Im Werk in Tübingen tauschte sich K&L-Chefredakteur Jens Fischer (Mitte) mit den Geschäftsführern Holger Selig (rechts) und Tilmann Hilbert (links) über die Entwicklung der Möck Gruppe und die zukünftige Unternehmensstrategie aus.
Vor einem Jahr stellte sich die Möck Gruppe mit den beiden Firmen Möck Professionelle Rohrsysteme GmbH in Tübingen und SEM Schneider Elementebau GmbH in Oldisleben personell neu auf. Nach einer Phase, die von den Folgen der Corona-Pandemie, einem Brand in der Fertigung sowie dem unerwarteten Tod des langjährigen Geschäftsführers Thomas Möck geprägt war, übernahm ein neues Managementteam die Verantwortung. Die damalige Aufgabe war klar: Stabilität schaffen, Vertrauen zurückgewinnen und das Unternehmen für die Zukunft ausrichten. Heute, rund zwölf Monate später, ziehen die Geschäftsführer Tilmann Hilbert, Holger Selig und Wolfgang Günther eine erste Bilanz. Ihr Fazit fällt differenziert aus: Die grundlegenden Weichen seien gestellt, gleichzeitig bleibe das Marktumfeld anspruchsvoll und verlange kontinuierliche Anpassungen.
Organisation neu aufgestellt
Die interne Neuorganisation gehörte zu den ersten Maßnahmen nach dem Führungswechsel. Klare Verantwortlichkeiten innerhalb der Geschäftsführung und eine angepasste Organisationsstruktur sollten schnell für Orientierung sorgen.
K&L: Herr Hilbert, was stand im ersten Jahr nach der Neuaufstellung im Mittelpunkt?
Tilmann Hilbert: Nach den außergewöhnlichen Ereignissen der vergangenen Jahre ging es zunächst darum, Ruhe ins Unternehmen zu bringen und unseren Mitarbeitern wieder Zuversicht zu geben. Gleichzeitig mussten wir die Organisation neu strukturieren und Verantwortlichkeiten klar definieren. Heute können wir sagen, dass sich diese Aufteilung bewährt hat.
Lieferfähigkeit als zentrales Thema
Neben den internen Veränderungen rückten auch die Erwartungen der Kunden stärker in den Fokus. Gerade Lieferzeiten und Lieferzuverlässigkeit gewinnen in einem volatilen Markt zunehmend an Bedeutung. Als Reaktion darauf stellte Möck seine Lager- und Produktionsstrategie um. Mit einem neuen Vorzugsprogramm werden regelmäßig nachgefragte Produkte dauerhaft mit definierten Mindestbeständen bevorratet. Ziel ist es, kurzfristig verfügbare Standardartikel anzubieten und die Liefertreue weiter zu verbessern.
Unsere Aufgabe war es, das Unternehmen zu stabilisieren und gleichzeitig den Blick konsequent nach vorn zu richten. Wir wollen unsere Stärken bewahren, neue Märkte erschließen und dabei noch näher an den Bedürfnissen unserer Kunden sein.«
K&L: Herr Selig, welche Rückmeldungen erhalten Sie derzeit aus dem Markt?
Holger Selig: Unsere Kunden erwarten heute vor allem Verlässlichkeit. Deshalb haben wir unsere Prozesse konsequent auf eine höhere Liefertermintreue ausgerichtet. Wir möchten zeigen: Wir haben verstanden, worauf es unseren Partnern im Alltag ankommt.
Parallel dazu wurde der persönliche Kontakt zum Markt intensiviert. Der Außendienst besucht verstärkt Handwerksbetriebe und unterstützt den Fachhandel direkt vor Ort. Für die Geschäftsführung ist dieser Austausch weit mehr als klassische Vertriebsarbeit. Er liefert wichtige Informationen über aktuelle Marktentwicklungen, neue Anforderungen und Verbesserungspotenziale bei Produkten und Serviceleistungen. Aus vielen Gesprächen entstehen konkrete Ideen für Ergänzungen des bestehenden Portfolios.
Dazu zählen beispielsweise aus dem Hause Möck spezielle Rosetten mit Platz für Druckwächter, verstärkte Briden für Schwerlastanwendungen, Kugelfänge, ein neuer T-Verteiler für Sanierungsfälle – SEM bietet Sattelstücke für Schornsteinnachrüstungen sowie ein Leichtbauschacht, der auf zwei Seiten direkt an brennbare Baustoffe angrenzen darf.
Digitalisierung als Service
Auch bei den Kommunikationswegen setzt das Unternehmen auf zusätzliche Angebote. Mit einem WhatsApp-Service für Möck und SEM können Kunden Bilder senden oder technische Fragen unkompliziert stellen. Telefon und E-Mail bleiben selbstverständlich weiterhin Bestandteil der Kundenbetreuung.
Welche Rolle die digitale Angebote dabei spielen, erklärt Holger Selig wie folgt:„Digitalisierung bedeutet für uns nicht, persönliche Ansprechpartner zu ersetzen. Sie soll Abläufe vereinfachen und unseren Kunden schnelle Hilfe ermöglichen. Deshalb ergänzen digitale Werkzeuge unseren klassischen Service“.
Made in Germany bleibt Leitgedanke
Trotz aller Veränderungen betont die Geschäftsführung die Kontinuität des Unternehmens. Die Standorte in Deutschland und die eigene Fertigung bleiben zentrale Bestandteile der Unternehmensstrategie. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Möck Gruppe angekündigt, weiterhin gezielt in Qualität, Mitarbeiter und die deutschen Produktionsstandorte investieren zu wollen.
Verlässlichkeit entsteht nicht durch Versprechen, sondern durch funktionierende Prozesse. Deshalb investieren wir gleichermaßen in Lieferfähigkeit, Service und den persönlichen Austausch mit unseren Kunden.«
K&L: Herr Günther, wohin entwickelt sich das Unternehmen in den kommenden Jahren?
Wolfgang Günther: Unsere Identität ist eng mit unseren Werken, unseren Mitarbeitern und dem Produktionsstandort Deutschland verbunden. Daran halten wir fest. Gleichzeitig wollen wir unsere Prozesse kontinuierlich verbessern, flexibler werden und unsere Kunden noch enger begleiten. Bewährtes Handwerk und moderne Abläufe schließen sich für uns nicht aus.
Angesichts der anhaltenden Veränderungen im Heizungsmarkt verfolgt die Möck Gruppe weiterhin den eingeschlagenen Kurs einer breiteren Aufstellung. Bereits mit der Neuorganisation kündigte das Unternehmen an, zusätzliche Geschäftsfelder außerhalb des klassischen Schornstein- und Abgasanlagenmarktes zu erschließen. Im Fokus stehen technische Wärme sowie Komponenten für Industrie- und Lüftungsanwendungen, um die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu reduzieren.
Ein Jahr nach dem Neustart zeigt sich damit ein klarer Kurs: Prozesse werden modernisiert, Serviceangebote ausgebaut und die Nähe zum Markt verstärkt. Gleichzeitig hält die Möck Gruppe an ihren traditionellen Stärken fest – der Fertigung in Deutschland, technischer Kompetenz und einer engen Zusammenarbeit mit Handwerk und Fachhandel.