Die Größe allein sagt bei Speicheröfen nichts über deren Qualität aus. Insbesondere für moderne Niedrigstenergiehäuser mit ihrem geringen Wärmebedarf haben Hersteller die besonders kompakt bauenden Speicheröfen entwickelt, die alle wesentlichen Merkmale eines großen, handwerklich errichteten Kachelofens aufweisen, nur eben in kleinerem Format.
In der Ofenbranche gibt es praktisch kein Segment, das nicht durch eine eigene Produktgattung mit Leben gefüllt wäre. Das ist bei Klein- oder Kompaktspeicheröfen nicht anders. Sie stellen das Bindeglied zwischen Kaminöfen mit Speichereinsätzen und großen Kachelofenanlagen dar, für die es in manchem Haus keinen Platz gibt – und auch keine Notwendigkeit, was die abgegebene Wärmemenge betrifft.
Kleinspeicheröfen bringen die wesentlichen Qualitäten eines klassischen Grundofens auf eine deutlich kleinere Grundfläche.«
Die beiden Branchenmessen des Jahres haben gezeigt, dass sich in diesem Segment wieder einiges bewegt hat. Sowohl auf der KOK Austria in Wels als auch auf der Hagos-Börse in Stuttgart standen kompakte Speicherlösungen auffällig weit vorn, und zwar mit einem klaren gemeinsamen Nenner: Der Aufbau soll schneller gehen. Dazu tragen vorelementierte Bauteile bei, die Montagezeiten von wenigen Stunden statt mehreren Tagen ermöglichen. Im Gegensatz zum fertigen Industrieprodukt Kaminofen werden Kleinspeicheröfen wie die großen Brüder handwerklich gesetzt. Ebenso gibt es bei ihnen keramische Züge und oft auch einen mit Schamotte ausgekleideten Brennraum und einen Kachelmantel – wobei sich neben der Keramik längst auch Beton und Naturstein als Hüllenmaterialien etabliert haben. Im Wesentlichen sind also nicht nur das Bauverfahren, sondern auch die Abmessungen, das Gewicht sowie die Wärmeleistung geringer, was natürlich auch den Preis niedriger hält.
Ein Fall für den Ofenprofi
Nur sehr theoretisch können einige dieser Öfen sicher auch in teilweiser Eigenleistung handwerklich begabter Endkunden aufgebaut werden, aber einerseits haben sich die meisten Hersteller verpflichtet, ihre Produkte nur direkt an Ofenbaubetriebe oder über den Fachgroßhandel zu vertreiben, andererseits dürften besonders eifrige Baufamilien am Ende ohnehin beim Anschluss und der Abnahme auf die Expertise eines Ofenbauprofis setzen müssen. Das Risiko, durch Speicheröfen in vorelementierter Bauweise in größerem Umfang Kunden einzubüßen, dürfte folglich sehr gering sein.
Durchdachte Konzepte verkürzen die Montage erheblich – ohne den Ofenbauer aus dem handwerklichen Prozess herauszunehmen.«
Einen weiteren Vorzug haben Kleinspeicheröfen. Sie können aufgrund ihrer kompakten Bauweise sogar theoretisch mit umziehen, was nomadenhaften Menschen mit häufigeren Wohnortwechseln entgegenkommen kann. Bei den modularen Ringsystemen ist der Rückbau sogar ausdrücklich vorgesehen. Die Vielfalt in diesem Ofensegment ist so groß, dass es den Rahmen sprengen würde, hier alle in Betracht kommenden Modelle vorzustellen. Wir mussten uns auf eine exemplarische Übersicht beschränken.
Gutbrod Keramik
Der„Keramik-ACCU“ war die auffälligste Neuheit der Messesaison. Es handelt sich um einen runden, keramisch verkleideten Speicherkamin-ofen, dessen Hülle vollständig ohne Mörtel und ohne Fugenmaterial erstellt wird. Möglich macht das ein Stecksystem, bei dem die einzelnen Keramikteile durch metallische Spangen und Stifte positioniert und fixiert werden. Die Aufbauzeit sinkt dadurch auf etwa zwei bis drei Stunden. Die Abdeckung besteht aus zwei Halbschalen und wird lediglich aufgelegt. Das Innenleben bildet ein bewährter Feuerraum aus dem Hause Ofen Innovativ, der ebenso wie das nachgeschaltete Zugsystem aus schweren Schamotte-Formelementen zusammengesetzt wird. Bei einem Gesamtgewicht von rund 320 kg ergibt sich so eine beachtliche Speicherleistung. Als Kombiofen deckt der Keramik-ACCU einen Leistungsbereich von etwa 2 bis 6,2 kW ab, abhängig vom variabel zuschaltbaren Warmluftanteil. Erhältlich ist er in über 100 Glasuren, geliefert wird komplett an den Ofenbaufachbetrieb.
