Lorenz Gegler (links) und Malte Tischer eröffnen den Bauabschnitt 1 der Feuerwelt.
Wer derzeit durch das Gebäude in Senden geht, braucht an manchen Stellen noch etwas Vorstellungskraft. Die Feuerwelt ist im September 2026 noch ein Projekt im Aufbau. Der erste Bauabschnitt zeigt jedoch bereits, in welche Richtung es gehen soll: Hersteller präsentieren ihre Produkte, Ausstellungsbereiche nehmen Gestalt an und zugleich wird deutlich, dass hier mehr entstehen soll als eine weitere große Ofenausstellung.
Genau deshalb hatten die Initiatoren Lorenz Gegler und Malte Tischer zum Preopening eingeladen. Fachhandel, Handwerk und Hersteller sollten nicht erst das fertige Ergebnis präsentiert bekommen, sondern frühzeitig sehen können, was in Senden entsteht. Der Zeitpunkt war bewusst gewählt: Die Feuerwelt ist weit genug fortgeschritten, um das Konzept räumlich erfahrbar zu machen – und gleichzeitig noch offen genug, um es weiterzuentwickeln.
Die Dimensionen sind beachtlich. Die Gesamtvision umfasst rund 3.500 m² rund um Feuer und Feuerstätten. Das Gebäude erstreckt sich über fünf Ebenen vom Untergeschoss bis zum dritten Obergeschoss. Die ausgewiesenen Nutzflächen reichen von knapp 637 m² im Untergeschoss über rund 710 m² im Erdgeschoss bis zu jeweils etwa 745 m² in den oberen Etagen. Insgesamt stehen damit rund 3.580 m² Nutzfläche zur Verfügung. Hersteller können dort unterschiedlich große Präsentationsbereiche realisieren – von kompakten Flächen bis zu Markenwelten mit 200 m² und mehr.
Auch technisch ist das sogenannte„Greenhouse“ ambitioniert angelegt. Mehr als drei Meter Raumhöhe, über 70 Stellplätze im Innen- und Außenbereich, E-Ladeinfrastruktur, Lüftungsanlage und passive Kühlung gehören zum Konzept. Die Energieversorgung soll unter anderem über Geothermie und eine Photovoltaikanlage erfolgen. Hinzu kommen Speichertechnik, Beschattung und eine begrünte Fassadenkonstruktion. Nach Angaben der Betreiber soll das Gebäude weitgehend energieautark betrieben werden. Bis zum Frühjahr 2027 soll das Gesamtbild Schritt für Schritt komplettiert werden. Das Preopening markierte damit bewusst einen Zwischenstand – und gab der Branche Gelegenheit, frühzeitig zu sehen, wohin die Reise geht.
Sichtbarkeit als Ausgangspunkt
Hinter dem Projekt steht zunächst eine Diagnose, die in der Branche seit Längerem diskutiert wird: Feuerstätten verschwinden zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung. Handwerksbetriebe und Ausstellungen werden weniger, auf Verbrauchermessen ist die Branche vielerorts schwächer vertreten als früher. Gleichzeitig konkurriert das Produkt Ofen um die Aufmerksamkeit von Bauherren und Modernisierern mit zahlreichen anderen Investitionen rund ums Haus.
Die Antwort der Feuerwelt darauf lautet: bündeln statt weiter verteilen. An einem zentralen Standort sollen möglichst viele Facetten des Feuers zusammenkommen – vom Scheitholz über Pellets bis hin zu Gas, Bioethanol und Elektro. Ergänzt werden soll die Ausstellung durch Informationen, Beratung, Schulungen und Veranstaltungen. Dabei setzt das Konzept auch auf den Standort. Die unmittelbare Nachbarschaft zu Möbel Inhofer soll Menschen erreichen, die sich ohnehin mit Wohnen, Einrichten, Bauen oder Modernisieren beschäftigen. Hinzu kommt die geografische Lage zwischen den Ballungsräumen Stuttgart, München und Nürnberg sowie in Richtung Bodensee.
