Ein eigener Firmenbus erleichtert Bettina das Aufsuchen der Baustellen.
... und in der Landwirtschaft. Wer mit Auszeichnung maturiert, geht danach üblicherweise auf die Universität. Bettina Wahlmüller hatte das durchaus auch erwogen ging dann aber ins Handwerk. Drei Jahre später hat sie die Lehrabschlussprüfung als Ofenbau- und Verlegetechnikerin abgelegt – ebenfalls mit Auszeichnung. Man ahnt, dass die 21-Jährige aus St. Marienkirchen an der Polsenz Dinge, die sie anfängt, ungern halb macht.
Bereits in der sechsten Klasse am Gymnasium Dachsberg wurde Bettina klar, dass sie so vielseitige Talente mitbringt, dass es später nicht zwangsläufig ein Studium für sie sein musste. Obwohl sie sich als eine der jahrgangsbesten Schülerinnen landesweit auch theoretische Wissensinhalte in Windeseile aneignen konnte und ihr Sprachen, Chemie und Mathematik lagen, war sie noch mehr ein praktisch veranlagter„Hands on-Typ“. Bei einer Potenzialanalyse im Internet hatte sie sich die Anforderungen sauber zurechtgelegt: handwerklich, kreativ, abwechslungsreich. Landschaftsgärtnerin stand lange auf der Liste, doch auch der Fliesen- und Mosaikleger wurde ihr weit oben ausgeworfen. In diese Richtung suchte sie weiter. Dann stand da: Ofenbau- und Verlegetechniker.„Dieses Aufgabenprofil passte genau zu meinen Vorstellungen“, sagt sie und schrieb die ersten Firmen an.„Für mich war immer wichtig, dass ich mir den jeweiligen Beruf nach einem Studium gut vorstellen kann.“ Den Ausschlag gegen ein Studium gab letztlich ihre Erkenntnis:„Nach der Schulzeit wollte ich nicht gleich wieder tagein, tagaus im Vorlesungsraum einer Uni sitzen und nichts von der Welt draußen mitbekommen.“
Der Umgang mit Werkzeug war Bettina vertraut
Daheim gehört eine Landwirtschaft zum Haus, der Vater hat immer vieles selbst gemacht und Bettina half mit, seit sie anpacken konnte.„Ich würde deshalb auch behaupten, dass ich grundsätzlich handwerkliches Geschick habe und mir solche Arbeiten eher leichtfallen.“ Im September 2023 begann Bettina ihre Lehre bei der Firma Dein Hafner von Daniel Zauner. Schnell zeigte sich, wie richtig ihre Entscheidung war.„Jeder Ofen ist anders und bringt andere technische und handwerkliche Anforderungen mit sich.“ Man wachse mit dem Ofen mit, sagt Bettina, und findet dafür einen Satz, den viele Kollegen unterschreiben dürften:„Es ist nicht nur das Endergebnis schön, auch der Prozess bis dorthin war für mich schon immer sehr interessant.“
Beim Fliesenlegen, ihrer anderen Ausbildungsdisziplin, werde die Arbeit mitunter etwas monoton, räumt sie ein. Aber wenn sie im fertigen Bad steht, ist sie manchmal doch selbst überwältigt, wenn sie ihr Werk betrachtet.
Der erste eigene Ofen
Zwei Baustellen haben sich bei Bettina eingebrannt. Die erste im ersten Lehrjahr, als sie einen Vollkachelofen„allein“ setzen durfte – unter Aufsicht und mit Ansagen vom Chef, aber immerhin.„Das war ein erstes Erfolgserlebnis.“ Die zweite liegt erst wenige Monate zurück: In den Osterferien baute sie einen Kamineinsatz mit großem Feuertisch und Sitzbank, diesmal ohne jede Hilfe. Was dabei passierte, kennt jeder, der seine Arbeit mag:„Da vergisst man im Arbeitsfluss auch oft die Zeit.“ Apropos Arbeitsfluss: Ein typischer Arbeitstag beginnt für Bettina um 7:15 Uhr, wenn sie sich mit ihrem Chef im Lager trifft, um Material aufzuladen und den Tag einzuteilen. Meist geht es danach auf getrennte Baustellen – wer früher fertig wird, ruft den anderen an.
