Freihängende Feuerstätten sind immer ein ganz besonderes Highlight in der Wohnlandschaft.
Freihängende Kaminöfen stehen für eine Generation von Feuerstätten, bei denen nicht mehr allein die Wärmeleistung im Vordergrund steht, sondern die bewusste Inszenierung von Feuer im Raum. Gelöst von der klassischen Aufstellung auf dem Boden und der meist rückseitigen Anbindung an einen Schornstein, werden diese Öfen integraler Bestandteil der Innenarchitektur.
Sie strukturieren Räume, schaffen Sichtachsen und fungieren als gestalterisches Zentrum – insbesondere in offen geplanten Wohnbereichen. Genau aus diesen Gründen hat sich Familie Cordes aus dem norddeutschen Städtchen Schortens nahe der Nordseeküste für solch eine Feuerstätte der ganz besonderen Art entschieden – und mit dem Ofenbaufachbetrieb „Heizwerk“ aus Hagen im Bremischen den richtigen Handwerksprofi für die Realisation des Projekts gefunden. Denn Ofenprofi Stefan Wesenberg und sein Team wissen genau, worauf es bei Planung und Montage des nicht ganz alltäglichen Ofens ankommt.
Gerade im Zusammenspiel mit moderner Innenarchitektur entfalten hängende Feuerstätten ihre einzigartige Wirkung: Der schwebende Korpus, die reduzierte Formensprache und die sichtbare Aufhängung machen den Ofen zu einem Objekt zwischen Heiztechnik und Designmöbel. Gleichzeitig steigt mit dieser gestalterischen Freiheit auch die technische Komplexität. Planung, Befestigung und Montage unterscheiden sich grundlegend von klassisch aufgestellten Kaminöfen und stellen insbesondere im Gebäudebestand erhöhte Anforderungen an Statik, Maßhaltigkeit und Ausführung.
Die folgende Aufbaureportage zeigt die Montage eines hängenden Designkamins vom Typ Dik Geurts Oval Tunnel des niederländischen Herstellers DRU in einem bestehenden Einfamilienhaus und dokumentiert, wie sich architektonischer Anspruch und handwerkliche Präzision bei einer freihängenden Feuerstätte zusammenführen lassen.
Besondere Anforderungen im Bestandsgebäude
Im Gegensatz zum Neubau sind die statischen und konstruktiven Voraussetzungen im Bestand häufig nur eingeschränkt beeinflussbar.
Die Decken- und Tragkonstruktion muss daher im Vorfeld genau geprüft werden, da das Gerätegewicht nicht über den Boden, sondern vollständig über die Deckenbefestigung abgetragen wird. Neben dem Eigengewicht des Kaminofens sind dabei auch Zusatzlasten aus Abgasführung, thermischer Ausdehnung sowie dynamischen Einwirkungen zu berücksichtigen.Ein wichtiger Punkt, der in der Planungsphase unbedingt berücksichtigt werden sollte ist das Thema„Fußbodenheizung“. Hier könnte es sonst zu unangenehmen Überraschungen kommen, wenn bei der Kernbohrung durch die Decke unverhofft eine Wasserleitung des Heizkreislaufes durchtrennt wird.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Positionierung der Feuerstätte im Raum. Da der Ofen frei hängt und keine Bodenauflage b
Bei Planung und Einbau stehen die Einhaltung aller baurechtlichen Vorgaben (wie z.B. TROL) und vor allem der Brandschutz in Abstimmung mit dem Schornsteinfeger in vorderster Reihe.«
esitzt, wirken bereits geringe Abweichungen in der Ausrichtung optisch wie technisch deutlich stärker als bei bodenstehenden Geräten. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Maßhaltigkeit und Montagepräzision.
Konstruktion und Gerätekonzept
Der„Oval Tunnel“ ist konstruktiv für die hängende Montage vorbereitet. Die Lastabtragung erfolgt über eine zentrale, vertikale Aufhängung, die zugleich Teil der sichtbaren Konstruktion ist. Das ovale Korpusdesign unterstützt die freischwebende Wirkung und verlangt zugleich eine exakte Ausrichtung, um eine symmetrische Erscheinung im Raum zu gewährleisten.
Als Tunnelgerät muss der Ofen zudem beidseitig zugänglich und einsehbar bleiben. Dies beeinflusst nicht nur die Einbausituation, sondern auch die brandschutztechnischen Abstände zu angrenzenden Bauteilen und Einrichtungsgegenständen.
