Gemeinsam für das Ofenbauerhandwerk (v.l.n.r.): Die Landtagsabgeordneten Andreas Birzele (Bündnis 90/Die Grünen), Thomas Zander (850°), Tanja Schorer-Dremel (CSU) und Josef Maget (850°) tauschten sich über die Zukunft des Handwerks und eine nach- haltige Wärmeversorgung aus.
Parteiübergreifendes Bekenntnis zum Energieträger Holz beim dreitägigen Fachtreffen im Walderlebniszentrum Schernfeld: Fachwissen und Innovationen rund um den handwerklich gebauten Grundofen standen im Mittelpunkt des diesjährigen Ofencampus des Vereins 850° - Handwerklicher Grundofen e.V. Drei Tage lang trafen sich im Walderlebniszentrum Schernfeld zahlreiche Keramiker, Ofen- und Luftheizungsbauer aus Deutschland, Österreich und Italien um sich über aktuelle Entwicklungen in den Bereichen Fachregeln, Emissionsminderung und nachhaltiges Heizen auszutauschen.
Neben den Fachvorträgen bot der Ofencampus reichlich Gelegenheit zum intensiven Erfahrungsaustausch zwischen Ofenbauern, Herstellern und Fachleuten. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse sollen unmittelbar in die Praxis einfließen und die hohe Qualität des traditionellen Ofenbaus weiter sichern.
„Der Ofencampus macht deutlich, dass sich traditionelle Handwerkskunst, moderne Feuerungstechnik und konsequenter Umweltschutz im handwerklich errichteten Grundofen sinnvoll ergänzen“, betonte Thomas Zander, Vorsitzender von 850 Grad. Die Ofenbaubranche müsse mit dem Grund-/Speicherofenprinzip das volle Potenzial der Zukunftsfähigkeit des Holzofens ausschöpfen, appellierte er an alle Beteiligten.
Politische Unterstützung aus Bayern
Die Landtagsabgeordnete Tanja Schorer-Dremel (CSU) griff dieses Thema am Freitag in ihrer Grußrede auf und berichtete, dass sie sich bereits vor über 30 Jahren einen Grundofen in ihrem Haus habe einbauen lassen. Sie schätze dessen Effizienz, Nachhaltigkeit und vor allem die damit verbundene Handwerkskunst. Sie sei von der Zukunftsfähigkeit des Ofenbaus überzeugt, werde diesen vollumfänglich unterstützen und freue sich besonders darüber, dass das Campustreffen von Berlin nach Schemfeld verlegt worden sei.
Der Ofencampus macht deutlich, dass sich traditionelle Handwerkskunst, moderne Feuerungstechnik und konsequenter Umweltschutz im handwerklich errichteten Grundofen sinnvoll ergänzen.«
Der Landtagsabgeordnete Andreas Birzele (Grüne), der selbst aus dem Handwerk stammt, kennt die Sorgen der Handwerker – nicht nur der Keramiker und Ofenbauer – und versprach, ihr Anliegen auch in die Bundespolitik zu tragen.
Unter den Ehrengästen befand sich zudem Johann Stadler, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Eichstätt. Wie er anmerkte, säßen Waldbauern und Ofenbauer im selben Boot und müssten sich gemeinsam für eine zukunftssichere Wärmeversorgung einsetzen.
Fachvorträge zu Regelwerk und Versorgungssicherheit
In seinem Vortrag zur Versorgungssicherheit mit Holzfeuerstätten hob Marc Angelo von Zoepffel, Vorsitzender der Landesfachgruppe Baden-Württemberg, hervor, dass insbesondere in Neubauten ein enormes Potenzial für Speicherfeuerstätten als Heizungssystem bestehe, da bei geringem Wärmebedarf keine aufwendigere Versorgungstechnik notwendig sei.
Tobe Hinrichs {Leda) ergänzte in seinem Vortrag über die Historie des Technischen Regelwerks der Ofen- und Luftheizungsbauer, dass das Handwerk mit der TROL baurechtlich das Regelwerk an der Hand habe, das den Einbau handwerklich erstellter Speicheröfen ermögliche. Auch aus Sicht der Normierung sei die TROL laut Sven Müller, Leiter des Normenausschusses, eine fundierte Grundlage, um einen vergleichbaren Qualitätsanspruch zu gewährleisten.
