„Die Praxis zeigt oft andere Ergebnisse als der Prüfstand – und genau deshalb müssen wir uns darüber austauschen“, sagte Claudia Schön vom Technologie- und Förderzentrum (TFZ) während ihres Vortrags zur Praxisbewertung von Staubabscheidern. Dieser Satz hätte auch als Motto über dem technischen Workshop des Fachverbands Schornsteintechnik stehen können. Fachleute aus Schornsteinfegerhandwerk, Ofenbau, Industrie und Technik trafen sich dazu im Technologie- und Förderzentrum (TFZ) in Straubing sowie an Produktionsstätten der Firma Erlus AG, um aktuelle technische, rechtliche und praktische Fragen rund um Abgasanlagen und Feuerungstechnik zu diskutieren. Miteinladender der Veranstaltung war die Firma Erlus AG.
Die Resonanz auf den Technischen Workshop war außergewöhnlich groß. Der Vorstandsvorsitzende des Fachverbands Schornsteintechnik, Andreas van den Bogaert, zeigte sich entsprechend zufrieden mit der großen Beteiligung und erklärte: „Dass so viele Fachbetriebe zu unserem technischen Workshop gekommen sind, zeigt, dass das Gewerk der Schornsteinsanierer ein lebendiges Gewerk ist. Trotz der großen Herausforderungen, vor denen wir derzeit stehen, blicke ich deshalb zuversichtlich in die Zukunft“. Im fachlichen Teil des Workshops standen Vorträge zu aktuellen technischen Entwicklungen und rechtlichen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Claudia Schön vom Technologie- und Förderzentrum stellte Ergebnisse aus dem LangEFeld-Projekt vor und berichtete über Erfahrungen mit elektrostatischen Staubabscheidern im Praxisbetrieb. Dabei wurde deutlich, dass Staubabscheider im realen Betrieb über längere Zeiträume zuverlässig arbeiten und einen wichtigen Beitrag zur Emissionsminderung leisten können. Besonders das Langzeitmonitoring unter realen Betriebsbedingungen zeigte, dass die Abscheider auch unter wechselnden Betriebsbedingungen stabil arbeiten und über mehrere Heizperioden hinweg gute Abscheidegrade erreichen. Ein besonders interessantes Ergebnis der Untersuchungen war, dass die gemessenen Abscheidegrade im realen Betrieb teilweise höher lagen als die Werte aus Prüfstandsmessungen. Damit wurde sehr deutlich, dass Praxismessungen und reale Betriebsbedingungen eine wichtige Ergänzung zu Prüfstandsuntersuchungen darstellen und bei der Bewertung von Staubabscheidern künftig eine größere Rolle spielen sollten.
Harald Heynen stellte anschließend praxisnah dar, wie Schornsteinhöhen nach den Anforderungen der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung, nach VDI-Richtlinien sowie nach Vorgaben des LAI in der Praxis ermittelt werden können. Dabei ging er auf unterschiedliche Berechnungsverfahren, rechtliche Rahmenbedingungen sowie typische Problemstellungen aus der Praxis ein. Anhand konkreter Beispiele wurde deutlich, dass die Ermittlung der richtigen Schornsteinhöhe in vielen Fällen komplex ist und neben gesetzlichen Vorgaben auch örtliche Gegebenheiten, Gebäudestrukturen, Strömungsverhältnisse und Nachbarbebauung berücksichtigt werden müssen. Der Vortrag zeigte, wie stark die Anforderungen an Planung und Bewertung von Abgasanlagen in den letzten Jahren gestiegen sind und wie wichtig die Abstimmung zwischen Ofenbau, Schornsteinbau und Schornsteinfegerhandwerk geworden ist.
Daniel Dollinger gab Einblicke in die Schornsteinsanierung aus Sicht des Ofenbauerhandwerks. In der anschließenden Diskussion entwickelte sich ein lebhafter und konstruktiver Austausch zwischen den Gewerken darüber, inwieweit das Ofenbauerhandwerk auch Aufgaben im Bereich der Schornsteinsanierung übernehmen kann und sollte. Dabei zeigte sich, dass hier weitere Gespräche notwendig sind und diese auch kollegial geführt werden sollten. Die Herausforderungen im Bereich der Festbrennstoffe und der Biomasse betreffen alle beteiligten Gewerke gleichermaßen, sodass es sinnvoll ist, diesen Herausforderungen gemeinsam zu begegnen.