Die meisten Menschen begegnen mir mit Respekt und finden ganz toll, dass ich diesen Beruf ausübe.«
Bettina arbeitet gern im Team und genauso gern für sich.„Die Abwechslung gefällt mir da am besten.“ Eine Bedingung stellt sie dann aber doch:„Gerade bei Arbeiten, die nicht so spannend sind, darf der Schmäh auf der Baustelle auch nicht fehlen.“
Anfängliche Sorgen, ob Bettina sich in einem männerdominierten Beruf durchsetzen kann, ob womöglich dumme Sprüche kommen, erwiesen sich als unbegründet.„Die meisten Menschen begegnen mir mit Respekt und finden ganz toll, dass ich diesen Beruf ausübe.“ Ihr Chef mache in der Ausbildung keinen Unterschied. Warum ihr das so viel bedeutet, erklärt sie wie folgt:„Weil man sich als Mädchen meistens von Haus aus nicht so viel zutraut.“ Wenn sie zögert, kommt von ihm ein Satz, der zuverlässig wirkt:„Du machst des scho!“
Gold auf der Querflöte, Hobbyliga im Tennis
Dass Bettina nichts halb macht, lässt sich auch abseits der Baustelle gut belegen. Mit zehn Jahren begann sie Querflöte zu spielen – und zwar, wie sie selbst sagt, von Anfang an mit großen Zielen. Mit 18 hatte sie das Goldene Leistungsabzeichen. Mit 15 kam das Klavier dazu, zwei Jahre später gab es auch da ein Bronzenes Leistungsabzeichen. Seit Kurzem lernt sie zusätzlich Zugposaune. Und ein Wunsch begleitete sie besonders lange: einmal solistisch vor der eigenen Kapelle stehen. Im Dezember 2023 war es so weit.
Mit 14 kam Tennis dazu, zunächst rein zum Vergnügen. Dann gründete sich im Ort wieder eine Damenmannschaft, seither spielt Bettina mit ihr in der Hobbyliga. Im Winter stehen die Ski bereit. Und wenn zwischen Baustelle, Musikverein und Match noch Zeit übrigbleibt, hilft sie zu Hause in der Landwirtschaft mit. Langeweile gibt es bei ihr nicht.
Welche Argumente für den Ofenbau-Nachwuchs sprechen
Beim Nachwuchsthema wird Bettina wieder ganz pragmatisch. Junge Leute müssten erkennen, was ihnen eine handwerkliche Ausbildung an weiteren Vorzügen bringt. „Gerade in Zeiten der Teuerung kann man zum Beispiel auch beim eigenen Hausbau sehr vieles selber machen.“ Dazu komme das Verständnis für Bautechnik, das den Zugang zu anderen Gewerken öffnet, und die Kontakte, die man dorthin knüpft. Von künftigen Lehrlingen erwartet sie vor allem, dass die Motivation aus ihnen selbst kommt. „Der Beruf soll einem Spaß machen, immerhin verbringt man sehr viel Lebenszeit in der Arbeit.“ Neugierde gehört dazu und die Bereitschaft, Kritik anzunehmen und beim nächsten Mal etwas besser zu machen.
Der Beruf soll einem Spaß machen, immerhin verbringt man sehr viel Lebenszeit in der Arbeit.«
Mit einem Zwinkern sagt sie aber auch:„Vieles kommt einfach durch die Übung, also letztlich durch viel arbeiten.“ Wo sie in fünf oder zehn Jahren steht, lässt Bettina offen. Der Meister ist eine Möglichkeit, Ofenplanerin ebenso, der Fliesenfachhandel auch.„Bei mir könnte generell vieles in Frage kommen, aber derzeit möchte ich mich auf meine Arbeit im Handwerk konzentrieren und weitere Erfahrungen sammeln.“
Statt eines Fazits bittet Bettina, eine Dankesliste abzudrucken: die Eltern, die den Berufswunsch nie in Zweifel zogen. Robert Kaltenböck, Fachhandel mit Bau- und Fliesenlegezubehör, der den Kontakt zum Lehrbetrieb herstellte. Fachlehrer Herbert Maier von der Berufsschule Linz 2. Daniel Zauner, der ihr das Handwerk beigebracht hat. Und die Mutter, von der ein Satz stammt, der dem des Chefs verdächtig ähnlich klingt: „Du schaffst des scho!“
Foto: Bettina Wahlmüller
Schon früh überträgt man Bettina eigene Projekte im Ofenbau. Hier eine Kachelofenanlage in Attersee.
Foto: Bettina Wahlmüller
Auch das Fliesenlegen beherrscht Bettina aus dem ff.
Foto: Bettina Wahlmüller
Und wenn nach allen Aktivitäten noch Zeit übrig ist, hilft Bettina ihrem Vater in der Landwirtschaft
Auszeichnung
Matura, Lehrabschlussprüfung (rechts im Bild: Daniel Zauner) und Querflötenspiel (Goldenes Leistungsabzeichen)
Foto: Bettina Wahlmüller
Foto: Bettina Wahlmüller
Foto: Bettina Wahlmüller
Jetzt weiterlesen und profitieren.
+ K&L E-Paper-Ausgabe – acht Ausgaben im Jahr + Kostenfreien Zugang zu unserem Online-Archiv