Foto: Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik MV
Von links nach rechts: Marco Hanke (Landesinnungsmeister des Fachverbandes Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Mecklenburg-Vorpommern), Björn Brinkmann (Moderator und stellv. Obermeister der Ofen- und Luftheizungsbauer-Innung Mecklenburgische Schweiz), Andreas Diekmann (Moderator und Obermeister der Ofen- und Luftheizungsbauer-Innung Mecklenburgische Schweiz), Steffen Bobsien (Technischer Landeswart der Schornsteinfeger-Innung Mecklenburg-Vorpommern), Hendrik Schütze (Bundesfachgruppenleiter Ofen- und Luftheizungsbau) und Knut Lemke (Vorstandsmitglied der Schornsteinfeger-Innung Mecklenburg-Vorpommern).
Mit über 150 Besuchern und rund 50 ausstellenden Betrieben fand Ende Februar in Linstow zum 22. Mal der Norddeutsche Kachelofenbauertag statt und bot damit erneut einen wichtigen Rahmen für Fachvorträge und Austausch im Ofenbau. In diesem Jahr hatte das neue Veranstalter- und Moderatorenteam aus Obermeister Andreas Diekmann und seinem Stellvertreter Björn Brinkmann ein tolles Debüt hingelegt – mit spannenden Vorträgen zu Themen, die die Branche aktuell bewegen.
Bei der Eröffnung der Veranstaltung am Freitag wurde vom neuen Duo Diekmann/Brinkmann auf die „großen Schuhe“ ihres verstorbenen Vorgängers Jens Cordes verwiesen, der es auf einzigartige Weise schaffte, Leute zusammenzubringen. „Jens war ein Licht für die Branche und die Innung“, resümierte Andreas Diekmann seine besondere Persönlichkeit. Dem pflichteten Marco Hanke und Hendrik Schütze bei, der letztes Jahr kurzfristig als Moderator eingesprungen war: „Jens lag sehr am Herzen, dass es mit dem Kachelofenbauertag weitergeht.“
Auch Guido Eichel erinnerte als erster Redner noch einmal an zwei Sätze, die Jens Cordes ihm mit auf den Weg gab. Er habe sich sehr über dessen Besuch gefreut, und er habe Guido Eichel darum gebeten, dafür zu sorgen, dass es mit dem Ofenbau-Nachwuchs weiter vorangeht. Als positiver Impuls daraus ist nicht nur der im letzten Jahr ausgelobte Jens Cordes Handwerkspreis zu sehen, der auf dem diesjährigen Kachelofenbauertag vergeben wurde, sondern auch die GVOB-Initiative der „Ofenhelden-Crew“, die, fachlich angeleitet durch Anderas Neuer und Robert Mülleneisen, eine regelmäßige Kommunikation per Whatsapp und Teams-Meetings umfasst. Aktuell besteht die Ofenhelden-Crew aus Jannik Schebesta, Pascal Rathkamp und Fabian Rehrl.
Darüber hinaus gab Eichel einen Einblick in das aktualisierte Portfolio des GVOB, das unter anderem einen neuen Internetauftritt umfasst und mit einem Relaunch einer nun erweiterten Ofenbauer-Suche aufwartet. Außerdem engagiert sich der GVOB im Verbund mit weiteren Verbänden um auch für die Industrie praktikable Verfahren zur Erfüllung neuer Regularien im Rahmen der Ökodesignrichtlinie – damit es nicht zu in der Diskussion stehenden sieben Abbränden hintereinander mit jeweils zehn (!) Geräten jedes Typs kommt.
Der Norddeutsche Kachelofenbauertag lebt vom offenen Austausch unter Kollegen. Hier begegnet sich das Handwerk auf Augenhöhe.«
Ein positives Resümee zog Guido Eichel zu den im September 2025 umgesetzten „Kachelofentagen“, an denen über 130 OL-Betriebe teilgenommen haben. Eine Wiederholung ist in Vorbereitung. Ebenso erfolgreich entwickelt sich die Initiative #ofenzukuft mit ihrer eigenen Internetpräsenz. Diese habe sich als wichtige Informations- und Kommunikationsplattform für den Dialog mit Bürgern, Behörden, Medien und politischen Entscheidungsträgern etabliert. Auch den Ofenbauern seien ein regelmäßiger Besuch der Webseite und ein Newsletter-Abonnement empfohlen. Weitere Neuigkeiten versprach Guido Eichel für die Hagos-Börse.