Besonders ausführlich ging Markus Schlichter vom Schornsteinfegerhandwerk auf aktuelle normative und rechtliche Entwicklungen im Bereich der Feuerstätten und Abgasanlagen ein. Er erläuterte unter anderem die neue Produktnormenreihe EN 16510 und die damit verbundenen Änderungen für Hersteller, Ofenbauer und Schornsteinfeger. Dabei wurde deutlich, dass die Umstellung der bisherigen Normen auf die neue Normenreihe in vielen Fällen zu neuen technischen Dokumentationen, neuen Prüfungen und teilweise auch zu neuen Anforderungen an Gerätekennzeichnung und technische Unterlagen führen wird. Insbesondere die neuen Anforderungen an Strahlungsabstände und technische Dokumentationen können in der Praxis zu neuen Fragestellungen führen.
Darüber hinaus ging Markus Schlichter auf angekündigte Änderungen der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung ein sowie auf aktuelle Auslegungsfragen, insbesondere im Zusammenhang mit § 19 und den Ableitbedingungen von Abgasanlagen. Ein weiterer Schwerpunkt seines Vortrags waren Fragen der praktischen Umsetzung von Normen und Vorschriften im Alltag des Schornsteinfegerhandwerks. Dabei wurde deutlich, dass die Bewertung bestehender Abgasanlagen, insbesondere beim Austausch von Feuerstätten, zunehmend komplexer wird und eine genaue technische Bewertung der Abgasanlage erforderlich ist, beispielsweise im Hinblick auf Versottungsgefahr, Dimensionierung und Taupunktunterschreitungen. Insgesamt zeigte der Vortrag sehr deutlich, dass sich alle Beteiligten in einem Spannungsfeld zwischen Normung, Umweltrecht, technischer Entwicklung und praktischer Umsetzbarkeit bewegen und der fachliche Austausch zwischen den Gewerken deshalb immer wichtiger wird.
Neben dem fachlichen Programm bot der Workshop auch ein umfangreiches Rahmenprogramm. Die Teilnehmer besuchten zunächst das Nawareum in Straubing, in dem sich alles um nachwachsende Rohstoffe, Energie, Bauen und nachhaltige Nutzung von Biomasse dreht. Die Ausstellung vermittelte anschaulich, welche Bedeutung nachwachsende Rohstoffe für Energieversorgung, Bauwirtschaft und Industrie haben und wie eng viele dieser Themen mit der Nutzung biogener Brennstoffe verbunden sind. Für viele Teilnehmer war besonders interessant zu sehen, wie Themen wie Holzenergie, Biomasse und nachhaltige Rohstoffe in einen größeren energie- und klimapolitischen Zusammenhang eingeordnet werden.
Am folgenden Tag besuchten die Teilnehmer das Goldbach-Museum in Ergoldsbach. Dort konnten sie Einblicke in die Geschichte der keramischen Produktion in der Region gewinnen und erfahren, wie eng die Herstellung von Ziegeln, Dachziegeln und keramischen Abgasanlagen mit der regionalen Industriegeschichte verbunden ist und bis heute zur wirtschaftlichen Identität der Region gehört.
Ein besonderer Programmpunkt war außerdem die Werksführung bei der Erlus AG in Ergoldsbach. Dort konnten die Teilnehmer sehen, mit welchem technischen und organisatorischen Aufwand hochwertige keramische Abgasanlagen produziert werden. Die Führung zeigte eindrucksvoll, welcher Qualitätsan.spruch hinter keramischen Abgasanlagen steht und dass hochwertige Produktion „Made in Germany“ auch heute unter internationalen Wettbewerbsbedingungen möglich ist. Für viele Teilnehmer war es besonders interessant, den gesamten Produktionsprozess einmal aus nächster Nähe zu erleben.
Fachverband Schornsteintechnik
Der Workshop zeigte insgesamt, wie wichtig der regelmäßige Austausch zwischen Handwerk, Industrie und Technik ist. Viele der aktuellen technischen und rechtlichen Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam lösen. Der Fachverband Schornsteintechnik wird diesen fachlichen Austausch daher auch in Zukunft weiter intensiv fördernDer Workshop zeigte insgesamt, wie wichtig der regelmäßige Austausch zwischen Handwerk, Industrie und Technik ist. Viele der aktuellen technischen und rechtlichen Herausforderungen lassen sich nur gemeinsam lösen. Der Fachverband Schornsteintechnik wird diesen fachlichen Austausch daher auch in Zukunft weiter intensiv fördern.