Gilt Guss beim Bau und in der Konstruktion von Feuerstätten als weitgehend alternativlos?
Darüber haben wir mit Dr. Fynn-Willem Lohe, Geschäftsführer Leda Werk, gesprochen.
Redaktion: Für welche Bauarten ist Guss besonders geeignet – und wo stößt er an Grenzen?
Dr. Fynn-Willem Lohe: Gusseisen ist formstabil, spannungsfrei und zeichnet sich durch eine ausgezeichnete Wärmeleitfähigkeit aus. Insbesondere bei thermisch stark belasteten Bauteilen überzeugt Guss durch seine Langlebigkeit und ist vor allem für hochwertige Kaminöfen, Kamineinsätze sowie Speicher- und Kachelöfen ein hervorragender Werkstoff. Auch bei Outdoor-Anwendungen wie Feuerschalen ermöglicht Guss langlebige Konstruktionen, die Hitze und Witterung standhalten.
Grenzen sehe ich dort, wo extrem leichte oder preiswerte Lösungen gefragt sind – hier wird im Markt häufig auf dünnwandige Stahlkonstruktionen ausgewichen, die einem anderen konstruktiven Ansatz folgen und andere Prioritäten setzen.
Redaktion: Welche zusätzlichen Vorteile bietet Guss gegenüber Stahl, insbesondere im Hinblick auf Konstruktionsfreiheit, Fertigungstiefe, Reproduzierbarkeit und Lebensdauer?
Dr. Fynn-Willem Lohe: Bei uns im Leda Werk werden die einzelnen Bauteile aus flüssigem Eisen in Formen gegossen und anschließend zu Feuerstätten verbaut. Guss erlaubt eine sehr große Konstruktionsfreiheit. Wir können komplexe Geometrien, feinste Konturen und funktional integrierte Bauteile realisieren. Unsere eigene Gießerei ermöglicht dabei eine hohe Fertigungstiefe – von der Modelltechnik über die mechanische Bearbeitung bis zur Emaillierung. Im Ergebnis zeichnen sich unsere Produkte durch geräuscharmes Heizen ohne Knackgeräusche und eine hervorragende Kombination aus schneller Wärmeabgabe und nachhaltiger Wärmespeicherung aus. Für den Kunden bedeutet das langlebige, formstabile Produkte und eine gesicherte Ersatzteilversorgung über viele Jahre hinweg.
Redaktion: Mit Blick auf Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz: Kann Guss künftig wieder an Bedeutung gewinnen?
Dr. Fynn-Willem Lohe: Vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit bin ich überzeugt, dass Guss weiter an Bedeutung gewinnt. Wir nutzen einen hohen Anteil an wiederverwerteten Materialien und können einzelne Bauteile auch nach Jahrzehnten austauschen oder aufarbeiten. Damit passt Guss sehr gut zu einem nachhaltigen Produktverständnis: Heutzutage fordern Kunden mehr Wertigkeit, Reparierbarkeit und eine Feuerstätte, die über lange Zeiträume zuverlässig und effizient für Wärme sorgt.
Redaktion: Welchen Aufwand erfordert die Entwicklung moderner Einzelraumfeuerstätten heute?
Dr. Fynn-Willem Lohe: Die Konstruktion ist ein mehrjähriger Prozess. Entwicklung, Verbrennungstechnik, digitale Steuerung und komplexe Normanforderungen wie EN 16510 oder Ökodesign müssen frühzeitig zusammengeführt werden. Umfangreiche Prüfstandsmessungen, Optimierungsschleifen und Zulassungsverfahren sind hierbei fester Bestandteil. Unser Ziel ist es, nicht nur aktuelle Grenzwerte zu erfüllen, sondern künftige Anforderungen konstruktiv mitzudenken. Hierbei ist unsere werkseigene Prüfstelle ein klarer Pluspunkt. So konnten unsere Konstrukteure fast alle Produkte – ohne nennenswerte konstruktive Änderungen – an die neue Prüfnorm EN 16510 anpassen. Zudem haben wir auch bei den neuen Brand- und Sicherheitsabständen Maßstäbe für die Branche gesetzt. Nahezu alle Feuerstätten erhalten hier bei den viel diskutierten Abstandswerten dF und dL die „Null“ – also keine weiteren Anforderungen im Strahlungsbereich am Fußboden und an einer seitlichen Wand.
All das ist der strategische Vorteil, wenn man sowohl die Entwicklung, Fertigung und Montage unter einem Dach in Leer hat.