Bis Ende des vergangenen Jahres koordinierte Jörg Lenk für den Wärmemarkt Fälle kommunaler Eingriffe rund um Anschluss-, Benutzungs- und Verbrennungsverbote im Umfeld von Nah- und Fernwärmenetzen. Künftig will er seine freie Zeit verstärkt dem Anbau verschiedener Tomatensorten im vom Vater übernommenen Gewächshaus sowie der kurzweiligen Gartenpflege widmen. Beim Stichwort „Lieblingsgemüse“ korrigiert er allerdings: Die oft rote Tomate ist botanisch korrekt eine Beere.
Die Partnerverbände der Allianz Freie Wärme verabschiedeten im Rahmen ihrer Jahrestagung am Vortag der ifh Intherm in Nürnberg ihren „Herrn der Fälle“, Dr. Jörg Lenk, promovierter Elektroingenieur, nach einem ereignisreichen Berufsleben in die aktive Freizeit.
Hans-Jürgen Funke, ehemaliger Geschäftsführer-Kollege beim Verband Energiehandel Südwest Mitte (VEH, heute UNITI), steuerte Anekdoten aus drei Jahrzehnten Praxis bei – aus einer Zeit, in der sich Jörg Lenk mit großem Engagement und Erfolg für die Belange des Wärmemarktes einsetzte.
„Wenn kommunale Satzungen für Wohngebiete oder zur Luftreinhaltung Zwangsvorgaben enthalten, die Bürgern die freie Heizungswahl nehmen, lohnt sich ein genauer Blick“, empfiehlt der erfahrene Fallspezialist, der 1990 als Umweltbeauftragter beim VEH begann. Da es sich häufig um verwaltungsrechtliche Sachverhalte handelt, wurde über die Jahre regelmäßig ein Fachanwalt aus Heidelberg hinzugezogen. Lenk betont zugleich, dass er stets darauf hingewiesen habe, selbst kein Rechtsanwalt zu sein. „Das kann ich gut nachvollziehen“, sagt Guido Eichel, Vorstandsmitglied beim GVOB e.V. „Jörg Lenk hat sich immer tief in die Fälle eingearbeitet und unserer Branche auf Basis juristischer Bewertungen wertvolle Hinweise gegeben, wie gegen entsprechende Satzungen vorzugehen ist.“
„Früher war es deutlich einfacher, Verbrennungsverbote oder Anschluss- und Benutzungszwänge zu kippen – etwa, wenn Heizöl gegenüber Kohleprodukten geringere Emissionen aufwies“, erinnert sich Hans-Jürgen Funke, aktuell tätig für das RAL Gütezeichen Energiehandel. Im Fokus standen damals klassische Luftschadstoffe wie Schwefel, Feinstaub oder Stickoxide – nicht CO₂. „Jörg Lenk wird uns als Fallspezialist und als sympathischer Kollege sehr fehlen“, sagt Andreas Müller, Geschäftsführer Technik beim ZVSHK. „Wir gehen davon aus, dass mit den ersten verpflichtenden kommunalen Wärmeplanungen ab Juli wieder verstärkt Eingriffe zunehmen werden, die unsere Branche wettbewerblich benachteiligen.“ Wenn beispielsweise regenerative Holzwärme aus nachhaltiger Forstwirtschaft in einer Kommune nicht anerkannt werde, sei das ein Thema für die Allianz Freie Wärme, welches man genau prüfe, ergänzt Guido Eichel. Er verweist dabei auf effiziente Lösungen wie Kamin- und Kachelöfen oder Holzzentralheizungen.
Die Partnerverbände der Freien Wärme rechnen damit, dass der Aus- und Neubau von Wärmenetzen – gestützt durch hohe Nennungen in den kommunalen Wärmeplänen – weiter vorangetrieben und staatlich gefördert wird. Entsprechend sei auch künftig mit ordnungsrechtlichen Schutzmaßnahmen für Nah- und Fernwärme zu rechnen. Die meist monopolistisch betriebenen Netze seien auf kompakte Siedlungsstrukturen mit hohem Wärmebedarf und hohe Anschlussquoten angewiesen. „Es darf jedoch nicht sein, dass
kommunale Eingriffe den Wettbewerb um optimale und verbraucherfreundliche Lösungen vollständig aushebeln und Bürger zusätzlich mit hohen Wärmekosten belasten“, kritisiert Andreas Müller.
Für Jörg Lenk selbst rücken künftig andere Herausforderungen in den Mittelpunkt: In seinem Gewächshaus wird er sich nun mit eher kleinwüchsigen biologischen Gegenspielern auseinandersetzen – und diese vermutlich ebenso engagiert in den Griff bekommen.