Warum der Ofen mehr ist als ein Möbelstück –der Vorstandsvorsitzende der EFA e.V. Uwe Striegler über Vorsorge, Frostschutz für Gebäude und die Bedeutung moderner, emissionsarmer Technik.
Energiepolitische Debatten kreisen oft um Effizienz, Kosten und Klimaziele. Fragen der Resilienz und Vorsorge werden dagegen meist erst dann gestellt, wenn Systeme unter Druck geraten. Einzelraumfeuerstätten werden in diesem Zusammenhang häufig unterschätzt – zu Unrecht. Im Gespräch erklärt Uwe Striegler warum Öfen weit mehr sind als Wohnaccessoires, welchen Beitrag sie zur Resilienz leisten können und weshalb Umwelt- und Vorsorgeaspekte untrennbar zusammengehören.
Redaktion: Herr Striegler, das Thema Resilienz rückt in der Energiepolitik und Sicherheitsdebatte immer stärker in den Fokus. Warum ist das auch für Ihren Verband ein zentrales Thema?
Uwe Striegler: Resilienz ist für uns kein abstraktes Modewort, sondern ein grundlegendes Strukturprinzip moderner Energieversorgung. Unsere Systeme werden immer komplexer, stärker vernetzt und zunehmend elektrifiziert. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von funktionierenden Infrastrukturen. Resilienz bedeutet in diesem Kontext, dass wir bewusst Vorsorge treffen und Alternativen mitdenken. Als Verband beschäftigen wir uns deshalb mit der Frage, welche Technologien bereits heute vorhanden sind, um Haushalte widerstandsfähiger zu machen. Einzelraumfeuerstätten gehören ganz klar dazu, weil sie dezentral funktionieren und technisch unabhängig sind.
Redaktion: Was leisten Öfen konkret, wenn zentrale Energiestrukturen zeitweise nicht verfügbar sind?
Uwe Striegler: Ein Ofen ermöglicht es, auch ohne Strom und Gas Wärme zu erzeugen. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, der im Alltag oft ausgeblendet wird. Niemand erwartet, dass eine Einzelraumfeuerstätte ein ganzes Haus dauerhaft voll versorgt. Aber sie sichert ein Mindestmaß an Wärme und damit Wohnfähigkeit. Gerade in außergewöhnlichen Situationen ist genau diese Grundversorgung entscheidend. Die Stärke des Ofens liegt dabei in seiner Robustheit: Er kommt ohne komplexe Technik aus und ist deshalb auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig..
Resilienz ist für uns kein abstraktes Modewort, sondern ein grundlegendes Strukturprinzip moderner Energieversorgung.«
Redaktion: Dabei geht es nicht nur um die Menschen im Haus, sondern auch um das Gebäude selbst, richtig?
Uwe Striegler: Absolut. Wärme ist immer auch ein Schutz für die Bausubstanz. Schon eine einzelne Feuerstätte kann ein Gebäude auf einer Grundtemperatur halten. Das verhindert Frostschäden an Wasserleitungen, an Heizsystemen oder an der Gebäudesubstanz insgesamt. Solche Schäden können enorme Folgekosten verursachen und ein Haus im Extremfall sogar unbewohnbar machen. Der Ofen übernimmt damit eine wichtige Schutzfunktion, die in der Vorsorgediskussion häufig unterschätzt wird.
Redaktion: Dennoch gelten Einzelraumfeuerstätten vielerorts oft als Lifestyle-Produkt oder Luxusobjekt. Wird ihr Beitrag zur Resilienz dadurch verkannt?
Uwe Striegler: Ja, diese Verkürzung wird der Realität nicht gerecht. Natürlich spielt Behaglichkeit eine Rolle, das will niemand bestreiten. Aber technisch betrachtet ist ein Ofen ein autarkes Wärmesystem. Gerade in einer Welt, in der vieles auf Strom basiert, gewinnt diese Autarkie wieder an Bedeutung. Ein Ofen ist keine nostalgische Spielerei, sondern eine einfache, robuste Lösung, die im Ernstfall funktioniert. Diese Funktion als aktive Vorsorge wird in der öffentlichen Debatte bislang zu wenig wahrgenommen.