Der entscheidende Gedanke dahinter: Nicht nur diejenigen sollen angesprochen werden, die bereits mit einem konkreten Ofenwunsch nach Senden kommen. Feuerstätten sollen auch bei Menschen ins Blickfeld rücken, die das Thema bei ihrer Bau-, Sanierungs- oder Einrichtungsplanung bislang überhaupt nicht auf der Agenda hatten.
Den Kuchen größer machen
Beim Preopening fiel dafür mehrfach ein Bild, das den Anspruch der Feuerwelt recht gut beschreibt:„Der Kuchen soll größer werden“. Es gehe nicht darum, einen kleiner werdenden Markt lediglich neu unter Herstellern, Händlern und Ofenbaubetrieben aufzuteilen. Vielmehr soll zusätzliche Aufmerksamkeit neue Nachfrage erzeugen. Gelingt es, mehr Menschen überhaupt wieder mit Feuerstätten in Kontakt zu bringen, so die Überlegung, profitiert davon am Ende die gesamte Branche.
Die Feuerwelt soll die Branche zusammenbringen – Endkunden, Ofenbaubetriebe, Hersteller, Verbände und weitere Partner. Wenn wir dadurch wieder mehr Sichtbarkeit für Feuerstätten schaffen, haben am Ende alle etwas davon. Ein Blick in die SHK- und Fliesenbranche zeigt, dass sich dieses Konzept in der Praxis längst bewährt hat.«
Dieser Gedanke ist wichtig, denn die Feuerwelt versteht sich ausdrücklich nicht nur als Verkaufsfläche für die dort vertretenen Unternehmen. Sie soll zugleich eine Plattform für Hersteller, Fachhandel, Handwerk, Schornsteinfeger, Architekten, Verbände und weitere Akteure werden. Produkte sollen erlebbar sein, technische Unterschiede erklärt und Wissen vermittelt werden.
Das ist zunächst der formulierte Anspruch. Wie er sich in der Praxis erfüllt, wird wesentlich davon abhängen, wie das Zusammenspiel der unterschiedlichen Interessen organisiert wird.
Ein zusätzlicher Showroom für das Handwerk
Besonders interessant für Handwerksbetriebe und Fachhändler ist deshalb das vorgesehene Nutzungsmodell. Betriebe sollen die Feuerwelt kostenlos gemeinsam mit ihren Kunden nutzen können. Damit könnte die Ausstellung beispielsweise dort ergänzen, wo ein Betrieb nicht jedes Modell, jede Feuerungsart oder jede technische Lösung in der eigenen Ausstellung zeigen kann. Genau diesen Nutzen stellt die Feuerwelt auch in ihrer Kommunikation an die Fachbetriebe heraus.
Ein Handwerksprofi könnte also mit seinem Kunden nach Senden kommen, dort unterschiedliche Produkte zeigen und das anschließende Projekt weiterhin selbst beraten, planen und verkaufen. Die Feuerwelt soll perspektivisch über ein Zugangssystem auch außerhalb regulärer Öffnungszeiten nutzbar sein. Vorgesehen sind ein 24/7-Zugang und ein digitales Buchungssystem.
Das könnte insbesondere kleineren Betrieben neue Möglichkeiten eröffnen. Eine große eigene Ausstellung bindet Fläche, Kapital und Personal. In Senden soll der Fachbetrieb auf eine deutlich größere Produktwelt zurückgreifen können, ohne diese selbst vorhalten zu müssen. Nach dem vorgestellten Modell bleiben Beratung und Verkauf dabei grundsätzlich beim jeweiligen Fachbetrieb.
Auf Wunsch soll das Team des Ofenzentrums die Beratung und Verkaufsabwicklung gegen Provision übernehmen können. Ansonsten, so das Konzept, hält sich das Ofenzentrum im Hintergrund.
Mehr als eine Ausstellung
Der zweite Baustein betrifft Wissen und Weiterbildung. Vorgesehen sind Schulungen für Händler und Handwerker, Herstellertrainings, Produktvorstellungen sowie technische Seminare. Auch Architekten und Schornsteinfeger sollen angesprochen werden. Gerade diese Gruppen können eine wichtige Rolle spielen, wenn eine Feuerstätte bei Neubau oder Sanierung überhaupt in Betracht gezogen werden soll.
