Die Geschichte der Pyro Worms GmbH beginnt nicht mit einer klassischen Unternehmensgründung, sondern mit der Rettung eines traditionsreichen Betriebs in einer schwierigen Situation. Hinter dem heutigen Unternehmen steht eine Entwicklung, die von technischem Sachverstand, unternehmerischem Mut und einer gehörigen Portion Pragmatismus geprägt ist.
Die Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1959. In diesem Jahr wurde im rheinhessischen Offstein die Pyro-Schmitt GmbH gegründet. Über Jahrzehnte hinweg entwickelte sich das Unternehmen zu einem etablierten Hersteller feuerfester Verarbeitungsmaterialien und war auch Lieferant für den professionellen Ofen- und Kaminbau. Doch Anfang 2020 geriet der Betrieb in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im Zuge eines Insolvenzverfahrens stellte sich schnell heraus, dass eine Fortführung am bisherigen Standort kaum möglich war. Die Produktionsgebäude befanden sich in einem schlechten baulichen Zustand, und auch der Maschinenpark entsprach weder den technischen noch den sicherheitstechnischen Anforderungen an einen modernen Fertigungsbetrieb
In dieser Phase wurde Ulrich Himpel hinzugezogen. Der Unternehmer aus Worms war ursprünglich im Maschinenbau tätig und hatte sich mit seinem Unternehmen auf Industrieroboter und automatisierte Fertigungslösungen spezialisiert. Nun war seine technische Einschätzung der vorhandenen Produktionsanlagen gefragt. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Mit den bestehenden Maschinen war eine professionelle und sichere Produktion auf Dauer nicht möglich.
Von Offstein nach Worms: Ein Traditionsbetrieb vor dem Neuanfang
Trotz dieser ernüchternden Analyse zeigte sich im Verlauf des Verfahrens, dass das Unternehmen über ein intaktes Marktpotenzial verfügte. Die Produkte waren weiterhin gefragt, Kunden hielten dem Betrieb die Treue und die Sicherung der Arbeitsplätze hatte hohe Priorität. Deshalb entstand die Idee, das Unternehmen an einem neuen Standort mit einem vollständig erneuerten Maschinenpark fortzuführen.
Eine entscheidende Wendung ergab sich durch einen glücklichen Zufall. In unmittelbarer Nähe zum Maschinenbauunternehmen von Ulrich Himpel wurde eine moderne Produktionshalle frei. Die Halle war technisch hervorragend ausgestattet und bot ideale Voraussetzungen für den Neustart. Parallel dazu wurde Ulrich Himpel gefragt, ob er sich vorstellen könne, für das Unternehmen eine neue Misch- und Abfüllanlage zu konstruieren. Als Maschinenbauer war dies für ihn eine lösbare Aufgabe – eine vollständige Übernahme des Unternehmens stand zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht im Vordergrund.
Aus einem traditionsreichen Unternehmen in schwieriger Situation ist innerhalb weniger Jahre ein moderner und wachstums-orientierter Hersteller entstanden.«
Da sich weiterhin kein externer Investor fand und die wirtschaftlichen Perspektiven des Unternehmens zugleich überzeugend blieben, reifte schließlich die Entscheidung, den Betrieb selbst zu übernehmen. Damit war der Grundstein für die heutige Pyro Worms GmbH gelegt – ein Unternehmen, das auf der Tradition eines mehr als sechs Jahrzehnte alten Herstellers aufbaut und zugleich vollständig neu strukturiert wurde.
Ein junger Unternehmer übernimmt Verantwortung
Zur gleichen Zeit stand Christian Himpel an einem persönlichen Wendepunkt. Im Sommer 2020 hatte er gerade sein Abitur abgeschlossen. Die Corona-Pandemie erschwerte einen unmittelbaren Studienbeginn, gleichzeitig bot sich die seltene Gelegenheit, von Beginn an beim Wiederaufbau eines Industrieunternehmens mitzuwirken.
Christian Himpel wurde deshalb unmittelbar in die Restrukturierung eingebunden. In den ersten Monaten arbeitete er täglich ab sechs Uhr morgens in der Produktion, um sämtliche Fertigungsabläufe und Produkte im Detail kennenzulernen. Anschließend erhielt er beim Insolvenzverwalter einen intensiven Einblick in betriebswirtschaftliche Zusammenhänge und unternehmerische Entscheidungsprozesse. Dieser praxisnahe „Crashkurs“ in Produktion, Betriebswirtschaft und Unternehmensführung bildete die Grundlage für seine spätere Verantwortung.
Meine wichtigste Ausbildung fand nicht im Hörsaal, sondern im täglichen Betrieb statt.«
Bereits Anfang 2021, nach dem Umzug an den neuen Standort in Worms und der Inbetriebnahme der neuen Maschinen, übernahm Christian Himpel die Betriebsleitung. Von diesem Zeitpunkt an führte er zunehmend auch sämtliche geschäftsführenden Aufgaben. Dass Kunden und Geschäftspartner ihre Verhandlungen fortan mit einem 18- beziehungsweise 19-jährigen Ansprechpartner führten, war außergewöhnlich. Entscheidend waren jedoch nicht das Alter, sondern Kompetenz, Zuverlässigkeit und das konsequente Ziel, das Unternehmen wieder zu einem stabilen und leistungsfähigen Partner zu entwickeln.
