Gut besuchter Workshop in Leipzig. Hier referiert Dr. Gunter Hagen von der Universität Bayreuth.
Mehr als 40 Fachleute aus Industrie, Wissenschaft und Verbänden kamen am 3. Februar im Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig zusammen, um über eines der zentralen Zukunftsthemen der Holzfeuerung zu diskutieren: wirksame Emissionsminderung. Der von der Europäische Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft (EFA) organisierte Workshop widmete sich den Möglichkeiten und Grenzen von Katalysatoren, Abbrandsteuerungen und elektrostatischen Staubabscheidern – und machte deutlich: Einfache Antworten gibt es nicht, systemische Lösungen hingegen schon.
Die große Resonanz bei den Anmeldezahlen zu diesem Workshop zeigte deutlich, dass der Gesprächsbedarf enorm ist.
Grundtext mit Einzug.„Wir wollten bewusst frühzeitig über Technik sprechen – bevor politische Entscheidungen getroffen werden. Denn ohne fachliche Grundlage wird Regulierung schnell beliebig“, sagte Uwe Striegler, Vorstandsvorsitzender der EFA, zur Eröffnung.
Klare Worte in der Keynote
In der Keynote ordnete Ingo Hartmann die Diskussion in einen größeren Kontext ein. Emissionsminderung sei kein optionaler Zusatz, sondern eine Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der Holzfeuerung. „Technologische Entwicklung entsteht selten aus Bequemlichkeit, sondern aus Druck“, so Hartmann. „Die physikalischen Grundlagen vieler Sekundärmaßnahmen sind seit langem bekannt. Entscheidend ist nicht das Wissen, sondern die Konsequenz in der Umsetzung.“ Zugleich warnte Hartmann davor, Holzfeuerstätten primär über Notfall- oder Blackout-Szenarien zu legitimieren: „Versorgungssicherheit allein ist kein tragfähiges Zukunftsnarrativ, wenn Emissionen nicht real und messbar reduziert werden.“
„Anpassung an die Zukunft“ übertragen auf Technik bedeutet, dass Verbesserungen durch Optimierungen und Innovationen bei bestehenden Produkten und Verfahren benötigt werden!«
Industrie- und Wissenschaftsperspektiven im Vergleich
Die anschließenden Impulsvorträge machten die Vielfalt der technischen Ansätze deutlich – ebenso wie ihre Grenzen.
Frank Hoferecht (Bluefire GmbH) betonte die systemische Einbindung von Katalysatoren:„Katalysatoren sind keine nachgeschalteten Abgasreiniger. Sie funktionieren nur, wenn Brennraum, Luftführung und Temperaturfenster zusammenpassen.“ Neben technischen Fragen spiele auch die Wirtschaftlichkeit eine zentrale Rolle, etwa durch volatile Rohstoffpreise und Zulassungsanforderungen. Ergänzend ordnete Ingo Hartmann die Rolle von Katalysatoren aus wissenschaftlicher Perspektive ein. Sie seien kein nachgeschaltetes Korrektiv für schlechte Verbrennung, sondern könnten ihre Wirkung nur dann entfalten, wenn sie konsequent als Bestandteil eines insgesamt sauber ausgelegten Verbrennungssystems verstanden und integriert würden.
Laborwerte lassen sich nicht eins zu eins auf den Realbetrieb übertragen. Langzeitstabilität, Wiedereintrag und Wartung sind entscheidende Faktoren.«
Wissenschaftlich betrachtete Claudia Schön (Technologie- und Förderzentrum, TFZ) elektrostatische Staubabscheider. Sie verwies auf das grundsätzlich hohe Minderungspotenzial, machte aber auch auf Herausforderungen aufmerksam:„Laborwerte lassen sich nicht eins zu eins auf den Realbetrieb übertragen. Langzeitstabilität, Wiedereintrag und Wartung sind entscheidende Faktoren.“ Die Branchenperspektive brachte Daniel Jud in Vertretung von Bernd Weishaar (OekoSolve/Clean Exhaust Association e.V. CEA) ein. Er warnte vor überzogenen Erwartungen: „Elektrostatische Abscheider können wirksam sein – aber nur unter klar definierten Randbedingungen. Eine ehrliche Kommunikation über Leistungsgrenzen ist Voraussetzung für Akzeptanz bei Vollzug und Öffentlichkeit.“ Zur Abbrandsteuerung erklärte Dirk Kasten (Maxitrol/Europäische Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft e.V. EFA): „Abbrandsteuerungen können Fehlbedienung deutlich reduzieren. Sie ersetzen aber keine gute Feuerstätten-Konstruktion und sind kein universelles Nachrüstprodukt.“
Diskussion: Konsens über Systemansatz, offene Fragen beim Bestand
In der ausführlichen Diskussion wurde deutlich, dass kein einzelnes Instrument die Emissionsfrage lösen kann. Breiter Konsens bestand darin, dass Emissionsminderung nur im Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen funktioniert. Gleichzeitig blieb der Umgang mit dem großen Bestand an Feuerstätten eine zentrale offene Frage. Hier wurden elektrostatische Abscheider als mögliche Option diskutiert – allerdings nur mit realistischem Blick auf ihre Grenzen.
Zum Abschluss zog der Vorsitzende Uwe Striegler das Fazit: „Der Workshop hat gezeigt, dass die technischen Grundlagen vorhanden sind. Gleichzeitig dürfen wir uns nichts vormachen: Steigende Anforderungen lassen sich nicht aussitzen. Emissionsminderung wird zum zentralen Kriterium für die Zukunftsfähigkeit unserer Produkte.“ Die EFA sieht den Workshop als wichtigen Baustein für den weiteren fachlichen Dialog zwischen Industrie, Wissenschaft und Politik. Auf dieser Grundlage sollen die gewonnenen Erkenntnisse in die weitere Verbandsarbeit und in politische Gespräche wie etwa bei der Bundesregierung oder der Europäischen Kommission eingebracht werden.
Foto: EFA e.V.
Daniel Jud von OekoSolve: Elektrostatische Abscheider können wirksam sein – aber nur unter klar definierten Randbedingungen.
Foto: EFA e.V.
Entwicklung der Luftqualität.
Foto: Umweltbundesamt
Die Referenten
Prof. Dr. rer. nat. Ingo Hartmann, Deutsches Biomasseforschungszentrum
Dipl. Ing. Frank Hoferecht, Bluefire GmbH
Claudia Schön, Technologie- und Förderzentrum, TFZ
Daniel Jud, OekoSolve
Dirk Kasten, Maxitrol
Dr.-Ing. Gunter Hagen, Universität Bayreuth
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