Brula
Mit dem Quadro Eck bietet Brula einen kompakten Kleinspeicherofen, der konsequent nach den Prinzipien des klassischen Grundofens aufgebaut ist. Das System richtet sich an Ofenbauer und Fachhändler, die auch für kleinere Wohnsituationen eine passende Speicherofenlösung suchen – etwa für Wohnungen, Anbauten oder sanierte Bestandsräume, in denen ein klassischer Kachelofen aufgrund der verfügbaren Stellfläche oder statischer Voraussetzungen nicht infrage kommt. Der Quadro Eck ergänzt dabei die bekannten Brula-Kleinspeicheröfen City-Grundi, Rondo und Quadro.
Foto: Brula
Hafnertec
Der Konzept-Speicherofen„SPOK“ ist der erste vorgefertigte Kamin-Speicherofen des österreichischen Herstellers und vereint die Vorteile eines Kaminofens mit den Wohlfühlaspekten eines Kachelofens – im platzsparenden, modernen Tower-Design. Der Feuerraum besteht aus Ofenstahl mit einer doppelt verglasten Ofentür aus massivem Grauguss, darauf sitzt ein Turbulatoren-Wärmetauscher. Bei den Varianten SPOK pure und SPOK color werden um diesen technischen Kern KSS-Speicherplatten gesetzt, die mit speziell konstruierten Klammern trocken aufeinanderstehen; die Außenhülle besteht dann aus handwerklich aufgezogenem Putz oder aus zugeschnittenen Spachtel-Optik-Platten in den Farben„space“ und„earth“. Beim SPOK Designofen entfällt der Speicherplatten-Rohling, hier bildet ein Mantel aus keramischen Ofenkacheln die Hülle. Speicher- oder Umluftbetrieb ist bei jedem Abbrand individuell wählbar, die Abbrandregelung erfolgt manuell oder vollautomatisch per BOS Bluetooth. Dank der schlanken Konstruktion lässt sich der SPOK auch auf Estrich montieren und eignet sich damit ausdrücklich für Sanierungen. Neu sind ein Drehmodul und das optional integrierte Backfach.
Foto: Hafnertec
Brunner
Der Kleinspeicherofen KSO ist ein Grundofen auf geringer Grundfläche. Maßgenaue Formteile ermöglichen den schnellen, preiswerten Aufbau eines kompakten Speicherofens, der angenehme Strahlungswärme über viele Stunden abgibt. Das schlanke Säulenformat mit rundem oder quadratischem Grundriss ist in keramischer Hülle oder Betonoptik lieferbar, kann aber auch mit handwerklich erstellter Hülle in verputzter Oberfläche realisiert werden. Technisch handelt es sich um einen vollkeramischen Grundofen mit heizgasdurchströmter Speichermasse. Die Sichtscheiben fallen bewusst klein aus, weil jede Glasfläche Wärme sofort an den Raum abgibt statt sie zu speichern. Das Programm umfasst die Modelle KSO 33 r und KSO 33 q sowie die flachen Varianten; der KSO 33 q leistet 1,7 kW bei einer Füllmenge von zwei bis vier Kilogramm Holz.
Foto: Brunner
Ortner
Seit 2015 präsentiert Ortner jedes Jahr neue Speicherofenmodelle. Die kleinen Speicherfronten der GO-Reihe beginnen bei 1,9 kW und sieben Kilogramm Holzauflagemenge. Der österreichische Hersteller nennt seine kleinen Anlagen selbst Kompaktmodelle und kombiniert sie mit den hauseigenen Hochleistungsspeichern, etwa das GO 5-SET. Das Innenleben besteht nicht aus herkömmlichen Schamottematerialien, sondern aus Feuerbeton. Die massive Bauweise speichert die Wärme gezielt und gibt sie über bis zu 24 Stunden an den Wohnraum ab.
Foto: Ortner
Wolfshöher Tonwerke
Damit Ofensetzer auch preisbewussten Kunden einen effizienten Handwerksofen aus Schamotte anbieten können, hat Wolfshöher kompakte Grundöfen als Set vorbereitet. Der Kompaktspeicherofen„Hölzli“ kommt mit allen passgenau gefertigten Bauteilen in einem Paket, die modulare Bauweise verkürzt den Aufbau erheblich, die Gestaltung von Material und Farbe der Außenhülle bleibt dem Ofensetzer oder auch dem Endkunden überlassen. Bei 30 mm verputzter Außenhülle misst der Ofen 540 × 540 × 1600 mm. Die Brennstoffmenge beträgt 6 kg, die Feuerungsleistung 20 kW, die Anlageleistung über acht Stunden 2,5 kW, der Wirkungsgrad liegt über 80 % bei Energieeffizienzklasse A+. Die Ofentür stammt von Ofen Innovativ. Zu beachten: Nach den Bestimmungen der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung muss beim raumluftunabhängig betriebenen HÖLZLI nach dem Aufbau eine Dichtheitsprüfung bei 10 Pa Überdruck durchgeführt werden.