Innerhalb kurzer Zeit gelang es, Prozesse zu strukturieren, die Lieferfähigkeit sicherzustellen und verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Aus einem sanierungsbedürftigen Traditionsbetrieb entstand Schritt für Schritt ein moderner Hersteller mit klarer Zukunftsperspektive. Knapp sechs Jahre später zählt das erste Quartal 2026 zu den erfolgreichsten Zeiträumen in der Unternehmensgeschichte. Damit hat sich Pyro Worms als wachsender und zunehmend bedeutender Anbieter von Verarbeitungsmaterialien für den Ofen- und Kaminbau etabliert.
Spezialist für Verarbeitungs-materialien im Ofen- und Kaminbau
Das Kerngeschäft von Pyro Worms liegt heute in der Entwicklung und Herstellung feuerfester Pulverprodukte. Zum Sortiment zählen Feuerzemente, Schamottemörtel, Haftkleber, Ofenputze, Universalhaftmörtel in Weiß und Grau sowie keramische Versetzmörtel.
Insbesondere schnell abbindende Mörtel für den Hüllenbau gehören zu den Kernprodukten. Ergänzt wird das Programm durch keramische Spezialmörtel für Rauchgaszüge und Feuerraumauskleidungen, deren Rezepturen gezielt auf Anforderungen wie Haftung, Verarbeitbarkeit, Rissverhalten und thermische Belastbarkeit abgestimmt sind. Pyro Worms investiert dabei kontinuierlich in die Erweiterung der Fertigungstiefe und in neue Materialkonzepte. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Recyclingansätzen sowie auf alternativen Bindemitteln, die den Einsatz von Zement reduzieren oder ersetzen sollen. Erste Feldversuche laufen bereits, marktfähige Lösungen werden in den kommenden Jahren erwartet.
Aktuell arbeiten vier Vollzeitkräfte in der Produktion. Durch Investitionen in moderne Anlagentechnik werden jährlich rund 1.000 bis 1.300 Tonnen Verarbeitungsmaterialien hergestellt. Kurze Entscheidungswege, hohe Eigenverantwortung und ein familiäres Betriebsklima prägen den Arbeitsalltag.
Zuversicht für Branche und Unternehmen
Christian Himpel blickt trotz herausfordernder Marktbedingungen optimistisch in die Zukunft. Feuerstätten seien weit mehr als reine Wärmeerzeuger – sie stünden für Behaglichkeit, Versorgungssicherheit und einen zentralen Treffpunkt im Zuhause. Als größte Herausforderung sieht er den zunehmenden Fachkräftemangel im Handwerk.
Mit technischer Kompetenz, hoher Fertigungstiefe und einer klaren strategischen Ausrichtung hat sich Pyro Worms innerhalb weniger Jahre zu einem verlässlichen Partner für den Ofen- und Kaminbau entwickelt – und zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in unternehmerischem Mut und konsequenter Modernisierung steckt.
Foto: Pyro Worms
Foto: Pyro Worms
Foto: Pyro Worms
Foto: Pyro Worms
Zum Produkteportfolio gehören heute unter anderem Feuerfestmörtel, Schamottemörtel, Universal Haftkleber, Ofen-Putze und mehr.
Foto: Jens Fischer
Über das Förderband werden die einzelnen Produktkomponenten dem Mischer zugeführt und dann gramm-genau abgefüllt und verpackt.
Foto: Pyro Worms
Aktuell werden jährlich rund 1.000 bis 1.300 Tonnen Verarbeitungsmaterial hergestellt.
Foto: Pyro Worms
Rohstoffanlieferung
Christian Himpel
Learning by Doing war für mich der beste Einstieg!
„Ich bin direkt nach dem Abitur in das Unternehmen eingestiegen. Eine klassische berufliche Laufbahn mit Ausbildung oder langem Studium habe ich daher nicht vorzuweisen – mein Weg war von Anfang an stark durch praktische Erfahrungen geprägt.
Schon während der Schulzeit hat mich unternehmerisches Denken fasziniert. Ich habe hochwertige Bekleidung gekauft und weiterverkauft, um mein Taschengeld aufzubessern. Dabei ging es nicht nur darum, etwas dazuzuverdienen, sondern auch um die Freude am Handeln und daran, Chancen zu erkennen und zu nutzen.
Mein Vater war stets der Überzeugung, dass praktische Erfahrungen oft wertvoller sind als rein theoretisches Wissen. Dieser Ansatz hat meinen beruflichen Weg maßgeblich geprägt. Aus dem ursprünglich geplanten Sammeln erster Praxiserfahrungen wurde schließlich deutlich mehr.
Im Sommer 2022 entschied ich mich dennoch für ein duales Studium der Betriebswirtschaft in Heidelberg. Viele in meinem Umfeld waren der Meinung, dass ein formaler Abschluss für die langfristige berufliche Entwicklung unverzichtbar sei. Bereits nach dem ersten Semester wurde mir jedoch klar, dass ich durch meine tägliche Verantwortung im Unternehmen und die bisherigen Erfahrungen für mich persönlich einen größeren Mehrwert in der Praxis sah. Deshalb habe ich das Studium nach rund sieben Monaten beendet und mich wieder vollständig auf die Weiterentwicklung von Pyro Worms konzentriert.
Ich brenne für das Unternehmen und für die Aufgaben, die sich daraus ergeben. Wenn es ein Projekt erfordert, sitze ich auch über Wochen hinweg viele Stunden bis in den Abend hinein am Schreibtisch – ohne dies als Belastung zu empfinden. Die Branche bietet aus meiner Sicht noch so viele Möglichkeiten und Entwicklungspotenziale. Genau das macht meine Arbeit so spannend und sorgt dafür, dass es nie langweilig wird.“
Foto: Jens Fischer
Christian Himpel
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