Herzlichen Glückwunsch! Vize-Europameister Andreas Lengsfeld (Mitte) bei der Siegerehrung mit Robert Salvata von der VEUKO (links) und Dipl.-Ing. Dr. Thomas Schiffert des KOV (rechts).
Die VEUKO-Europameisterschaft im Kachelofenbau findet alle vier Jahre im Rahmen der „Internationalen Fachmesse für Kachelöfen und Keramik“ in Wels/Österreich statt. Hier treten die besten Ofenbauerinnen und Ofenbauer unter 25 Jahren aus ganz Europa gegeneinander an.
Mit Andreas Lengsfeld stand bei der jüngsten Austragung ein deutscher Nachwuchshandwerker auf dem Podest: Der 23-Jährige hatte sich bereits 2025 mit dem Titel„Deutscher Meister im Ofen- und Luftheizungsbau“ für den europäischen Wettbewerb qualifiziert. In Wels bestätigte er sein Können eindrucksvoll und wurde Vize-Europameister.
Ein Erfolg, der für ihn Ansporn und Bestätigung zugleich ist. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was ihn motiviert, wie sein Weg in den Ofenbau begann und warum der Beruf für junge Menschen auch heute attraktiv ist.
K&L-Magazin: Andreas, es ist schon ein paar Tage her, dennoch: herzlichen Glückwunsch zum Vize-Europameister-Titel! Du bist 23 Jahre alt, hast seit 2024 deinen Meisterbrief, wurdest 2025 Deutscher Meister im Ofen- und Luftheizungsbau und hast nun auch auf europäischer Ebene überzeugt. Eine bemerkenswerte Entwicklung in kurzer Zeit.
Andreas Lengsfeld: Vielen Dank. Wenn ich heute darauf zurückblicke, ist alles eigentlich wie im Flug vergangen. Zwischen Deutscher Meisterschaft, Vorbereitung und Europameisterschaft verging die Zeit unglaublich schnell. Die Wochen fühlten sich eher wie Tage an. Es war eine intensive, aber auch sehr schöne Zeit, die mir großen Spaß gemacht hat. Insgesamt war es eine tolle Erfahrung.
K&L-Magazin: Wie begann dein beruflicher Weg im Ofen- und Luftheizungsbau?
Andreas Lengsfeld: Eigentlich begann alles ganz unspektakulär bei einem Geburtstag meiner Großmutter. Mein Onkel fragte mich damals, ob ich mir etwas Geld verdienen wolle. So kam es zu einem Ferienjob bei der Firma Müller. Bereits nach dem ersten Arbeitstag wusste ich, dass ich Ofenbauer werden möchte. Danach habe ich in den folgenden Ferien immer wieder dort gearbeitet und schließlich meine Ausbildung in diesem Beruf begonnen.
K&L-Magazin: Was hat dich dazu bewegt, an einem Wettbewerb wie der VEUKO-Europameisterschaft teilzunehmen?
Andreas Lengsfeld: Das entwickelte sich Schritt für Schritt. Nach Abschluss meiner Ausbildung im Jahr 2022 wurde ich zunächst Kammersieger, anschließend Landessieger und später Bundessieger. Im Rahmen dieser Wettbewerbe erhielt ich viele positive Rückmeldungen. Bei einer Ehrung in Würzburg kam schließlich die Frage auf, ob eine Teilnahme an der Europameisterschaft für mich interessant wäre. Da ich bereits Wettbewerbserfahrung gesammelt hatte, war für mich schnell klar, dass ich diese Herausforderung annehmen möchte.
Es war eine intensive, aber auch sehr schöne Zeit, die mir großen Spaß gemacht hat. Insgesamt war es eine tolle Erfahrung.«
K&L-Magazin: Worin lag für dich die besondere Herausforderung dieses Wettbewerbs?
Andreas Lengsfeld: Die größte Herausforderung bestand darin, unter enormem Zeitdruck äußerst präzise zu arbeiten. Jeder einzelne Arbeitsschritt musste im Vorfeld genau durchdacht sein und anschließend sicher sitzen. Bereits kleinste Abweichungen im Millimeterbereich kosten Punkte – und bei einem Wettbewerb auf diesem Niveau zählt wirklich jeder Punkt.
K&L-Magazin: Die Aufgabenstellungen waren für alle Teilnehmer identisch und jedes Detail zählte. Wie viel Raum blieb dabei für Kreativität?
Andreas Lengsfeld: Bei einer solchen Meisterschaft steht weniger die Kreativität im Vordergrund als vielmehr die exakte Umsetzung der vorgegebenen Aufgabe. Wer zusätzliche gestalterische Ideen einbringt oder besonders aufwendige Techniken anwendet, verliert schnell wertvolle Zeit. Entscheidend ist daher, sich konsequent auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Aufgabe möglichst effizient und präzise auszuführen.
