Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Der Wohnungsbau bleibt ein wichtiger Gradmesser für die Stimmung in unserer Branche. Besonders der Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern verdient dabei Aufmerksamkeit: Hier entstehen die Feuerstätten von morgen – oder eben nicht.
Die jüngsten Zahlen geben zunächst Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Im ersten Quartal 2026 wurde laut destatis.de bundesweit der Neubau von 12.100 Einfamilienhäusern genehmigt. Das entspricht einem Plus von 13,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei Zweifamilienhäusern stieg die Zahl der Baugenehmigungen sogar um 23,2 Prozent auf 3.600. Nach dem tiefen Einbruch der vergangenen Jahre ist das ein erkennbares Signal, dass sich Bauherren wieder stärker mit dem Eigenheim beschäftigen.
Doch die Entwicklung darf nicht überinterpretiert werden. Genehmigungen sind noch keine Baustellen, und Baustellen noch keine bezogenen Häuser. Die Unsicherheit bei Kosten, Finanzierung und politischen Rahmenbedingungen prägt den Wohnungsbau weiterhin. Das ifo-Geschäftsklima im Wohnungsbau sank im Mai erneut auf minus 29,3 Punkte. Die Erwartungen bleiben pessimistisch, viele Unternehmen rechnen kurzfristig nicht mit einer spürbaren Belebung.
Für das Ofen- und Luftheizungsbauerhandwerk ist deshalb entscheidend, wie diese Neubauten künftig geplant werden. Ein modernes Ein- oder Zweifamilienhaus sollte nicht allein auf eine technische Lösung reduziert werden, die unter idealen Bedingungen funktioniert.
Resilienz, Versorgungssicherheit und die Möglichkeit, im Krisenfall eigenständig Wärme bereitzustellen, gewinnen an Bedeutung. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt: Energieversorgung ist nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern auch der Verlässlichkeit.
Der Schornstein ist dabei weit mehr als ein bauliches Detail. Er schafft die Voraussetzung dafür, eine Feuerstätte heute oder später sinnvoll integrieren zu können. Wer im Neubau auf ihn verzichtet, nimmt Bauherren eine Option für zusätzliche Unabhängigkeit, für regenerative Brennstoffe und für eine Wärmequelle, die auch bei Störungen anderer Systeme funktionieren kann.
Die Branche sollte diesen Gedanken noch offensiver in die Beratung einbringen. Nicht als Rückschritt in alte Heizkonzepte, sondern als zukunftssichere Ergänzung moderner Gebäudetechnik. Ein Schornstein kostet im Verhältnis zum Gesamtbauvorhaben vergleichsweise wenig – sein Nutzen kann jedoch über Jahrzehnte wirken.
Eigenheimbau wieder an Fahrt gewinnt, muss es daher auch darum gehen, die richtigen Voraussetzungen zu schaffen: für individuelle Wärme, für resiliente Gebäude und für Häuser, die auf unterschiedliche Entwicklungen vorbereitet sind.