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Die Branche ringt um eine praxistaugliche Umsetzung der DIN EN 16510

Neue Norm, viele offene Punkte

Wie ist die DIN EN 16510 entstanden, was gilt seit dem Ende der Koexistenzphase – und wie lassen sich die neuen Vorgaben konkret in die Praxis überführen? Mit diesen Fragen startete am 16. März 2026 ein Online-Workshop der Europäischen Feuerstätten Arbeitsgemeinschaft (EFA). Insbesondere technisch orientierte Unternehmen und Fachleute aus Entwicklung, Prüfung und Anwendung nutzten die Gelegenheit zum Austausch.

Moderiert und fachlich geleitet wurde die Veranstaltung von Dirk Böhringer, technischem Berater der EFA. Im Zentrum stand die Einordnung der neuen europäischen Normenreihe vor dem Hintergrund der Bauproduktenverordnung sowie der damit verbundenen Harmonisierung von Prüfmethoden und Leistungsangaben im europäischen Binnenmarkt. Deutlich wurde dabei, dass die formale Umstellung auf die DIN EN 16510 zwar abgeschlossen ist, die praktische Umsetzung jedoch vielerorts noch in Bewegung ist.

Ein wesentlicher Punkt war das Ende der Koexistenzphase im November 2025. Seitdem dürfen grundsätzlich nur noch Produkte nach DIN EN 16510 in Verkehr gebracht werden. Gleichzeitig zeigte sich im Workshop, dass die Branche vor erheblichen strukturellen Herausforderungen steht. Der Rückgang notifizierter Prüfstellen, ein hoher Prüf- und Zertifizierungsbedarf sowie Verzögerungen bei Prüfungen führen dazu, dass sich ein spürbarer Engpass gebildet hat, der die Umstellung in vielen Unternehmen erschwert.

Vor diesem Hintergrund wurde intensiv die Übergangslösung über den sogenannten AOP-Report diskutiert, der es ermöglicht, auf Basis historischer Prüfdaten eine Konformität zur DIN EN 16510 herzustellen und Produkte weiterhin am Markt zu halten. Diese Möglichkeit verschafft Zeit, ist jedoch klar befristet: Spätestens bis November 2027 müssen vollständige Prüfberichte nach der neuen Norm vorliegen. Gerade in dieser Übergangsphase entstehen zahlreiche Auslegungsfragen, die im Workshop offen diskutiert wurden.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf den Abstandsregelungen und dem Strahlungsschutz, die sich als eines der praxisrelevantesten und zugleich komplexesten Themen erwiesen. Die Diskussion machte deutlich, dass insbesondere die Anwendung von Mindestabständen, die Herleitung von Werten aus historischen Daten sowie neue Berechnungsansätze weiterhin Interpretationsspielräume lassen. Hinzu kommt die Frage, welche Materialien tatsächlich als geeigneter Strahlungsschutz gelten können. Während Metallplatten in der Praxis als unkritisch angesehen werden, besteht bei Glaslösungen – etwa in Bezug auf Transparenz, Beschichtung oder thermische Eigenschaften – weiterhin Klärungsbedarf. Verlässliche und allgemein zugängliche Prüfdaten liegen hierzu nur begrenzt vor, sodass viele Bewertungen derzeit auf Einzelfallbetrachtungen beruhen.

Auch grundsätzliche Fragen zur praktischen Relevanz einzelner Anforderungen wurden angesprochen. Aus der Runde wurde berichtet, dass konkrete Schadensfälle im Zusammenhang mit den diskutierten Abstandsregelungen bislang nur in Einzelfällen bekannt sind und viele der aktuellen Diskussionen aus normativen Anforderungen heraus entstehen, weniger aus dokumentierten Schadensereignissen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die neuen Vorgaben in der Praxis durchaus Auswirkungen auf Produktgestaltung und Einbausituationen haben können und daher sorgfältig eingeordnet werden müssen.

Ein weiterer Aspekt betraf die Abgrenzung zwischen europäischer Normsetzung und nationalem Baurecht. Während die DIN EN 16510 die Grundlage für Prüf- und Leistungsanforderungen bildet, bleibt die konkrete Ausgestaltung der Aufstellbedingungen in der Verantwortung der Mitgliedstaaten. Dies führt in der Praxis zu unterschiedlichen Regelungen und erhöht die Komplexität für Hersteller, die ihre Produkte in mehreren Märkten vertreiben.

Bereits zu Beginn des Workshops hatte Uwe Striegler betont, dass es Ziel der Veranstaltung sei, die zahlreichen Rückfragen aus der Mitgliedschaft aufzugreifen und die Entstehung sowie Anwendung der Norm nachvollziehbar darzustellen, um ein gemeinsames Verständnis im Markt zu fördern und den Beteiligten mehr Sicherheit im Umgang mit den neuen Anforderungen zu geben.

Die Diskussion zeigte insgesamt, dass sich die Branche in einer Phase der Neujustierung befindet, in der technische, regulatorische und praktische Fragen eng miteinander verknüpft sind. Entsprechend groß ist der Bedarf an abgestimmten Informationen und klaren Leitlinien. Die EFA versteht es als ihre Aufgabe, ihren Mitgliedern in diesem Umfeld Orientierung zu geben und den fachlichen Austausch zu strukturieren.

Vor dem Hintergrund der konstruktiven Diskussion plant die EFA, weitere Workshops zu aktuellen Normungs- und Regulierungsthemen anzubieten und die gewonnenen Erkenntnisse systematisch aufzubereiten und der Mitgliedschaft zur Verfügung zu stellen.

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