Redaktion: Wie groß ist die gesellschaftliche Dimension dieses Themas tatsächlich?
Uwe Striegler: Sie ist erheblich. In Deutschland gibt es rund 11,7 Millionen Einzelraumfeuerstätten, sie betreffen etwa 25 Millionen Menschen. Das ist weit entfernt von einer Nischenanwendung. Europaweit sprechen wir von einer noch deutlich größeren Zahl von Haushalten. Wir haben es also mit einer vorhandenen, flächendeckenden Infrastruktur zu tun, die bereits heute Wärme liefern kann – unabhängig von Netzen. Diese Realität sollte bei strategischen Überlegungen zu Resilienz und Vorsorge eine größere Rolle spielen.
Wärme ist immer auch ein Schutz für die Bausubstanz.«
Redaktion: Gleichzeitig stehen Öfen immer wieder in der Kritik wegen Emissionen. Wie lässt sich der Resilienzgedanke mit Umwelt- und Gesundheitsschutz vereinbaren?
Uwe Striegler: Das ist ein ganz zentraler Punkt. Die Fähigkeit eines Ofens, im Ausnahmefall unabhängig zu heizen, darf niemals als Freibrief für Emissionen im Alltag verstanden werden. Akzeptanz gibt es nur mit klaren Umweltstandards. Moderne Einzelraumfeuerstätten sind deutlich sauberer, effizienter und emissionsärmer als frühere Generationen. Diese Technik muss der Maßstab sein. Durch die Einführung der aktuellen Emissionsstufen, die Eco-Design-Vorgaben sowie den kontinuierlichen Austausch moderner Feuerstätten verfügt unsere Branche heute über einen sehr hohen technischen und ökologischen Standard. Moderne Geräte arbeiten zu einem großen Teil ohne elektrische Heizenergie und funktionieren dadurch zuverlässig und unabhängig. Umwelt- und Klimaschutz, Sicherheit sowie Verbraucherschutz sind damit auf einem sehr hohen Niveau gewährleistet. Gleichzeitig stehen bereits Technologien zur Verfügung, die im Ernstfall ohne Strom auskommen, wie etwa Filter oder Katalysatoren, und auch in Krisensituationen einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Resilienz ist ein zusätzlicher Nutzen, kein Ersatz für Immissionsschutz. Beides muss zusammengedacht werden.
Redaktion: Abschließend: Was tut Ihr Verband konkret, damit Einzelraumfeuerstätten als Vorsorgeoption stärker wahrgenommen und berücksichtigt werden?
Uwe Striegler: Wir setzen auf sachlichen Dialog und fachliche Einordnung. Dazu gehören Gespräche mit Politik und Verwaltung ebenso wie der Austausch mit Wissenschaft und anderen gesellschaftlichen Akteuren. Unser Ziel ist es, den funktionalen Beitrag moderner Einzelraumfeuerstätten verständlich darzustellen und Missverständnisse auszuräumen. Öfen sind bereits vorhanden, sie funktionieren unabhängig vom Strom und sie können im Ernstfall einen wichtigen Beitrag leisten. Diese Perspektive bringen wir aktiv in politische und administrative Prozesse ein. Als Vorstandsvorsitzender der Europäische Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft ist es mir wichtig, dass Resilienz, Vorsorge und Umweltschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern gemeinsam gedacht werden. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist zudem die gebündelte Kompetenz innerhalb der EFA: Hersteller von Feuerstätten, Schornsteinsystemen und Zubehör bringen hier ihre Erfahrung und Entwicklungsarbeit zusammen. Dieses Know-how fließt direkt in sichere, langlebige und zukunftsfähige Produkte ein.
Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.
Zur Person
Uwe Striegler hat eine Ausbildung zum Dipl. Ingenieur in der Richtung Automatisierungstechnik / Fachrichtung Bauautomatisierung abgeschlossen und ist seit 1990 bei der Firma Hark als Geschäftsführer Ost und später als Einkaufs- und Entwicklungsleiter tätig. Weiterhin ist er in verschiedenen Normungsausschüssen und im Sachverständigenausschuss beim DIBT usw. tätig. Weiterhin ist er Gründungsmitglied und seit 2017 Vorstandsvorsitzender der EFA.
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