K&L-Magazin: Wie waren die Zeitvorgaben organisiert? Gab es Phasen mit besonderem Druck – und welche Rolle spielte gutes Selbstmanagement?
Andreas Lengsfeld: Der größte Druck entstand am letzten Wettbewerbstag, insbesondere in den letzten Stunden. Dann mussten Putzarbeiten, das Verfugen und die abschließende Reinigung des Ofens abgeschlossen werden. Wenn das Material nicht optimal mitspielt, steigt der Zeitdruck zusätzlich. Gleichzeitig verfolgen zahlreiche Zuschauer das Geschehen direkt hinter der Absperrung, was die Anspannung noch erhöht. Ein gutes Selbstmanagement ist in dieser Situation unverzichtbar. Gemeinsam mit meinem Trainer Josef Bock habe ich am Vorabend einen genauen Zeitplan erstellt, in dem jeder Arbeitsschritt mit einer konkreten Zielzeit festgelegt wurde. Diese Struktur hat mir sehr geholfen, den Überblick zu behalten und konzentriert zu arbeiten.
K&L-Magazin: Mit etwas Abstand betrachtet: Wie fühlt es sich an, den Titel des Vize-Europameisters zu tragen?
Andreas Lengsfeld: Natürlich bin ich sehr stolz auf dieses Ergebnis. In meinem Arbeitsalltag spielt der Titel zwar keine dominierende Rolle, aber mein Chef Ferdinand erzählt gerne davon und ist ebenso stolz wie ich. Durch verschiedene Berichte in regionalen Medien wurde ich inzwischen auch mehrfach darauf angesprochen. Das freut mich sehr und zeigt, dass diese Leistung auch außerhalb der Branche wahrgenommen wird.
Ich habe gelernt, wie wichtig eine sorgfältige Planung, ein gutes Stressmanagement und vor allem ein starkes Team im Hintergrund sind.«
K&L-Magazin: Was nimmst du aus dieser Challenge-Erfahrung in Zukunft ganz persönlich für dich mit?
Andreas Lengsfeld: Ich habe gelernt, wie wichtig eine sorgfältige Planung, ein gutes Stressmanagement und vor allem ein starkes Team im Hintergrund sind. Während der Vorbereitung und des Wettbewerbs wurde ich von meinen Trainern Hubert Ziegler und Josef Bock intensiv unterstützt. Auch mein bester Freund und mein Chef Ferdinand standen mir jederzeit zur Seite und sorgten dafür, dass ich trotz aller Anspannung fokussiert bleiben konnte. Diese Erfahrung hat mir deutlich gemacht, wie wertvoll ein verlässliches Team für den persönlichen Erfolg ist.
K&L-Magazin: Und abschließend: Warum sollte sich ein junger Mensch heute für den Beruf des Ofenbauers entscheiden?
Andreas Lengsfeld: Der Beruf des Ofenbauers gehört für mich zu den vielseitigsten und kreativsten Handwerksberufen überhaupt. Er vereint zahlreiche Gewerke – vom Mauern und Fliesenlegen über Verputzarbeiten und Elektrik bis hin zur Metallbearbeitung. Gerade diese Vielfalt macht den Beruf so spannend. Man lernt Fähigkeiten, die auch im privaten Leben sehr nützlich sind, und sieht jeden Tag neue Aufgaben und Herausforderungen. Genau das motiviert mich bis heute und sorgt dafür, dass ich mich jeden Morgen auf meine Arbeit freue.
Dank an alle Unterstützer
Zum Abschluss möchte Andreas Lengsfeld ausdrücklich all jenen danken, die seine Teilnahme an der Europameisterschaft ermöglicht haben. Sein besonderer Dank gilt den Trainern Hubert Ziegler und Josef Bock, seinem Ausbildungs- und Meisterbetrieb sowie den Sponsoren und zahlreichen Unterstützern im Hintergrund. „Ohne dieses starke Team wäre ein solcher Erfolg nicht möglich gewesen“, betont der frisch gekürte Vize-Europameister.
Foto: Andreas Lengsfeld / Müller Ofenbau
Das Team von Müller Ofenbau (v.l.n.r.): Sepp Müller (Senior Chef), Ferdinand Müller (Junior Chef), Benedikt Raab (Geselle), Florian Ostermaier (Geselle) und Andreas Lengsfeld.
Foto: Jens Fischer
Gefragt war genaues, hochkonzentriertes Arbeiten unter Zeitdruck.
Foto: Andreas Lengsfeld
Das fertig gebaute Objekt.
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