Während in Deutschland intensiv über Wärmepumpen, Stromnetze und die Zukunft der Wärmeversorgung diskutiert wird, gerät ein Befund leicht aus dem Blick: Der mit Abstand wichtigste erneuerbare Energieträger für Wärme ist weiterhin Biomasse. Wie die Initiative #ofenzukunft informiert, zeigen das aktuelle Zahlen der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) für das Jahr 2025. Demnach wurden in Deutschland im vergangenen Jahr rund 175 Terawattstunden Wärme aus Biomasse bereitgestellt. Das entspricht 84 Prozent der gesamten erneuerbaren Wärmeversorgung. Allein auf feste Biomasse, insbesondere Brennholz, Scheitholz, Hackschnitzel und Pellets, entfielen rund 136 Terawattstunden. Kein anderer erneuerbarer Energieträger erreicht vergleichbare Größenordnungen.
Die Zahlen überraschen in einer energiepolitischen Debatte, die häufig von Strom geprägt wird. Tatsächlich basiert ein erheblicher Teil der erneuerbaren Wärmeversorgung bereits heute auf regional verfügbaren biogenen Energieträgern. Biomasse liefert Wärme unabhängig von Tageszeit, Wetterlage oder Stromangebot und nimmt damit eine Sonderrolle im Energiesystem ein. „Die aktuelle Statistik zeigt sehr deutlich, dass Biomasse kein Randthema der Energiewende ist“, sagt Robert Mülleneisen, Sprecher der Initiative #ofenzukunft. „Wenn 84 Prozent der erneuerbaren Wärme aus Biomasse stammen, dann reden wir über eine tragende Säule der Wärmeversorgung in Deutschland. Diese Realität sollte sich auch stärker in der politischen Debatte widerspiegeln.“
Besonders interessant sind die Zahlen vor dem Hintergrund wachsender Diskussionen über Versorgungssicherheit und Krisenvorsorge. Während Strom- und Gasnetze zunehmend im Fokus stehen, wird die Bedeutung dezentral verfügbarer Wärmequellen häufig unterschätzt. Biomasse kann gelagert werden, ist regional verfügbar und steht auch dann zur Verfügung, wenn andere Versorgungssysteme unter Druck geraten. Nach Einschätzung der Initiative #ofenzukunft unterstreichen die neuen Daten zentrale Ergebnisse der jüngst veröffentlichten Studie „Im Ernstfall zählt Wärme. Warum Millionen Holzöfen für Deutschland unverzichtbar sind“. Die Untersuchung beschäftigt sich mit der Rolle dezentraler Feuerstätten für Resilienz und Versorgungssicherheit in Krisenlagen.
„Die Diskussion über Versorgungssicherheit konzentriert sich häufig auf Stromerzeugung und Netzausbau“, sagt Dr. Johannes R. Gerstner, Berater von #ofenzukunft und Autor der Studie. „Die FNR-Zahlen erinnern daran, dass Wärmeversorgung eine eigene strategische Dimension besitzt. Ein resilientes Energiesystem lebt von Vielfalt. Wenn Biomasse heute den größten Teil der erneuerbaren Wärme bereitstellt, zeigt das ihre systemische Bedeutung für die Stabilität und Robustheit unseres Energiesystems.“
Die aktuellen Zahlen liefern damit nicht nur eine Bestandsaufnahme der Energiewende. Sie werfen auch eine grundsätzliche Frage auf: Wie soll ein zukunftsfähiges Wärmesystem aussehen, wenn sein heute wichtigster erneuerbarer Energieträger in der öffentlichen Debatte oft nur eine Nebenrolle spielt? Fest steht: Deutschlands erneuerbare Wärme hat auch 2025 vor allem einen Brennstoff. Und der wächst im Wald.