramikrost zum Einsatz. Der Feuerraum erhält zusätzlich eine Brennraumabdeckung mit schmalem Ausbrand im hinteren Bereich – die Kochplatte wird damit indirekt befeuert. Die Konstruktion erreicht höhere Brennraumtemperaturen, eine schadstoffärmere Verbrennung und einen besseren Wirkungsgrad. Die KOV-Herdfeuerung ist in zwei Größen erhältlich: für drei Auflagen à 2 kg Holz pro Stunde sowie für drei Auflagen à 3 kg.
Typgeprüfte Feuerräume schließlich kommen vom Hersteller mit gültigem Emissionszertifikat. Die Vor-Ort-Messung nach Fertigstellung entfällt damit, oft ist auch eine externe Verbrennungsluftzuführung vorgesehen. Den höheren Anschaffungskosten steht eine erhebliche Vereinfachung der Abnahme gegenüber. Daneben existieren teilfertige Lösungen, bei denen ein Teil des Feuerraumes nach exakt vorgegebener Geometrie handwerklich erstellt wird – das Zertifikat behält in diesem Fall seine Gültigkeit.
Auf die sorgfältige Ausführung kommt es an
So vertraut der Herd in Grundzügen wirken mag – im Detail entscheiden Maßgenauigkeit und Materialwahl über Funktion und Lebensdauer.
Die Kochplatte besteht aus Metall oder Glaskeramik, üblich sind Stahlblech oder rostfreier Stahl mit 6 bis 12 mm Stärke. Verfärbungen durch Temperaturbelastung sind materialbedingt unvermeidbar. Dehnungsfugen gelten nicht als unzulässige Undichtigkeit, sind aber so klein wie möglich auszuführen. Für einen Vier- bis Sechspersonenhaushalt empfiehlt sich eine Kochfläche von 2.500 bis 3.000 cm². Die Kochplatte muss entnehmbar sein.
Der Herdkranz bildet das Auflager und schließt mit der Kochplatte oben flächenbündig ab. Die Platte liegt auf einer Dichtung aus flexiblem, nicht brennbarem Material und benötigt rund 5 mm Spiel zum Innenmaß des Kranzes. Zum Schutz vor Verformung und Verfärbung – vor allem bei Chromstahl oder Messing – ragt ein Schamottevorschub mindestens 2 cm in den Kochplattenbereich, ergänzt um eine wärmedämmende Einlage. Die Befestigung erfolgt typischerweise mit durchgehenden Gewindestangen. Wichtig: Schließt der Herdkranz an Kücheneinbauten an, ist ausnahmslos eine Hinterlüftung nach Abschnitt 6.5 TROL erforderlich.
Bei den Backfächern dürfen eingeschobene Bleche nicht mehr als 10° aus der Waagerechten geneigt sein. Falltüren stehen geöffnet in 85° bis 95° zur Senkrechten und müssen Brat- oder Backformen tragen können. Bestimmungsgemäß muss im Backfach über mindestens eine Stunde eine mittlere Temperatur von 230 °C erreicht werden, mit Abweichungen von höchstens 50 K im gesamten Backraum. Zur Warmwassererzeugung unterscheidet die TROL drucklose offene Gefäße – Wasserwanne, Wasser- oder Kupferschiff – von geschlossenen Druckschiffen. Wasserschiffe sind standardmäßig für 30 bis 100 Liter erhältlich und werden in ein Schifffutter eingeschoben, was Schonung und Reinigung erleichtert. Das Erwärmen von 2 kg Wasser von 20 auf 95 °C muss in maximal 20 Minuten möglich sein. Bei verzinkten Druckschiffen gilt eine wichtige Faustregel: Keine Kupferrohrleitungen. Galvanische Ströme würden andernfalls das unedlere Metall abbauen.