Es folgte ein Impulsvortrag über den Wandel der Beziehung zwischen Produzent und Kunde von Martin Bauer. Dabei ging es nicht nur um die Psychologie des Umgangs mit (behaupteten) Mängelrügen im Industriebetrieb, sondern auch im Verhältnis des Ofenbauers zum Endnutzer. Bauer plädierte für Transparenz und Ehrlichkeit, aber auch für Bestimmtheit, wenn Mängelrügen im Einzelfall einmal abgelehnt werden müssten.
Über die Planung und Ausführung von Abgasanlagen nach DIN 18610 referierte der Technische Landesinnungswart M.-V., Steffen Bobsien. Im entsprechenden Regelwerk hat es eine Reihe Änderungen und sprachliche Präzisierungen gegeben – unter anderem wird der Begriff „Feuerstätte“ jetzt als Untergruppe des Begriffs „Verbrennungseinrichtung“ geführt, aber auch zu den Themen „Mehrfachbelegung“ und Sanierung von Abgasanlagen gibt es neue Definitionen.
Der Nachwuchs- und Ausbildungsproblematik im Handwerk widmete Jonas Grünberg von Grünberg Solutions seinen Vortrag. Er mahnte das Erfordernis völlig neuer Herangehensweisen an Jugendliche an. Diese seien über antiquierte Stellenanzeigen kaum noch zu erreichen. Erfolgversprechender, ja geradezu notwendig, seien witzige, authentische, realistische Social-Media-Kampagnen, zum Beispiel bei Instagram, Tiktok oder Youtube. Man müsse junge Menschen dort abholen, wo sie anzutreffen sind. Im Anschluss an Grünbergs Vortrag wurde das Thema „Wie spreche ich Auszubildende an“ mit dem neuen Format einer „Sofarunde“ auf der Bühne weiter vertieft.
Nachwuchs- und Ausbildungsproblematik im Handwerk: Erfolgversprechend, ja geradezu notwendig, sind witzige, authentische, realistische Social-Media-Kampagnen, zum Beispiel bei Instagram, Tiktok oder Youtube. Man muss junge Menschen dort abholen, wo sie anzutreffen sind. «
Für die IN-Software GmbH sprach Tim Wallner über die Risiken von Cyberkriminalität für die IT-Sicherheit von (Handwerks-)Betrieben. Außerdem informierte er über die sukzessive einzuführende E-Rechnungspflicht in den digitalen Formaten XRechnung und ZuGFeRD und wie diese sich untereinander, aber auch von einer heute üblichen PDF-Rechnung unterscheiden.
Eva Patyrka stellte danach die universell einsetzbare elektronische Abbrandregelung ihres Unternehmens ED Trade vor, die sich herstellerunabhängig sowohl an neuen Anlagen als auch in der Nachrüstung verwenden lässt. Auf dieses System werden wir in der kommenden K&L-Ausgabe vertiefend eingehen.
Ursprünglich für den Folgetag eingeplant war der am Freitag eingeschobene Beitrag von Roy Streubel. Der Kamin- und Ofenbaumeister aus Stralsund referierte zu Hybridheizsystemen unter Beteiligung von Holzfeuerstätten. Dazu lieferte er ein Praxisbeispiel einer realisierten Kombination aus Wärmepumpe, PV-Anlage und wasserführendem Kachelofen-Tunneleinsatz HKD 2.2 SK XL von Brunner. Als Bindeglied und Verteilstation der Wärmeerzeuger und -abnehmer dient eine Brunner Heizzentrale BHZ. Auch wenn die Investitionen in seinem Fall deutlich höher lagen als bei einer reinen Wärmepumpenheizung mit PV-Unterstützung, ergeben sich jährlich auch unter aktuellen Energiekosten (Rechnung wurde vor dem Iran-Krieg gemacht) schon erhebliche jährliche Einsparungen, wenngleich eine Amortisation unter den gegebenen Voraussetzungen in weiter Ferne lag. Das mag sich bei steigenden Stromkosten relativieren, und man bekommt ja auch einen spürbaren Mehrwert in Sachen Wärmekomfort, Gemütlichkeit und nicht zuletzt bei der Versorgungssicherheit. Denn der Ofen beziehungsweise die gesamte Heizungsanlage funktioniert dank einer Pufferbatterie auch bis zu 1,5 Tage völlig stromlos.
Damit war das gespickte Vortragsprogramm noch nicht am Ende, denn nun referierte Kay Wittig, Geschäftsführer des FV-SHK Mecklenburg-Vorpommern noch über neueste Entwicklungen bei generativer KI (unter anderem ChatGPT) und dem möglichen Nutzen auch fürs Handwerk. Hierzu ist auch eine Online-Schulung geplant.
