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/// Branchentage Dresden 2026

Zwischen Regulierung, Nachwuchs und neuen Werkzeugen

Dass die vergangenen Jahre für die Feuerstättenbranche alles andere als einfach waren, stellte Hendrik Schütze bereits zur Begrüßung klar. Der Bundesfachgruppenleiter OL verwies auf deutliche Absatzrückgänge: Zwischen 2023 und 2025 seien die Verkäufe von Kaminöfen um fast 40 Prozent zurückgegangen, bei Heizkamineinsätzen um knapp 30 Prozent. Gleichzeitig sieht Schütze erste Anzeichen dafür, dass die Talsohle erreicht sein könnte. Aus seinem eigenen Betrieb berichtete er von wieder steigenden Auftragseingängen, auch aus Gesprächen mit Kollegen nehme er zunehmend positivere Signale wahr. Das Bild bleibe allerdings uneinheitlich.

Handwerk zwischen Regulierung und Markt

Wie eng wirtschaftliche Entwicklung und politische Rahmenbedingungen inzwischen miteinander verbunden sind, machte Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer des ZVSHK, deutlich. Europäische Emissionsvorgaben, Gebäudeenergierecht und die künftige Rolle von Einzelraumfeuerstätten verlangten dem Handwerk permanent neue Anpassungen ab. Für Föst reicht es deshalb nicht, lediglich auf neue Vorgaben zu reagieren. Die Branche müsse ihre Bedeutung stärker politisch vermitteln – insbesondere als Bestandteil einer resilienten und dezentralen Wärmeversorgung.

Gleichzeitig nahm Föst auch das Handwerk selbst in die Pflicht. Kundenerwartungen hätten sich verändert: Planung, Information und Kauf müssten einfacher und transparenter werden. Gerade im Neubau stehe die Feuerstätte längst in Konkurrenz zu anderen Investitionen rund ums Wohnen. Wer Kunden gewinnen wolle, müsse deshalb nicht nur technisch überzeugen, sondern auch den Weg zum Produkt einfacher machen.

Wir sind eine tolle Branche und wir sollten auf unsere Stärken hinweisen.«

Matthias Borgmann, LEAG

Matthias Borgmann von der LEAG griff diese Gedanken unter der Überschrift „Gut gemeint, schlecht gemacht?“ aus energiepolitischer Sicht auf. Sein Argument: Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten sollte die Branche stärker mit den Vorteilen heimischer Energieträger argumentieren. Lagerfähigkeit, regionale Wertschöpfung und die Möglichkeit einer von Strom und internationalen Energiemärkten unabhängigen Wärmeversorgung seien Argumente, die in der politischen Diskussion stärker berücksichtigt werden müssten.

Kritisch bewertete Borgmann zugleich politische Strategien zur Biomassenutzung. Zwar werde dort die nachhaltige und effiziente Nutzung des Rohstoffs betont, gleichzeitig wächst jedoch der Wettbewerb um Holz zwischen stofflicher und energetischer Verwendung. Für die Branche bedeutet dies, genauer zu erklären, welche Holzsortimente energetisch genutzt werden und wie eng stoffliche und energetische Nutzung miteinander verbunden sind.

Neue Normen – nicht nur neue Bürokratie

Dass Veränderungen nicht zwangsläufig zusätzliche Komplexität bedeuten müssen, zeigte der Programmblock „Neues vom Amt“. Im Mittelpunkt standen unter anderem EN 16510, DIN 18896 sowie deren Auswirkungen auf Planung, Einbau und Abnahme von Feuerstätten. Tobe Hinrichs von Leda stellte insbesondere die klarere Trennung der Regelwerke heraus. Die EN 16510 regelt das Produkt und die erforderlichen Herstellerangaben, die DIN 18896 den Einbau industriell gefertigter Feuerstätten; für handwerklich errichtete Anlagen bleibt die TROL maßgeblich. Was bisher teilweise über verschiedene Regelwerke verteilt war, wird damit eindeutiger voneinander abgegrenzt.

Für den Ofenbauer bedeutet das allerdings auch: Die technischen Unterlagen werden wichtiger. Angaben des Herstellers zu Temperaturklassen, Abständen oder Einsatzbedingungen sind keine Randnotizen. Sie können unmittelbar darüber entscheiden, ob eine Feuerstätte mit der vorhandenen Abgasanlage überhaupt kombiniert werden darf.

Nachwuchs wird zur Existenzfrage

Einen deutlichen Schwerpunkt des ersten Tages bildete die Ausbildung. Dabei ging es nicht nur um sinkende Nachwuchszahlen, sondern um eine grundsätzlichere Frage: Warum bildet nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Ofenbaubetriebe überhaupt aus?

