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/// Interview

Emissionsminderung von Holzfeuerstätten

Mit dem „Ecoplus FlameKat“ präsentierte Hark aus Duisburg 2025 einen neuen, selbstentwickelten Katalysator für Holzfeuerstätten, der die Emissionen deutlich senkt. Bei brandneuen Feuerstätten, die mit dieser Technik ausgestattet sind, ist das regelkonform und unproblematisch. Anders sieht das beim Thema Nachrüstung und nachträglicher Einbau aus.

Redaktion: Der neue Katalysator aus Ihrem Hause wäre eine gute Lösung für die Nachrüstung älterer Feuerstätten. Auch moderne Geräte könnten damit noch emissionsärmer betrieben werden. Leider ist es jedoch so, dass bei einem Austausch der Umlenkplatte gegen einen Katalysator aktuell die Zulassung erlischt. Wie bewerten Sie diese Situation?

Thomas Gerloff: Aus technischer Sicht ist die aktuelle Situation schwer nachvollziehbar. Wir dürfen nicht einmal unsere eigenen EcoPlus-Öfen mit dem Katalysator nachrüsten, obwohl Durchlässigkeit, Größe und Form identisch sind und sich an sicherheitsrelevanten Parametern wie Abständen oder Wirkungsgrad nichts ändert. Wir reinigen ausschließlich das Abgas. Trotzdem gilt der Austausch rechtlich als „bauliche Veränderung“. Für Endkunden bedeutet das: Ein Ofen, der mit Katalysator nachweislich sauberer wäre, darf nicht einfach umgerüstet werden. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Durch den Austausch würden neue Ableitbedingungen greifen. Kunden, die ihren Ofen vor 2021 installiert haben und unter alten Bedingungen Bestandsschutz genießen, müssten bei einer Nachrüstung eine neue Abnahme durchführen lassen – und würden diese oft nicht bestehen. Damit verlieren sie nicht nur die Möglichkeit der Nachrüstung, sondern im schlimmsten Fall sogar den Bestandsschutz ihres bestehenden Ofens. Technisch betrachtet ist das kaum zu rechtfertigen, denn sicherheitsrelevant ändert sich nichts. So wird verhindert, dass Bestandsöfen durch eine einfache Maßnahme 50 bis 70 Prozent sauberer werden.

Wenn wir als Branche zeigen können, dass wir bestehende Geräte deutlich sauberer machen, wäre das ein echter Fortschritt für Umwelt und Akzeptanz. «

Frank Schültingkemper

Frank Schültingkemper: Die Entwicklung unseres Katalysators war für uns ein sehr aufwendiger Prozess – sowohl zeitlich als auch finanziell. Aktuell sind wir noch dabei, unsere eigenen Modelle damit auszustatten, was aufgrund der notwendigen Prüfungen für jede einzelne Baureihe viel Zeit in Anspruch nimmt. Wir müssen jede Variante sauber prüfen lassen, bevor wir sie in den Markt bringen. Parallel dazu erreichen uns bereits Anfragen anderer Hersteller, die unser System ebenfalls einsetzen möchten. Diese mussten wir aus Kapazitätsgründen bisher leider vertrösten. Zu gegebener Zeit werden wir diese Gespräche aufnehmen. Für uns ist entscheidend, dass wir uns nicht als isolierten Akteur sehen, sondern als Teil der ganzen Feuerstätten-Branche. Unser Anspruch ist es, nicht nur für uns selbst Lösungen zu entwickeln, sondern einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der gesamten Ofenbranche zu leisten. Deshalb haben wir früh kommuniziert, dass wir unsere Technologie grundsätzlich auch anderen Herstellern zugänglich machen wollen. Ebenso wichtig ist uns der fachliche Dialog: Wenn Verbände, Experten oder Behörden unsere Aussagen kritisch hinterfragen, begrüßen wir das ausdrücklich. Wir wollen miteinander sprechen und am Ende faktenbasiert belegen können, was unsere Technologie leistet.

Redaktion: Läuft der Gesetzgeber damit dem Stand der Technik hinterher?

