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EFA-Fachtagung setzt Impulse für die Branche

Den Auftakt setzte Thomas Wünsch, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt. In seiner Keynote verband er politische Analyse mit konkreten Erfahrungen aus einem ostdeutschen Flächenland.

Energie als gesell­schaftliches Thema

Energiefragen, so Wünsch, beschäftigen die Menschen unmittelbar – und prägen längst politische Debatten und Wahlkämpfe. Gerade deshalb müsse Energiepolitik nicht nur ambitioniert, sondern auch bezahlbar sein. Wünsch machte deutlich, dass politische Entscheidungen immer auch die Lebensrealität der Menschen berücksichtigen müssen. Der Wunsch nach einem eigenen Ofen, nach Versorgungssicherheit und einem Stück Unabhängigkeit sei ein realer Faktor, der in energiepolitischen Überlegungen nicht ausgeblendet werden dürfe. Gleichzeitig ermutigte er die Branche, sich aktiv in politische Prozesse einzubringen und den Dialog mitzugestalten.

Regulatorik im Fokus: Zwischen Anspruch und Umsetzbarkeit

Die Fachtagung griff diese Perspektive auf und vertiefte sie im weiteren Verlauf konsequent fachlich. Im Zentrum standen aktuelle Entwicklungen auf europäischer Ebene, insbesondere die anstehende Revision der Ecodesign-Verordnung für Einzelraumfeuerstätten. Dr. Johannes R. Gerstner, politischer Berater der Europäischen Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft, ordnete die Lage umfassend ein. Die Revision befindet sich in einer entscheidenden Phase, in der die grundlegenden Weichen gestellt werden. Aus Sicht der ­Industrie steht dabei weniger das „Ob“ als vielmehr das „Wie“ im Mittelpunkt: Ambitionierte Ziele sind grundsätzlich nachvollziehbar, müssen aber so ausgestaltet sein, dass sie technisch umsetzbar, wirtschaftlich tragfähig und regulatorisch verlässlich sind.

Gerstner machte deutlich, dass die Branche vor allem eines benötigt: Rechtssicherheit. Verlässliche und fair ausgestaltete Rahmenbedingungen seien entscheidend, um Investitionen und Innovationen zu ermöglichen. Die aktuellen Unsicherheiten erschwerten eine wirtschaftliche Planung erheblich. Gleichzeitig müsse darauf geachtet werden, dass neue Anforderungen nicht zu einer Überforderung führen. Wenn regulatorische Vorgaben zu schnell oder zu komplex umgesetzt werden, bestehe die Gefahr, dass sich Produkte preislich so entwickeln, dass ihre Marktfähigkeit leidet. Es sei daher auch Aufgabe der Verbände, aktiv zu dieser Rechtssicherheit beizutragen und die Zukunft der Regulierung konstruktiv mitzugestalten.

Energiepolitik muss nicht nur ambitioniert, sondern auch bezahlbar sein.«

Mit Blick auf die europäische Bauproduktenverordnung zeigte Stefan Zwerenz (IBU Verify GmbH), wie stark sich die Anforderungen an Hersteller verändern. Künftig wird die Umweltleistung von Produkten integraler Bestandteil der Bewertung sein. Die klassische Leistungserklärung entwickelt sich zur erweiterten „Declaration of Performance and Conformity“, ökologische Kennwerte müssen systematisch erfasst und dokumentiert werden. Grundlage sind standardisierte Lebenszyklusanalysen, die eine transparente und vergleichbare Bewertung ermöglichen.

Dirk Rolle vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) beleuchtete die komplexe Schnittstelle zwischen Bau- und Immissionsrecht. Sein Vortrag machte deutlich, wie eng unterschiedliche Regelwerke miteinander verzahnt sind und welche Anforderungen sich daraus für Zulassung und Betrieb von Feuerungsanlagen ergeben. Gerade im Zusammenspiel von Bauordnungsrecht und 1. BImSchV zeigen sich die praktischen Herausforderungen für die Branche .

Rico Eßbach vom DBI zeigte anschließend die technischen Konsequenzen dieser Entwicklungen auf. Die Normenreihe EN 16510 führt zu deutlich umfangreicheren Prüfverfahren, gestiegenen Dokumentationsanforderungen und einem erhöhten Abstimmungsbedarf zwischen Herstellern, Prüflaboren und Behörden. Gleichzeitig gewinnen ökologische Bewertungskriterien weiter an Bedeutung, was zusätzliche Anforderungen an die Nachweisführung mit sich bringt.