Zugführung und Materialstärken
Im Herdbau werden Heizgaszüge bewusst flach und breit ausgeführt. Das beheizt Kochplatte und Backfach gleichmäßiger. Die Untergrenze liegt bei 50 mm Zugbreite oder -höhe – darunter drohen frühzeitiges Verrußen und Reinigungsprobleme. Der Kochplattenzug sollte zwischen 60 und 100 mm hoch sein. Der letzte Zug vor dem Abgangsstutzen ist trichterförmig und damit strömungstechnisch günstig auszuführen. Liegen metallische Einbauten neben dem Feuerraum, sind sie mit einem Schamottevorschub zu verkleiden, der das Bauteil um 2 bis 5 mm überragt. Für die Materialstärken gilt: Herde werden bevorzugt in leichter Bauweise errichtet, bei Aufsatz- und Durchheizherden ist mittelschwere Bauweise zulässig. Vom Feuerraum zur Außenseite verlangt die TROL 50 plus 40 mm keramischen Baustoff, vom Feuerraum zu metallischen Einbauteilen 50 plus 2 mm. Zungen und Wandungen zwischen den Zügen messen mindestens 20 mm in keramischer oder 2 mm in metallischer Ausführung.
Fazit
Früher ganz selbstverständlich in jedem Haus anzutreffen, hat der handwerklich errichtete Holzherd nicht zuletzt angesichts der vielfältigen Vorzüge und Möglichkeiten zum Backen und Kochen, aber auch zur Wärmeerzeugung im gesamten Haus sicher noch nicht (wieder) sein volles Potential ausgeschöpft. Gerade auch der Trend zu offenen Wohngrundrissen bietet zudem die Möglichkeit, den Herd wieder zum wärmenden„Herzen des Hauses“ zu machen.
Für die Unterstützung dieses Beitrags danken wir Hendrik Schütze, der uns seine Meisterkurs-Schulungsunterlagen zur Verfügung stellte.
Foto: Harbeck
Handwerklich gebauter Kachelherd.
Foto: Hendrik Schütze
Merkmale eines Tischherdes...
Foto: Hendrik Schütze
... und dessen Innenleben.
Foto: Hendrik Schütze
Merkmale eines Aufsatzherdes...
Foto: Hendrik Schütze
... und dessen Innenleben.
Foto: Martin Henze
Auf der Hagos-Börse zeigte Ofen Innovativ diesen Sesselherd aus einer Kooperation mit Hafnertec.
Foto: Hendrik Schütze
Ansichten eines Durchheizherdes.
Foto: Hendrik Schütze
Betriebsart „Heizen“
Foto: Hendrik Schütze
Betriebsart „Kochen/Backen“
Foto: Hendrik Schütze
Herd mit Heizfunktion und Flachfeuerung im Sommerbetrieb (nur Kochen).
Foto: Hendrik Schütze
Herd mit Heizfunktion und Füllfeuerung im Heiz- und Winterbetrieb (Kochen und Heizen).
Foto: Hendrik Schütze
Schnittzeichnung durch den in Österreich entwickelten KOV-Feuerraum.
Foto: Kloss
Geprüfter„Umwelt Wohnherd Feuerraum 2743 nach DIN EN 13229 von Kloss Wohnherde.
Foto: Kloss
Liesertaler Einbauherd mit Bau-teilen von Kloss Wohnherde.
Foto: Westbo
Westbo Herd„Ornament“ in individueller Einbausituation.
Foto: Gutbrod
Große Küchen und offene Wohngrundrisse legen es nahe, den Herd als Insel mitten im Raum zu platzieren (Beispiel Gutbrod Keramik).
Sonderbauteile für Herdöfen
Beim individuellen Herdbau kommen oft Spezialbauteile wie die Herdplatten, Herdkränze, Herdstangen, Feuerungs- und Backofentüren und Ähnliches zum Einsatz. Sehr oft handelt es sich dabei auch um individuell und nach Maß gefertigte Metallbauteile aus Stahl, Guss- oder Schmiedeeisen. Es gibt Firmen, die sich auf diese Herdbauteile spezialisiert haben, beispielhaft seien hier die Unternehmen Harbeck, Andreas Grasmüller (neisFeir) und die österreichische Firma Kloss Wohnherde genannt. Sie fertigen Bauteile nach Kundenwunsch individuell auf Maß an. Außer diesen Spezialbetrieben übernehmen auf Anfrage mitunter auch allgemeine Metallbau- und Schmiedebetriebe solche Sonderanfertigungen.
Foto: NeisFeir
Feuer-Asche-Geschränk Modell Schmiede-eisen. Das Modell besticht mit seiner rauen, dunklen Optik. Die herb-wilde Oberfläche wird teilweise gehämmert. Die Zierbänder mit Nietenoptik runden den Schmiede-Look ab.
Foto: NeisFeir
Herdgeschränk Zwiesel von Andreas Grasmüller.
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