Hinzu kommen Angebote rund um Verkauf, Marketing, Social Media und Digitalisierung. Kostenlose Online-Verkaufsschulungen werden bereits angeboten. Nach Darstellung der Feuerwelt sollen damit nicht nur zusätzliche Interessenten gewonnen werden; die Betriebe sollen zugleich Werkzeuge bekommen, um aus diesem Interesse konkrete eigene Projekte zu entwickeln. Damit wird der eigentliche Anspruch des Projekts deutlicher: Die Feuerwelt möchte nicht allein möglichst viele Öfen unter einem Dach versammeln. Sie will Ausstellung, Schulungsort, Treffpunkt und Plattform für die Branche zugleich sein.
Wir wollen uns nicht darüber unterhalten, wie man einen kleiner werdenden Kuchen aufteilt. Wir wollen das Interesse an Feuerstätten insgesamt wieder größer machen – dann kann die gesamte Branche davon profitieren.«
Für Hersteller eröffnet das wiederum die Möglichkeit, Produkte dauerhaft zu präsentieren, Händler und Kunden vor Ort zu empfangen oder Schulungen unmittelbar am Produkt durchzuführen. Die Ausstellungsflächen sind dabei flexibel angelegt: Typische Markenflächen sollen zwischen 50 und 100 m² liegen, größere Auftritte mit 200 m² und mehr sind ebenfalls vorgesehen.
Ein Konzept, das sich weiterentwickelt
Ein neuer zentraler Standort, an dem Hersteller, Handel, Handwerk und Endkunden zusammenkommen und an dem zugleich beraten und verkauft werden kann, wirft zwangsläufig auch Fragen auf. Das zeigte sich bereits in den Gesprächen rund um das Preopening.
Wer besitzt den Kundenkontakt? Wie werden Anfragen weitergegeben? Wie funktioniert die herstellerübergreifende Beratung in der Praxis? Welche Rolle übernimmt das Ofenzentrum? Und gelingt es tatsächlich, zusätzliche Nachfrage zu erzeugen, statt vorhandene Nachfrage lediglich an einem neuen Standort zu bündeln?
Die Betreiber selbst machen keinen Hehl daraus, dass sich das Konzept weiterentwickeln wird. Beim Preopening war mehrfach davon die Rede, Dinge auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und bei Bedarf nachzusteuern. Die Feuerwelt versteht sich damit als Projekt, das gemeinsam mit seinen Partnern und der Branche wachsen soll.
Das Preopening hat dafür einen ersten konkreten Eindruck geliefert. Man konnte sehen, was bereits entstanden ist – vor allem aber,„wohin die Reise gehen soll“. Bis zur vollständigen Fertigstellung im Frühjahr 2027 bleibt noch einiges zu tun. Und auch inhaltlich wird sich erst im laufenden Betrieb zeigen, wie das Zusammenspiel zwischen Feuerwelt, Herstellern, Fachhandel und Handwerk funktioniert. Die Idee, den Kuchen für die gesamte Feuerstättenbranche größer zu machen, ist formuliert. Entscheidend wird nun sein, ob es gelingt, zusätzliche Menschen für Feuerstätten zu interessieren – und wie diese neu gewonnene Aufmerksamkeit anschließend bei den Fachbetrieben ankommt.
Das K&L-Magazin wird die Entwicklung deshalb weiter begleiten. Wenn die Feuerwelt eine Weile im Betrieb ist und erste Erfahrungen vorliegen, werden wir in einer der kommenden Ausgaben noch einmal nach Senden schauen. In einem Interview wollen wir dann auch die Fragen aufgreifen, die das Konzept aus Sicht von Fachhandel und Handwerk aufwirft – und nachfragen, welche Antworten die Praxis darauf inzwischen gegeben hat.
Foto: Feuerwelt
Es geht fleißig weiter in Senden - in der Feuerwelt entsteht in den nächsten Monaten noch viel Platz für die Branche.
Foto: Jens Fischer
Impressionen der fertigen Ausstellungs- und Beratungsräume.