Frank Schültingkemper: Häufig ist es so, dass neue technische Möglichkeiten noch nicht ausreichend bekannt sind oder nicht schnell genug in Regelwerke übersetzt werden. Dabei ist das Potenzial enorm: Wir haben allein bei Hark rund 250.000 Öfen im Markt, die mit einem EcoPlus-Filter ausgestattet sind. Würde man diese Geräte durch einen einfachen Tausch mit einem Katalysator nachrüsten dürfen, ließe sich die reale Emissionsbelastung spürbar senken – ohne große Umbauten, ohne neue Geräte. Genau hier liegt für uns der Hebel – im Übrigen nicht nur für uns, sondern alle innovativen Hersteller: Realemissionen zu reduzieren, nicht nur theoretische Prüfwerte zu erfüllen. Wenn wir als Branche zeigen können, dass wir bestehende Geräte deutlich sauberer machen, wäre das ein echter Fortschritt für Umwelt und Akzeptanz. Dafür brauchen wir jedoch einen regulatorischen Rahmen, der solche Nachrüstungen zulässt, statt sie faktisch zu verhindern.

Thomas Gerloff: Aus technischer Sicht ist es tatsächlich schwer zu verstehen, warum bestimmte Lösungen nicht zugelassen werden. Wir reden hier nicht über sicherheitskritische Eingriffe, sondern über den Austausch einer Umlenkplatte durch einen Katalysator – bei identischer Bauform. Selbst wenn sich ein Katalysator zusetzen sollte, verhält er sich im Prinzip wie die ursprüngliche Umlenkplatte, mit der der Ofen auch geprüft wurde. Trotzdem wird argumentiert, es handle sich um einen „anderen Ofen“, der komplett neu geprüft werden müsse. Das Resultat ist paradox: Eine Maßnahme, die Emissionen deutlich senkt, wird aus formalen Gründen blockiert. Dabei könnte man durch solche Nachrüstungen gerade im Bestand sehr schnell große Effekte erzielen. Aus meiner Sicht wäre das eine der effizientesten Stellschrauben für den Umweltschutz in unserer Branche.

Redaktion: Sehen Sie konkrete Lösungsansätze, wie regulatorische Hemmnisse künftig abgebaut werden können?

Frank Schültingkemper: Wir arbeiten bereits daran, Kontakte in die zuständigen Ministerien und Verbände zu knüpfen. Unser Ansatz ist es, solche Lösungen nicht als Einzelfall oder Sondergenehmigung für ein einzelnes Unternehmen zu etablieren, sondern im Rahmen von Gesetzgebungsverfahren – etwa bei einer Novellierung der BImSchV. Das ist aus unserer Sicht auch für die Akzeptanz in der Branche der bessere Weg. Wichtig wäre, praktikable Regelungen zu schaffen, die eine Nachrüstung erlauben, wenn sicherheitsrelevante Werte unverändert bleiben und die Emissionen nachweislich sinken. Denkbar wären beispielsweise exemplarische Prüfungen an ausgewählten Geräten, statt für jedes einzelne Modell eine vollständige Neuzertifizierung zu verlangen. So ließen sich hohe Kosten und lange Wartezeiten vermeiden, ohne Abstriche bei Sicherheit oder Umweltwirkung zu machen.

Entscheidend ist, dass wir reale Emissionen reduzieren und praktikable Lösungen anbieten – schließlich sitzen wir alle in einem Boot.«

Thomas Gerloff

Thomas Gerloff: Ich bin der Überzeugung, dass es kein „Hexenwerk“ ist. Wenn man nachweisen kann, dass sich Sicherheitsabstände, Oberflächentemperaturen, Wirkungsgrad und andere relevante Parameter nicht verändern, bleibt als Effekt lediglich: Das Abgas wird sauberer. Dafür muss man nicht jedes einzelne Gerät neu prüfen. Man könnte sich auf eine bestimmte Anzahl exemplarischer Prüfungen einigen – fünf, zehn oder zwanzig Öfen verschiedener Bauarten, vorher und nachher gemessen. Die Ergebnisse dienten dann als Grundlage für eine allgemeine Freigabe. So wäre eine Nachrüstung sowohl für Bestandsgeräte als auch für Neugeräte anderer Hersteller möglich. Gerade in Zeiten, in denen Prüfkapazitäten ohnehin knapp sind, wäre das ein sinnvoller Weg. Andernfalls verhindern wir durch bürokratische Hürden genau das, was wir eigentlich erreichen wollen: eine schnelle, flächendeckende Emissionsreduzierung.