Planung, Abstimmung und Ausführung
„Freihängende Feuerstätten gehören zu den erklärungs- und abstimmungsintensiveren Lösungen im Ofenbau. Neben der handwerklichen Umsetzung sind eine frühzeitige Einbindung aller Beteiligten – insbesondere Statik, Planung und Schornsteinfegerhandwerk – entscheidend für einen reibungslosen Ablauf“, so Stefan Wesenberg des Handwerkunternehmens Heizwerk. Grünes Licht für den Wunsch-Ofen der Familie Cordes gab es erst, nachdem sich Wesenberg mit dem zuständigen Schornsteinfeger detailliert über Planung und Aufbau ausgetauscht hatte.
Die vorliegende Bildstrecke zeigt den Montageprozess von der Vorbereitung der Deckenbefestigung über das Abhängen des Ofenkorpus bis zur finalen Ausrichtung der Feuerstätte. Deutlich wird dabei, dass sich der Montageaufwand zwar vom klassischen Standofen unterscheidet, mit entsprechender Vorbereitung jedoch kontrolliert und reproduzierbar umsetzen lässt.
Einordnung für die Praxis
Hängende Kaminöfen wie der hier gezeigte Dik Geurts Oval Tunnel erweitern das gestalterische Spektrum moderner Feuerstätten deutlich. Gleichzeitig verlangen sie vom ausführenden Betrieb ein hohes Maß an planerischem Verständnis, Präzision und Erfahrung – insbesondere im Umgang mit Bestandsgebäuden.
Freihängende Feuerstätten gehören zu den erklärungs- und abstimmungsintensiveren Lösungen im Ofenbau.«
Die dokumentierte Montage zeigt, dass freihängende Lösungen auch im Bestand realisierbar sind, sofern statische Voraussetzungen geprüft und die Montage konsequent vorbereitet werden. Damit stellen sie keine exotische Sonderlösung mehr dar, sondern eine technisch anspruchsvolle, aber praxisgerechte Alternative zur klassischen Feuerstätte.
Auf die spezielle Thematik bei Decken- und Dachdurchführungen berichten wir in einer der kommenden Ausgabe des K&L-Magazins.
Stefan Wesenberg
Foto: Jens Fischer
Raumsituation vor dem Einbau.
Foto: Jens Fischer
Vorbereitung des Deckendurchbruchs/Kernbohrung.
Foto: Jens Fischer
Achtung Fußbodenheizung! Dieses Problem war hier bekannt. Glücklicherweise war die Leitung des Heizkreislaufes lang und flexibel genug, so dass auf ein„Abklemmen“ und anschließende Verlängerung verzichtet werden konnte.
Foto: Jens Fischer
Jetzt kann mit der Kernbohrung begonnen werden. Je nach Beschaffenheit der Decke sollte man entsprechend Zeit einplanen. Interessanter Fakt vom Profi bei älteren Bestandsgebäuden: je älter die Decke, desto härter der Beton! Denn Stahlbetondecken hören nie auf auszuhärten...
Foto: Jens Fischer
... und weil es auch bei diesem Ofen-Projekt etwas länger dauerte, wechselte man sich im Erdgeschoss ab. Hier ist gerade Jens Fischer, Chefredakteur K&L-Magazin an der Reihe.
Foto: Jens Fischer
Geschafft!
Foto: Jens Fischer
Nun kann die Ausrichtung und Montage der Aufhängung erfolgen.
Foto: Jens Fischer
Danach wird das Rohr, welches gleichzeitig als Aufhängung für den Ofen dient, präzise justiert und angebracht.
Foto: Jens Fischer
Im Automobilbau würde man von der„Hochzeit“ sprechen! Jetzt wird das Herzstück - der eigentliche Ofen – mit dem tragenden Ofenrohr verbunden. Hier waren genügend Helfer vor Ort – ansonsten empfiehlt sich eine entsprechende Unterkonstruktion.
Foto: Jens Fischer
Foto: Jens Fischer
Nun kann der Feuerraum nach Kundenwunsch ausgerichtet werden - dann wird der freihängende Feuerraum arretiert und die Feuerraumauskleidung eingelegt.
Foto: Jens Fischer
Fast fertig.
Foto: Jens Fischer
Derweil wird im Oberschoss die Abgastechnik und der Schornstein vorbereitet.
Foto: Jens Fischer
Nach Abschluss aller Arbeiten begeistert schon der erste Testbrand.
Info
Technische Details„Dik Geurts Oval Tunnel“
• Klapptür
• Feuerraumauskleidung Vermiculit
• Leistung 9-12 kW
• Nennwärmeleistung 11,6 kW
• Holzscheite bis 50cm
• Feuersicht 748 mm Breite x 424 mm Höhe
Foto: Jens Fischer
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