Foto: Wolfshöher
Hoxter
Das System BLOX ist konsequent modular gedacht. Die Bauweise ermöglicht einen schnellen Aufbau mit geringer Schmutzbelastung, der gesamte Prozess ist eine Sache von Stunden. Die Kombination aus Betonhülle und integriertem Wärmetauscher bringt zwölf Stunden lang Speicher- und Strahlungswärme in den Raum. Die Ofenhülle ist komplett geschlossen und kommt ohne Konvektionsöffnungen aus; die Wärmespeicherung übernimmt ein doppelschaliger Aufsatzspeicher in direktem Kontakt mit den Rauchgasen. Wie sich das im Betrieb auswirkt, zeigen die Oberflächentemperaturen: eine Stunde nach dem Anheizen durchschnittlich 29 °C, nach drei Stunden 88 °C, nach zwölf Stunden immer noch 45 °C. Bei optisch gleicher Erscheinung sind bis zu drei Ausführungen möglich – Speicher-, Konvektions- oder Kesselausführung.
Foto: Hoxter
Seyffarth Keramik
Branchenbekannt wurde Seyffarth-Keramik vor allem durch seine Säulen-Speicheröfen, die es in verschiedensten Ausführungen und mit immer neuen Keramik-Designvariationen gibt. Das Geheimnis liegt im Detail: dicke Schamottespeichersteine und ein bis zu 2,25 Meter langer Heizgaszug – und das alles bei einem Ofendurchmesser von nur 60 cm. Für die Feuerräume kooperiert Seyffarth mit verschiedenen weiteren Herstellern. So sind auch passende Wasser-Wärmetauscher und elektronische Abbrandsteuerungen lieferbar und Sonderanfertigungen bei der Ofenkeramik auf Anfrage möglich. Neben den Säulenöfen führt Seyffarth aber auch den SideBoardOfen Comodo mit kleiner Sitzbank und den Hamburger Aufsatzofen, bei dem das Unterteil von Leda stammt – einen kleinen kompakten Speicherofen mit Grundofenfeuerung und keramischem Speicher.
Foto: Seyffarth Keramik
Sommerhuber
Der Vollspeicherkachelofen ist mit einer Höhe von nur etwa 165 cm der kleinste vollwertige Kachelofen aus der Steyrer Keramik-Manufaktur. Er wird in Teilen geliefert, lässt sich innerhalb eines Tages vollständig und sauber aufbauen und ist wegen seines geringen Gewichts auch für die Montage auf einer bestehenden Fußbodenheizung geeignet. Neben der Standardkonfiguration – rund oder eckig, Oberfläche glatt oder Rille fein – ist er inzwischen in zahlreichen weiteren Designoptionen erhältlich, etwa mit Radialkachel Arabesco oder Motivplattsims Elegance. Als Neuheit führt Sommerhuber die Kachel„Silhouette“, eine Produktlinie, die Kachelöfen zu einem Element der Innenarchitektur machen soll. Technisch arbeitet der Ofen mit dem Kleinspeicherofen-Kern KSO KE von Ofen Innovativ.
Foto: Sommerhuber
Ofen Innovativ
Das Unternehmen ist in diesem Segment unter anderem als Technikzulieferer präsent – seine Feuerräume und Türen stecken beispielsweise in Öfen von Gutbrod, Sommerhuber, Seyffarth Keramik und Wolfshöher Tonwerke. Unter eigenem Namen führt Ofen Innovativ mehrere kompakte Speichergeräte. Die Modelle Accu Pilastro und der Accu Quattro sind Speicherkaminöfen mit einem massiven Speicherkern aus 4,5 cm starker Ofenschamotte mit rundum Feuerkontakt. Innovativ ist hier der variable Speicher- oder Konvektionsanteil: Wird die Deckelplatte geschlossen, sinkt der Konvektionsanteil auf ein Minimum und die Speicherung steigt. Dazu kommt der Kleinspeicherofen KSO mit ebenfalls massivem Speicherkern aus 4,5 cm starker Ofenschamotte, der mit individuell auszuwählender Keramik frei gestaltet werden kann.
Foto: Ofen Innovativ
Niermann Ofenbau
Der Meisterbetrieb aus Seelze bei Hannover entwickelte bereits 2003 eine Serie Kleinspeicheröfen, heute umfasst sie die Typen 01 bis 07 sowie den HENRI Grundofen. Der Kleinspeicherofen Typ 01 war 2004 der erste Grundofen in Form eines Steinofens, der 650 kg Speichermasse auf einer Grundfläche von 50 × 50 cm aktiviert hat, und wurde 2005 mit dem IF Product Design Award ausgezeichnet; er ist nach wie vor das meistgefragte Modell des Sortiments. Seine Daten: 157 cm hoch, 1,5 kW bei sieben Stunden Entladezeit, wahlweise in Thüster Kalkstein, Obernkirchener Sandstein oder Grauwacke. Der HENRI Grundofen ist mit 135 cm Höhe und einer Grundfläche von 36 × 46 cm noch kompakter, wiegt 350 kg und hält mit drei bis fünf Kilogramm Holz zwölf Stunden lang Strahlungswärme. Beide lassen sich dank vorgefertigter Komponenten mit geringem Aufwand vor Ort realisieren.
Foto: Niermann
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