Unabhängig von externen Energiequellen

Ziel einer funktionierenden Ganzhausheizung ist es, möglichst unabhängig von externen Energiequellen zu sein. In Marion und Stefan Zinks Passivhaus übernimmt ein Stückholzofen auch die Warmwasserversorgung.

Marion und Stefan Zink erfüllten sich mit ihrem neuen Haus einen Traum. "Wir wollten etwas Eigenes, möglichst Umweltkompatibles haben!"
In Wildberg-Sulz am Eck, dem Heimatort von Marion Zink, fanden sie das passende Grundstück. Es liegt im sogenannten Gäu, den - von Stuttgart aus gesehen - ersten Ausläufern des Schwarzwaldes. Der Balkon bietet einen wunderbaren Blick über das Dorf und die Hügelketten.

Stefan Zink arbeitet als Software-Entwickler in Böblingen. Schon sehr lange interessiert er sich für Umweltthemen und hat sich intensiv zum Beispiel mit Passivhäusern beschäftigt. So kam auch der Kontakt mit Markus Bangerter, dem Inhaber der Firma Energetic in Unterriexingen zustande.
Gemeinsam mit dem Architekten Jens Hirschberg (Mainhardt) entwarf Bangerter ein technisches Konzept, das Familie Zink weitgehend energie-autonom macht. In Holzständerbauweise entstand ein Passivhaus mit sehr gut gedämmter Gebaude- hülle und dadurch minimierten Transmissions-Wärmeverlust.

Kleinere Fenster nach Norden, großflächige Fenster nach Süden - so lässt sich zusätzlich solare Energie passiv gewinnen. "Intern kommt noch die Abwärme vom Kochen, von den Menschen, dem Fernseher und den weiteren Elektrogeräten hinzu", sagt Markus Bangerter, "die fällt in schlecht gedämmten Gebäu- den so gut wie gar nicht ins Gewicht."

 

Die Planung der Haustechnik übernahm Bangerter komplett. "Sie kommt mit vier wesentlichen Be- standteilen aus", erklärt der Techniker, "ist also eher Low- als Hightech." Auf die Doppelgarage setzte er eine solarthermische Anlage emit zirka 12 Oua- dratmetern Kollektorfläche, und verband sie mit einem 1.000-Liter- Schichtenspeicher, um genügend Energie im Zwischenlager behalten zu können.
Ebenfalls auf der Garage sitzt die Außenluft-Filterbox, über die Frischluft in die Lüftungsanlage eingespeist wird.

Energie wird nicht durchs offene Fenster abgelüftet, sondern, dank eines Kanalgegenstrom-Wärme-tauschers der Firma Paul, zurückgewonnen.
Ein Nachheizregister wärmt die Zuluft auf zirka 50 Grad Celsius nach, damit auf weitere Heizflächen verzichtet werden kann. Den Restenergiebedarf deckt der Kaminofen (Hersteller: Gerco, Modell Diamant GD8RLU, 8 kW Heizleistung). 20 Prozent der Wärme gibt er in den Wohnraum ab, 80 Prozent in den Speicher. Aus dem Speicher wird dann wiederum die Wärme für das Luftnachheizregister entnommen (sofern nicht genügend Erträge verfügbar sind). So lässt sich Warmwasser auch unabhängig von der solaren Deckungsrate erzeugen.
Praktisch: Das Brennholz schlägt Bauherr Stefan Zink im eigenen Wald. Die Menge hält sich in Grenzen, denn "im Winter müssen wir selten anheizen.".Die zur Verbrennung nötige Luft beziehtder Gerco-Ofen dabei nicht aus dem Wohnraum, sondern von draußen, er arbeitet also raumluftunabhängig und dadurch besonders effizient: "Die kalte Frischluft gibt’s umsonst, warme Raumluft kostet Geld", sagt Markus Bangerter. Mit einer Wärmerückgewinnung von 88 Prozent arbeitet das Lüftungsgerät Modell Atmos 175 DC der Firma Paul besonders effizient. Es verfügt über einen Kanalgegenstrom-Wärmetauscher und Filter- kassetten, die wahlweise sogar Feinstaub aus Pkw-Abgasen oder Pollen ausfiltern können.
Die Anlage sorgt für ein angenehmes Raumklima, das ganze Jahr über. "Im Hochsommer messen wir selbst im Dachgeschoss selten mehr als 22 Grad Celsius", sagt Stefan Zink. Zugerscheinungen gibt es nicht, ebenso wenig ist das Gebläse zu hören.
"Es ist schon sehr schön, so wohnen zu können, und gleichzeitig einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten", sagen die Bauherren. Sie können zu Recht stolz sein auf ihr neues Domizil, zumal sie eine Menge selber daran gemacht haben. Tatkräftig wurden sie dabei unterstützt von den beiden vom Projekt begeisterten Vätern, die sich beim Hausbau so richtig engagierten.

Der eine reiste sogar drei Mal wöchentlich aus dem 70 Kilometer entfernten Wernau an, und der andere (er ist gelernter Metallarbeiter und hat als Schlosser gearbeitet) hat seine Vorbehalte gegendie Holzbauweise endgültig abgelegt.