Für hybride Heizsysteme eignen sich auch wasserführende Pelletöfen wie der Carus Aqua.
Hybride Heizsysteme sind die konsequente Weiterentwicklung der monovalenten Wärmepumpe. In der Praxis zeigt sich jedoch: Der Erfolg dieser Anlagen entscheidet sich bereits bei der Planung.
Für das SHK-Handwerk und den Ofenbauer rückt damit eine zentrale Frage in den Fokus: Welcher Kamin- oder Pelletofen passt zur Wärmepumpe und zum Gebäude – und wie wird das Gesamtsystem so ausgelegt, dass es dauerhaft effizient und stabil arbeitet?
Entscheidend ist dabei weniger das einzelne Produkt, sondern die Funktion des Ofens im Gesamtsystem – ob als Quelle für schnelle Zusatzwärme, zur aktiven Heizungsunterstützung oder für einen weitgehend automatisierten Betrieb.
Die grundlegenden Unterschiede ergeben sich aus der Art der Einbindung sowie der gewählten Ofentechnologie wie in Tabelle 1 aufgezeigt.
Für die Planung bedeutet das, dass vor allem die Art der Einbindung darüber entscheidet, welche Funktion die Holzfeuerstätte im Hybridsystem übernimmt. Luftgeführte Kamin- und Pelletöfen liefern schnell verfügbare Wärme im Aufstellraum und eignen sich besonders für die Nachrüstung. Wasserführende Geräte hingegen greifen aktiv in die Wärmeversorgung des gesamten Gebäudes ein und sind integraler Bestandteil des Heizsystems.
Dimensionierung: Der häufigste Fehler liegt in der Leistung
Die Dimensionierung der einzelnen Komponenten ist entscheidend für die Leistungsfähigkeit eines hybriden Systems. Anders als bei monovalenten Anlagen geht es nicht darum, die maximale Heizlast vollständig über einen Wärmeerzeuger abzudecken, sondern die Aufgaben im System sinnvoll zu verteilen.
Ausgangspunkt jeder Planung ist die Heizlast des Gebäudes. Sie ergibt sich aus Baujahr, Dämmstandard, Wohnfläche und dem vorhandenen Heizsystem. Während im Altbau häufig noch Leistungswerte von rund 150 W/m² angesetzt werden, liegen sie im Neubau deutlich niedriger.
Die Dimensionierung der einzelnen Komponenten ist entscheidend für die Leistungsfähigkeit eines hybriden Systems.«
Im hybriden Betrieb wird die Wärmepumpe bewusst nicht auf die maximale Heizlast ausgelegt. Stattdessen übernimmt sie die Grundversorgung und arbeitet damit über weite Strecken im effizienten Betriebsbereich. Der sogenannte Bivalenzpunkt markiert hierbei die Außentemperatur, ab der ein zusätzlicher Wärmeerzeuger erforderlich wird (siehe Grafik 1).
Eine zentrale Rolle spielt die richtige Dimensionierung des Kamin- oder Pelletofens. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass Geräte zu leistungsstark für den Wohnraum ausgelegt werden. Das führt zu dauerhaftem Teillastbetrieb der Feuerstätte, schlechter Verbrennung und sinkender Effizienz. Entscheidend ist daher ein häufig unterschätzter Punkt: Die Leistung des Ofens muss am Bedarf des Aufstellraums ausgerichtet werden und nicht am Gesamtgebäude.
Typische Leistungsbereiche liegen bei klassischen Kaminöfen zwischen sechs und zehn Kilowatt, während wasserführende Geräte meist zwischen acht und fünfzehn Kilowatt dimensioniert werden. Diese Werte dienen als Orientierung und müssen im konkreten Projekt an die jeweiligen Rahmenbedingungen angepasst werden.
Systemintegration: Hydraulik und Regelung entscheiden
Für die Leistungsfähigkeit hybrider Heizsysteme sind eine saubere hydraulische Trennung sowie eine klare Aufgabenverteilung zwischen den Wärmeerzeugern entscheidend.
Bei wasserführenden Systemen übernimmt der Pufferspeicher dabei eine zentrale Rolle. Er verbindet die unterschiedlichen Wärmeerzeuger, entkoppelt ihre Betriebsweisen und stellt die benötigte Wärme bedarfsgerecht zur Verfügung. In der Praxis hat sich eine Auslegung von etwa 50 bis 100 Litern pro Kilowatt Ofenleistung bewährt.
Hybride Systeme sind keine Zusatzlösung, sondern ein eigenständiges Anlagenkonzept.«
Neben der Hydraulik ist die Regelstrategie ein weiterer entscheidender Faktor. Sie legt fest, wann welcher Wärmeerzeuger aktiv ist und wie die Anlage auf veränderte Betriebsbedingungen reagiert. Bewährt hat sich eine temperaturabhängige Steuerung, bei der die Wärmepumpe den Großteil des Jahres allein arbeitet und zusätzliche Wärmeerzeuger nur bei steigender Heizlast zugeschaltet werden.
In der Praxis zeigt sich, dass viele Probleme nicht aus der Technik selbst entstehen, sondern aus unklaren Regelstrategien oder einer unzureichenden Abstimmung der Komponenten. Eine durchdachte Systemintegration sorgt dagegen für einen stabilen Betrieb, reduziert den Wartungsaufwand und erhöht die Zufriedenheit der Nutzer.
Wirtschaftlichkeit: Effizienz entsteht im Zusammenspiel
Die Wirtschaftlichkeit hybrider Heizsysteme ergibt sich aus dem Zusammenspiel der eingesetzten Energieträger. Während die Wärmepumpe bei moderaten Temperaturen effizient arbeitet, steigen Stromverbrauch und Betriebskosten bei Kälte deutlich an. Genau in diesen Phasen kann eine Feuerstätte die Wärmepumpe gezielt entlasten und den kostenintensiven Einsatz des elektrischen Heizstabes deutlich reduzieren, wenn nicht sogar ersetzen.
Holz als Brennstoff bietet stabile und kalkulierbare Kosten, während Pelletöfen durch ihren automatisierten Betrieb darüber hinaus eine gleichmäßige und planbare Wärmeversorgung ermöglichen. Im Gesamtsystem führt dies zu einer spürbaren Reduktion der Betriebskosten.
Für den Ofenbauer und das SHK-Handwerk ergibt sich daraus ein klarer Mehrwert: Hybride Systeme sind keine Zusatzlösung, sondern ein eigenständiges Anlagenkonzept. Entscheidend für den Erfolg sind die richtige Auswahl des Ofens, eine präzise Dimensionierung und eine durchdachte Systemintegration.
Grafik 1: Bivalenzpunkt. Leistungsabfall der Wärmepumpe bei sinkender Außentemperatur bei gleichzeitig steigendem Wärmebedarf. Der Schnittpunkt A markiert den Bereich, ab dem ein zusätzlicher Wärmeerzeuger erforderlich wird.
Weitere praxisnahe Hinweise zur Planung und Auslegung hybrider Heizsysteme bietet der „Ratgeber für Hybride Wärme – Wärmepumpe + Kamin- oder Pelletofen“ von Oranier. Ergänzend finden sich unter www.hybride-waerme.de kompakte Informationen zu Systemvarianten und Fördermöglichkeiten.
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