Sören Skodda erläutert den Ablauf des Messverfahrens.
Seit jeher steht bei den Schulungsformaten von Ofen Innovativ die praktische Anwendung im Vordergrund. Ende Februar lud das Team um Hubert Ziegler zu einem zweitägigen Workshop nach Neuburg an der Donau ein.
Eingeladen waren diesmal die Mitglieder der WhatsApp-Gruppe „OI-Partnertreffen“ – eine bundesweit aktive Handwerker-Community, in der sich Ofenbauer zu technischen Fragestellungen austauschen und gegenseitig unterstützen. 23 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit zur intensiven, praxisorientierten Weiterbildung.
Im Mittelpunkt der Schulung stand die Vor-Ort-Messung von Feuerstätten nach der 1. BImSchV. Hintergrund ist die weiterhin hohe Relevanz dieser Prüfverfahren für individuell geplante und gebaute Anlagen. Zwar konnten ältere Bestandsfeuerstätten bis Ende 2024 bei erfolgreicher Messung weiterbetrieben werden, doch sind Messung und Prüfung nach wie vor zwingend erforderlich, wenn es um maßgeschneiderte Grundofenanlagen oder Sonderkonstruktionen geht. „Viele Grundöfen von uns und unserer Kunden sind individuell berechnet und ausgeführt – hier führt an der Vor-Ort-Messung kein Weg vorbei“, betonte Ziegler im Rahmen des Workshops.
Dazu wurden in den Schulungsräumen mehrere Anlagentypen aufgebaut: ein kompakter Grundofen, eine Feuerstätte mit Wasserwärmetauscher PT 2 sowie eine dreiseitige P3S-Anlage auf einer Holzbank. Sämtliche Anlagen waren als Mehrfachbelegung an nur einen Schornstein angeschlossen – ein Szenario, das sicherlich so in der Praxis nicht vorzufinden ist, aber für den Workshop durchaus gewünschte Herausforderungen mit sich brachte.
Abweichungen waren bewusster Teil des Schulungskonzepts. Der Versuchsaufbau zeigte anschaulich, welchen Einfluss vermeintliche Details auf das Messergebnis haben.«
Wissen aus der Praxis für die Praxis
Die fachliche Anleitung des Mess- und Prüfablaufs übernahm Sören Skodda, Schornsteinfeger und Ofenbauer aus Berlin sowie ebenfalls Mitglied der OI-Online-Gruppe. Mit den Messgeräten erläuterte er detailliert den Aufbau, die Vorbereitung und den Ablauf der Messung. Bereits die ersten Messdurchgänge machten deutlich, wie sensibel das System reagiert: Keines der Geräte erreichte zunächst die geforderten Grenzwerte – teils lag der Sauerstoffgehalt zu hoch, teils wichen CO- oder Staubwerte ab.
Diese Abweichungen waren bewusst Teil des Schulungskonzepts. Der Versuchsaufbau zeigte anschaulich, welchen Einfluss vermeintliche Details auf das Messergebnis haben. Undichtigkeiten führten zu Falschluft, ungeeignete Holzgrößen oder -mengen sowie ungünstige Abbrandbedingungen wirkten sich unmittelbar auf die Emissionswerte aus. Für die Teilnehmer begann anschließend die gezielte Fehlersuche, um die Ursachen zu identifizieren und in einer weiteren Messung ein normgerechtes Ergebnis zu erzielen. Die praktische Erkenntnis: Ofenbau ist Präzisionsarbeit – Planung, Ausführung und Einweisung des Betreibers müssen exakt zusammenspielen, um einen optimalen und regelkonformen Betrieb sicherzustellen.
Ein praxisrelevanter Aspekt war auch die Kostenseite: Für die Messung und Prüfung eines individuell gebauten Grundofens ist – je nach Aufwand – mit rund 600 bis 800 Euro zu rechnen.
Im Rahmen der Schulung war auch die DIN EN 16510 ein Thema. Hier informierte man die Teilnehmer aktuell über die Kennzeichnung auf Feuerstätten und auch über die Änderungen betreffend der Brandschutzangaben – dabei hauptsächlich über erforderliche Abstände.
Den Abschluss bildete ein Vortrag von Günter Amrehn, Außendienstmitarbeiter und Ofen-profi bei Ofen Innovativ. Anhand seines selbst bewohnten Wohnhauses stellte er ein vollständig regeneratives Energiekonzept vor, bei dem ein wasserführender Ofen die zentrale Rolle spielt. Systemaufbau, Leistungsdaten und Planungsansätze verdeutlichten eindrucksvoll, welches technische Niveau heute im Zusammenspiel von Ofenbau und Gebäudetechnik erreichbar ist.
Zwei Tage mit hoher fachlicher Dichte, konsequent praxisnah und ohne theoretische Umwege – ein Workshop, der den Anspruch von Ofen Innovativ unterstrich: Wissen aus der Praxis für die Praxis.
Foto: Jens Fischer
Die benötigte Holzauflagemenge für die Messung wird genau berechnet und ausgewogen. Dazu werden die Feuerraummaße ausgemessen.
Foto: Jens Fischer
Interessante Ergebnisse lieferte auch die parallele Vergleichsmessung einer Feuerstätte an zwei unterschiedlichen Messpunkten.
Foto: Jens Fischer
Geschult wurde an den unterschiedlichsten Anlagentypen: links der dreiseitige P3S, rechts eine wasserführende Feuerstätte mit Powertauscher.
Foto: Jens Fischer
Mess- und Prüfverfahren
Mess- und Prüfanordnung an einem Speicherofen. Nach Nivellierung und kurzer 3-minütiger Vorlaufphase startet die Messung mit 30 Minuten Dauer. Wichtig: verstellt werden (z.B. der Luftschieber) darf während des Vorlaufs und des Messzeitraums nichts mehr.
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