Redaktion: Wo sehen Sie aktuell die größten praktischen Hürden in der Umsetzung?

Frank Schültingkemper: Ein großes Problem ist die uneinheitliche Auslegung von Vorschriften. Gesetze werden in den Bundesländern unterschiedlich interpretiert. Wir liefern bundesweit und sehen täglich, wie verschieden Regelungen angewendet werden – sei es bei der BImSchV, bei Ableitbedingungen oder bei der Frage der Stilllegung von Anlagen. Das schafft Unsicherheit für Hersteller, Handwerk und Kunden. Hinzu kommt: Auch dort, wo Regelungen existieren, werden sie oft nicht konsequent umgesetzt. Viele Öfen, die eigentlich stillgelegt sein müssten, werden weiter betrieben. Gleichzeitig verhindert das Regelwerk sinnvolle Nachrüstungen. Das ist eine Schieflage: Auf der einen Seite ein teils mangelnder Vollzug, auf der anderen Seite überstrenge formale Anforderungen, die umweltfreundliche Lösungen blockieren.

Thomas Gerloff: Für den Endkunden ist die Situation besonders unerfreulich. Wer eine Bestandsanlage nachrüsten möchte, läuft Gefahr, seinen Bestandsschutz zu verlieren. Eine einfache technische Verbesserung kann dazu führen, dass plötzlich neue Auflagen greifen, die nicht erfüllbar sind. Rückrüsten ist dann ebenfalls nicht erlaubt. Das ist für viele schlicht nicht vermittelbar. Zudem wirken die hohen Kosten für Prüfungen und die begrenzten Kapazitäten der Prüfstellen wie eine zusätzliche Bremse. Gerade kleinere oder mittlere Hersteller können es sich kaum leisten, für jede Feuerstättengruppe neue Prüfungen zu finanzieren. Damit werden Innovationen nicht gefördert, sondern ausgebremst – obwohl sie einen klaren Umweltvorteil hätten.

K&L-Magazin: Abschließend ein Blick in die Zukunft: Welche Rolle soll Ihr Unternehmen in der Branche spielen?

Frank Schültingkemper: Aufgrund unserer Größe und unseres Marktanteils sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung. Wir wollen mit unseren Entwicklungen und Innovationen unsere Marktposition festigen, aber gleichzeitig anderen Herstellern die Möglichkeit geben, an diesen Technologien teilzuhaben. Die Branche ist klein – umso wichtiger ist es, dass wir zusammenstehen. Viele Menschen suchen angesichts von Energiekrisen nach Sicherheit und Unabhängigkeit. Feuerstätten können hierzu einen Beitrag leisten, wenn sie sauber, effizient und bezahlbar sind. Unser Ziel ist es, dass Öfen als wichtiger Teil der Energiewende wahrgenommen werden. Dafür müssen wir die Technologieführerschaft übernehmen, weiterentwickeln und zugleich darauf drängen, dass Gesetzgebung flexibler, schneller und planbarer wird. Nur so können Unternehmen verlässlich investieren und Innovationen vorantreiben. Die Branche muss erhalten bleiben, sie ist existenziell wichtig für die Menschen und wir wollen unseren Teil dazu beitragen

Thomas Gerloff: Ich sehe unsere Aufgabe auch darin, Technologieoffenheit zu verteidigen. Es darf nicht die eine Pflichtlösung geben, sondern verschiedene Wege, Emissionen zu senken – je nach Anwendung. Jede Technologie hat ihre Stärken und Schwächen. Entscheidend ist, dass wir reale Emissionen reduzieren und praktikable Lösungen anbieten – schließlich sitzen wir alle in einem Boot. Langfristig müssen wir zeigen, dass saubere Feuerstätten möglich sind, die auch für die breite Masse bezahlbar sind.

K&L-Magazin: Vielen Dank für das Gespräch

Thomas Gerloff

Foto: K&L-Magazin

Thomas Gerloff
Frank Schültingkemper

Foto: K&L-Magazin

Frank Schültingkemper

Zur Person

Die Interviewpartner:

Frank Schültingkemper,
Prokurist von Hark in Duisburg

Thomas Gerloff,
Leiter Konstruktion und Entwicklung von Hark in Duisburg

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