Diskussion und Ausblick: Entbüro­kratisierung als Schlüsselthema

Nach einem intensiven fachlichen Programm setzte der Vortrag von Kai Schreck vom Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger ZDS einen bewusst anderen Akzent. Mit einem Blick in die Geschichte der Luftreinhaltung, des Schornsteinfegerhandwerks und der Ofentechnik zeigte er, dass viele heutige Fragestellungen keineswegs neu sind. Diskussionen über Ableitbedingungen lassen sich bis in das historische Preußen zurückverfolgen, und bereits im Mittelalter existierten Strukturen zur Sicherstellung von Brandschutz und Emissionskontrolle. Der Vortrag verband historische Einordnung mit anschaulichen Beispielen und bot einen ebenso unterhaltsamen wie erkenntnisreichen Abschluss der Fachvorträge.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden die zuvor behandelten Themen noch einmal gebündelt und zugespitzt. Unter Beteiligung von Rico Eßbach, Dirk Rolle, Uwe Striegler als Vertreter der EFA sowie Dr. Axel Friedrich als Berater der Deutschen Umwelthilfe entwickelte sich eine intensive Diskussion über die aktuellen Herausforderungen der Branche. Die Runde wurde von den Beratern Dr. Johannes R. Gerstner und Dirk Böhringer moderiert.

Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere die zunehmende Regulierung und Bürokratisierung im Bereich der Kamin- und Kachelofenbranche. Mehrfachregelungen, parallele Zuständigkeiten und komplexe Nachweisverfahren wurden kritisch hinterfragt. In der Diskussion wurde deutlich, dass sich über die Jahre ein enges regulatorisches Korsett entwickelt hat, das die Branche in ihrer Entwicklung spürbar einschränkt und sich nur schwer wieder lösen lässt.

Bestehende ­Regel­- werke müssen kritisch überprüft und dort angepasst werden, wo sie Inno­vationen unnötig be­hindern.«

Gleichzeitig bestand über weite Strecken Einigkeit darüber, dass eine Entbürokratisierung notwendig ist. Vereinfachte Verfahren und klarere Regelstrukturen könnten nicht nur die Planungssicherheit erhöhen, sondern auch dazu beitragen, Produkte wirtschaftlicher zu entwickeln und anzubieten. In diesem Zusammenhang wurde betont, dass regulatorische Entlastungen nicht im Widerspruch zu Umweltzielen stehen müssen, sondern im Gegenteil Innovation fördern können – und damit auch die Entwicklung moderner, emissionsärmerer Geräte beschleunigen.

Bemerkenswert war dabei, dass auch Dr. Axel Friedrich mit seiner gewohnt pointierten und durchsetzungsstarken Haltung für Erleichterungen plädierte. Er sprach sich dafür aus, bestehende Regelwerke kritisch zu überprüfen und dort anzupassen, wo sie Innovationen unnötig behindern – und damit auch das eigentliche Ziel, die Luftreinhaltung massiv erschweren.

Uwe Striegler, Vorsitzender der EFA, brachte die Rolle des Verbandes in diesem Kontext auf den Punkt: „Die EFA ist ein starker politischer Partner der Branche – und nicht nur Partner, sondern auch Wegbereiter. Wir werden diesen Weg konsequent weiter beschreiten und uns aktiv in die politischen Prozesse einbringen, um die Rahmenbedingungen für unsere Branche mitzugestalten.“

Die Fachtagung am 23. April 2026 in Leipzig zeigt damit eindrucksvoll, wie groß der Bedarf an Austausch, Einordnung und gemeinsamer Positionierung ist. Die EFA versteht sich dabei nicht nur als Plattform für Diskussion, sondern als aktiver Impulsgeber – für ihre Mitglieder und für die Branche insgesamt.

Dirk Rolle vom DIBt.

Foto: EFA

Dirk Rolle vom DIBt.
Stefan Zwerenz, IBU Verify.

Foto: EFA

Stefan Zwerenz, IBU Verify.
Kai Schreck vom ZDS.

Foto: EFA

Kai Schreck vom ZDS.

Neubesetzung Des Vorstands

Am 24. April 2026, fand die Mitgliederversammlung der EFA statt, in der unter anderem die Neubesetzung des Vorstandes beschlossen wurde. Andreas Schönfeld wurde zum Vorstandsvorsitzenden bestellt, Uwe Striegler übernimmt künftig die Funktion des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Ursula Gröbner wurde zur Schatzmeisterin bestellt, Dirk Chris Kasten zum Schriftführer. Ergänzt wird das Gremium durch Beiräte sowie einen beratenden Vorstand. Die Bestellung erfolgte einstimmig und unterstreicht den geschlossenen Kurs des Verbandes.

Von links nach rechts: Dr. Daniel Leberger, Jürgen Böhm, Dirk Böhringer, Uwe Striegler, Andreas Schönfeld, Dirk Chris Kasten, Staatssekretär Thomas Wünsch, Friedrich Allendorf, Christian Droll, Dr. Volker Schmatloch, Colin Rokossa, Dr. Johannes R. Gerstner.

Foto: EFA

Von links nach rechts: Dr. Daniel Leberger, Jürgen Böhm, Dirk Böhringer, Uwe Striegler, Andreas Schönfeld, Dirk Chris Kasten, Staatssekretär Thomas Wünsch, Friedrich Allendorf, Christian Droll, Dr. Volker Schmatloch, Colin Rokossa, Dr. Johannes R. Gerstner.

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