In der Diskussion wurde die Ausbildungsquote der vergangenen Jahre mit rund zehn Prozent beziffert. Gleichzeitig hat die Branche in den vergangenen 15 Jahren auch einen erheblichen Teil ihrer Betriebe verloren. Weniger Betriebe und zu wenig Nachwuchs könnten sich damit gegenseitig verstärken. Die Debatte blieb allerdings nicht bei der Problembeschreibung stehen. Diskutiert wurden beispielsweise Kooperationen zwischen Ofenbaubetrieben. Gerade kleinere oder spezialisierte Unternehmen könnten Auszubildende zeitweise in Partnerbetriebe schicken, damit diese dort Tätigkeiten kennenlernen, die im eigenen Betriebsalltag nur selten vorkommen. Damit ließe sich zugleich die Einstiegshürde für Betriebe senken, die bislang Zweifel haben, ob sie die gesamte Bandbreite des Berufs vermitteln können. Der Tenor der Podiumsdiskussion war entsprechend deutlich: Wer Nachwuchs will, darf nicht ausschließlich auf Verbände, Schulen oder Politik warten. Auch die Betriebe selbst müssen sich fragen, welchen Beitrag sie zur Ausbildung leisten können.

Den fachlichen Teil des ersten Tages beschloss der Workshop „Exoskelette live on Stage“ der Handwerkskammer Dresden. Die Teilnehmer konnten selbst ausprobieren, wie technische Unterstützung körperliche Belastungen bei handwerklichen Arbeiten reduzieren kann. Das Thema wird das K&L-Magazin noch einmal gesondert in einem Fachbeitrag aufgreifen.

Von der Betriebsnachfolge bis zur KI

Der zweite Veranstaltungstag rückte stärker die unternehmerische Praxis in den Mittelpunkt. Den Auftakt bildeten Fragen rund um Kauf, Verkauf, Übergabe und Vererbung von Unternehmen. Ergänzend wurde mit der Unternehmensbörse „Nexxt Change“ ein Instrument vorgestellt, über das Unternehmer und potenzielle Nachfolger zusammenfinden können.

Wenn wir immer s­agen, jemand sollte, dann heißt es am Ende ­niemand.«

Guido Eichel zum Thema Ausbildung.

Ein Thema, das dagegen nicht irgendwann, sondern längst im betrieblichen Alltag angekommen ist, heißt Künstliche Intelligenz. Kay Wittig, Geschäftsführer des Fachverbands SHK Mecklenburg-Vorpommern, zeigte, wie breit die Einsatzmöglichkeiten inzwischen geworden sind: von Text- und Bildanwendungen über Transkriptionen bis hin zu spezialisierten Lösungen für Angebote und Kundenkommunikation. Die entscheidende Frage lautet damit weniger, ob KI ins Handwerk kommt, sondern wie sie sinnvoll genutzt werden kann. Wittig machte deutlich, dass die Qualität der Ergebnisse wesentlich davon abhängt, welche Informationen und Arbeitsaufträge der Anwender vorgibt. KI kann Arbeit erleichtern und beschleunigen – fachliche Kompetenz ersetzt sie damit nicht.

Gute Arbeit muss auch sichtbar werden

Unter dem Programmpunkt „Gewusst wie“ rief K&L-Chefredakteur Jens Fischer die anwesenden Ofenbauer dazu auf, sich mit ihren Anlagen am „Designpreis Ofenflamme 2027“ zu beteiligen. Ein Schwerpunkt seines Vortrags lag dabei auf einem vermeintlich einfachen, für die Bewerbung aber entscheidenden Punkt: dem richtigen Foto.

Aufgeräumte Räume, gutes Licht, gerade Perspektiven, ausreichend Abstand und mehrere Ansichten statt eines schnellen Baustellenfotos gehörten zu den praktischen Tipps. Dabei geht es nicht allein um die Jury des Designpreises. Gutes Bildmaterial lässt sich anschließend für Website, Social Media und Kundenkommunikation weiterverwenden. Die Teilnahme schafft damit Sichtbarkeit für den eigenen Betrieb – und zeigt zugleich einer breiteren Öffentlichkeit, welche gestalterische Qualität das Ofenbauerhandwerk zu bieten hat. Die Bewerbung für die Ofenflamme 2027 ist bis Ende Dezember 2026 möglich. Die Preisverleihung findet im März 2027 statt.

Zum Ende der Branchentage rückte noch einmal das klassische Fachwissen in den Mittelpunkt. Die Auswirkungen der neuen DIN 18160-1 auf Planung und Ausführung von Abgasanlagen standen ebenso auf dem Programm wie Problemstellungen aus der Sachverständigenpraxis, die Hendrik Schütze, Matthias Kirsten und Jens Hilt gemeinsam mit den Teilnehmern diskutierten.

Mehr als eine Vortragsveranstaltung

Gerade die Mischung prägte die beiden Tage in Dresden. Politische Einordnung und Normung standen neben Ausbildung, Unternehmensführung und neuen Technologien. Dazwischen boten Ausstellung, Pausen und Abendveranstaltung viel Raum für den persönlichen Austausch.

Die Branchentage machten dabei vor allem eines deutlich: Das Ofenbauerhandwerk hat derzeit nicht die eine große Baustelle, sondern viele gleichzeitig. Regulierung, Markt, Nachwuchs, Betriebsnachfolge und Digitalisierung greifen ineinander. Nicht jede dieser Entwicklungen kann das Handwerk selbst beeinflussen. Wie es damit umgeht, allerdings schon.

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