LEAG Marketing-Referentin Susanne Weiß- Janoschek informierte über die große Transformation des Unternehmens – weg von der Kohle und hin zu regenerativen Holzbrennstoffen, allen voran Pellets aus eigener Fertigung. Dieser Prozess läuft mittlerweile schon seit ein paar Jahren – in letzter Zeit aber mit erkennbar zunehmendem Tempo.
Den Abschlussvortrag des Tages hielt David Zaspel von Hafnertec. Er stellte das umfangreiche Glasurprogramm der Hafnertec-Ofenkeramik vor und wie diese entstehen.
Nach dem Tagesprogramm wartete der festliche Abend im Charlestonsaal auf die Gäste. Hier ist es seit letztem Jahr Brauch, in Erinnerung an Jens Cordes im Hawaii-Hemd zu erscheinen.
Den Auftakt des kürzeren Samstagsprogramms lieferte EFA-Vorstandsmitglied Friedrich Allendorff mit einem Bericht über die Aktivitäten des international organisierten Verbands. Er nutzte die Gelegenheit, auch ganz allgemein an einen noch stärkeren Zusammenhalt der Branche zu appellieren, um den vielfältigen Herausforderungen der Zukunft besser trotzen zu können.
Nach der Kaffeepause gab es eine weitere „Sofarunde“, in der auf den oft vernachlässigten Umsatzbringer „Ofenwartung“ hingewiesen wurde. Gerade in auftragsschwachen Zeiten lässt sich so die Kundenbindung aufrechterhalten, Kompetenz zeigen ... und sicher auch der eine oder andere Neuauftrag generieren.
Andreas Schönfeld brachte Basiswissen über die korrekte Verarbeitung von Mörteln und Putzen ins Auditorium, was, wie Rückfragen ins Publikum ergaben, nicht unbedingt in der erwarteten Tiefe vorhanden war. Die optimale Materialverwendung wird auch im K&L-Magazin künftig immer wieder Thema sein.
Mit durchgefärbtem Überzeugungswillen trat anschließend Patrick Uschkereit von Glen Dimplex Deutschland auf die Bühne, um für die alternative Verwendung hochwertiger elektrischer Kamin“feuer“ auch durch das traditionelle OL-Handwerk zu werben. Sie bieten hohen Be-dienkomfort und eröffnen auch dort Einsatzmöglichkeiten, wo herkömmliche Holzfeuerstätten nicht verwendet werden können.
Den Abschlussvortrag lieferte Lars Lierow. Er sprach für das wirklich sehenswerte Ofen- und Keramikmuseum in Velten, von wo auch die Anerkennung des Kachelofenbaus als immaterielles Kulturerbe bei der Unesco erfolgreich angestoßen wurde.
Mit dem üblichen Mittagsimbiss endete auch dieser Kachelofenbauertag – bis zum Wiedersehen im nächsten Jahr. Der Termin steht auch schon. Er liegt wieder in der letzten Februar- woche, am 26. und 27. Februar 2027.
Foto: Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik MV
Volles Haus in Linstow
Foto: Martin Henze
Neues Diskussionsformat in Linstow: die Sofa-Runde.
Jonas Grünberg
Jens Cordes Gedächtnispreis
Foto: Fachverband Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik MV
Verleihung des „Jens Cordes Gedächtnispreis“: Andreas Diekmann (Obermeister der Ofen- und Luftheizungsbauer-Innung Mecklenburgische Schweiz), Guido Eichel (Vorstand CFO bei Hagos eG), Preisträger Christian Hüttmann mit seinem Ausbilder Alexander Duge von Kaminhaus Lübeck und Kay Wittig, Geschäftsführer des Fachverbandes Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Mecklenburg-Vorpommern (v.l.n.r.).
Mit großer Freude wurde erstmals der Jens Cordes Gedächtnispreis an den besten Ofenbauer unter allen Bewerbern auf Grundlage der Gesellenprüfung 2025 verliehen: Christian Hüttmann. Sein Ausbildungsbetrieb, das Kaminhaus Lübeck mit Geschäftsführer Alexander Duge, erhielt als Anerkennung einen Warengutschein im Wert von 1.000 € von Hagos.
Diese Auszeichnung würdigt nicht nur herausragende handwerkliche Leistungen, sondern auch Leidenschaft, Präzision und Innovationsgeist im Ofenbauerhandwerk. Der Preisträger steht beispielhaft für Qualität, Verantwortung und die Zukunft des Gewerks. In ehrendem Gedenken an Jens Cordes werden Tradition und der Anspruch miteinander verbunden, Exzellenz nachhaltig zu fördern.
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