Europäische Perspektive im Fokus
Wie steht es um die europäische Perspektive für die Zukunft der Holzfeuerstätte? Dieser Frage ging Tino Kanetzki, Ofenbaumeister aus dem Allgäu, gemeinsam mit seinen Kollegen Stefan Pedoth (Südtiroler Hafnerverband, Italien), Harald Müller (Österreichischer Kachelofenverband) und Martin Bürgler (Ceruniq, Schweiz) nach. In einer angeregten Diskussion mit Beteiligung des Publikums wurde deutlich, dass für die Zukunft des Speicherofenbaus in allen Ländern mehr getan werden muss. Offensichtlich sei, dass die konventionelle Verbandsarbeit in den jeweiligen Ländern die Interessen der handwerklichen Ofenbauer nicht ausreichend vertreten könne.
Es sollten schnellstmöglich länderübergreifende Allianzen gegründet werden, um mehr Aufmerksamkeit auf nationaler und europäischer Ebene zu erzielen.«
Fazit der Diskussion: Es sollten schnellstmöglich länderübergreifende Allianzen gegründet werden, um mehr Aufmerksamkeit auf nationaler und europäischer Ebene zu erzielen. Ein regelmäßiger Austausch unter allen beteiligten Ofenbauern soll die Wahrnehmung in Gesellschaft und Politik stärken.
Handwerkliche Praxis und globale Innovationen
Der zweite Veranstaltungstag stand ganz im Zeichen handwerklicher Praxis und globaler Innovationen. Neben der Aufbereitung von Lehm, dem Gießen von Stegkacheln und dem Behauen gebrannter Kacheln wurde ein Ofen des Vereins Ofenmacher e.V. aufgebaut.
Besondere Aufmerksamkeit erregte ein einfach konstruierter Lehmofen aus Äthiopien: Er erzielte auf dem Prüfstand der Rhein-Ruhr Feuerstätten Prüfstelle hervorragende Emissionswerte von lediglich 13 mg/m3 Feinstaub und qualifizierte sich damit für den zertifizierten Einbau in Deutschland- ein Beweis dafür, dass technischer Fortschritt vor allem in einer intelligenten Rauchgasführung liegt.
Christoph Ruopp, einer der Initiatoren der Entwicklung des Kochherdes, machte darauf aufmerksam, dass in Äthiopien bereits jetzt mehr Ofenbauerinnen (550) tätig sind als in der Schweiz, Österreich und Deutschland zusammen. Da vorwiegend Frauen Interesse am Bau effizienter, sparsamer Kochherde zeigen und die staatlich geförderte Ausbildung ein hohes Niveau erreicht, werde die Zahl der Ofenbauerinnen weiter schnell ansteigen.
„Simple Smart Buildings“ und Ausblick auf gemeinsame Forschung
Unter dem Titel„Simple Smart Buildings -was hat der Grundofen damit zu tun?“ referierte Friedrich Idam, Denkmalpfleger und Bauphysiker von der TU Wien und Krems. Während Wärmepumpen zwar smart, aber oft technisch aufwendig und störanfällig seien, verkörpere der Grundofen das Prinzip„Simple Smart“: robust, langlebig, resilient und mit hohem Wirkungsgrad.
Zum Abschluss der gelungenen und abwechslungsreichen Veranstaltung gab Simon Lesche Einblicke in die Arbeit des TFZ Straubing und lud zu gemeinsamer Forschungsarbeit ein. Diese Einladung nahm Thomas Zander von 850 Grad gerne an und betonte, dass die Grundlagenarbeit des Ofensetzerhandwerks beim Kunden unbedingt wissenschaftlich verifiziert werden müsse. Handwerk, Verbände und Politik seien gleichermaßen aufgefordert, dies zu unterstützen und entsprechende Fördermittel bereitzustellen. 850 Grad entwickle und koordiniere gerne entsprechende Projekte – ganz im Sinne der Zukunftsfähigkeit der Holzfeuerstätte.
Foto: 850°
Praxisnah und mit Blick nach vorn: Die Referenten beleuchteten aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen rund um das Ofenbauerhandwerk und die Energiewende.
Foto: Jens Fischer
Praxis im Fokus: Am zweiten Tag boten Workshops und Vorführungen viel Raum für den fachlichen Austausch und die praktische Anwendung.
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