Live vor Ort: Vom Handwerksbetrieb zum Ofenhersteller

Wer wachsen möchte, muss sich gelegentlich wandeln. Womöglich wäre die 1977 gegründete Firma „Westfeuer“ im nordrhein-westfälischen Coesfeld heute immer noch „nur“ ein erfolgreicher Kamin- und Kachelofenbaubetrieb. Doch Firmengründer Christian Endler setzte in den letzten Jahren gleich zwei Mal auf „neue Pferde“ – und damit auf weiteres Wachstum.


Die wohl spannendste Ära der Firma Westfeuer begann in den letzten drei Jahren. In diese Zeit fällt die Entwicklung eigener Feuerstätten, die nun erstmals auch unter eigener Regie und mit eigenem Label hergestellt werden. Dabei setzt Westfeuer einen starken Fokus auf einen sauberen, regenerativen Brennstoff mit bequemer Handhabung, der ebenfalls erst eine recht junge „Historie“ hat: Holzpellets. Allerdings nicht ausschließlich, wie wir noch sehen werden, denn Scheitholz spielt gerade bei der letzten Westfeuer-Neuerung eine besondere Rolle. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wassertechnik – auch bei Kaminöfen, die damit einen nennenswerten Beitrag zur Unterstützung einer Zentralheizung liefern können.

 

Zunächst jedoch ein paar markante Stationen, die das Unternehmen bis heute durchlaufen hat: Während der ersten ungefähr 25 Jahre wuchs Westfeuer kontinuierlich zu einem führenden regionalen Handwerksbetrieb der Ofenbranche. 1995 wurde mit dem Zukauf der Firma Heddier Schornsteintechnik ein peripheres Geschäftsfeld rund um die Feuerstätte neu erschlossen, das im Zuge des Kaminofen-Booms ebenfalls kräftiges Wachstum verzeichnete. Heddier vertreibt und montiert nicht nur ein- und doppelwandige Edelstahlschornsteine in  hochwertiger „V4A”-Qualität” für die einfache Nachrüstung im Gebäudebestand sowie für den Einfamilienhaus-Neubau, sondern auch für Großheizanlagen in Wohnsiedlungen und für Blockheizkraftwerke.
Darüber hinaus umfasst das Portfolio feuchteunempfindliche Schornsteinsysteme für kondensatgefährdete Einsatzbedingungen bei Niedertemperaturheizungen und auch Leichtbau- und Sanierungs-Schornsteinsysteme.

Zugleich wurden die Handelsaktivitäten von Westfeuer stetig ausgeweitet; eine moderne, großzügige Ofenausstellung kam hinzu. Ab 2002 waren bei Westfeuer auch Biomasseheizungen erhältlich, womit der Einstieg in den Heizungsbau-Sektor verbunden war. Damit ging die zusätzliche Einstellung von neuen Mitarbeitern in der Technik (Meister) und im Vertrieb einher. Heute beschäftigt Westfeuer 17 Mitarbeiter, darunter drei Heizungsbaumeister. Die Feuerstätten, Pellet- und Hackgutkessel sowie Pelletkaminöfen, wurden zunächst über SHK-Betriebe und Kaminstudios im Großraum Nordrhein-Westfalen verkauft. Am Firmensitz in Coesfeld wurde nun auch ein Schulungszentrum für Wiederverkäuferkunden sowie ein Informationszentrum für Endkunden, Architekten, Energieberater und Schornsteinfeger eröffnet. Entwicklung und Vertrieb von Festbrennstofffeuerstätten nahmen mittlerweile einen so breiten Raum der Geschäftstä-
tigkeit ein, dass der handwerkliche Kamin- und Kachelofenbau im Jahr 2007 aufgegeben wurde.
Der Durchbruch zum Hersteller

 

Im noch laufenden Jahr 2010 fand schließlich der entscheidende Schritt vom Handelsunternehmen zum Hersteller statt. Eine kompetente und leistungsfähige Entwicklungsabteilung war bei Westfeuer ohnehin bereits vorhanden, sodass der Aufbau der Marke „Westfeuer“ nun die Möglichkeit bietet,  mit eigenen Produkten an den Markt zu gehen. Die Produktpalette von Westfeuer ist dabei grob in zwei Bereiche gegliedert: „Kellergeräte“ und „Wohnzimmergeräte“.

Bei den Kellergeräten handelt es sich um leistungsfähige Pelletkessel und Kombikessel sowie reine Stückholzkessel, die mit ihrem Leistungsbereich von 15 bis 25 kW als vollwertige Ganzhausheizung für Ein- und kleinere Mehrfamilienhäuser ausgelegt sind. Besonders stolz ist Christian Endler, dass auch diese Kellergeräte neben ausgefeilten technischen Details und der narrensicheren Bedienbarkeit eine so hohe gestalterische Qualität aufweisen, dass sie „eigentlich reihenweise Designpreise abräumen müssten“. Das stimmt wahrscheinlich, nur hat Endler sich darum bislang noch nicht gekümmert. Wichtiger waren ihm Gütesiegel wie der „Blaue Engel“ für die Einhaltung strengster Umweltstandards, mit denen bei den Kellergeräten bislang der Pelletkessel „P15” und sämtliche Pelletkaminöfen von Westfeuer ausgezeichnet wurden.

Heizkessel für Pellet und Holz
Der Kombikessel „K15” (mit  15 kW Heizleistung) und sein großer Bruder, der „K25” (mit 25 kW Heizleistung) haben eine besondere Innovation aufzuweisen, denn bei ihnen handelt es sich um Heizkessel für den kombinierten Einsatz von Pellets und Scheitholz in ein und demselben Gerät und ohne dass im Brennraum etwas umgebaut werden muss. Die Feuerstätte verfügt aus diesem Grund über zwei Brennkammern, in denen die Brennstoffe unabhängig voneinander eingesetzt werden können sowie auch zwei Ascheladen (Scheitholzbrennraum unter einem klassischen Rost)und eine getrennte Luftzufuhr, die automatisch umschaltet. Der Nutzer kann einfach Scheitholz einfüllen, wenn er mag. Die Zündung erfolgt höchst komfortabel und sicher über eine kurze Anbrandphase mit Pellets. Die Pelletzufuhr wird auf null gedrosselt, sobald das Scheitholzfeuer in vollem Gange ist. Mit einer Scheitholzladung heizt der Kessel dann bis zu sieben Stunden. Wenn die Wärmeleistung des Scheitholzfeuers für den Weiterbetrieb nicht mehr ausreicht, setzt ebenso automatisch der Pelletbetrieb wieder ein, sodass eine kontinuierliche Wärmeversorgung mit zwei unterschiedlichen Festbrennstoffen nach Wahl möglich ist.
Ein besonderes Merkmal des reinen Pelletkessels „P15” ist das Westfeuer-Gütesiegel „Ready to fire“. Dieser Kessel, der ideal für den Einsatz in modernen Niedrigenergiehäusern geeignet ist, ist nämlich dank seiner Voreinstellung nach dem Anschließen vor Ort sofort betriebsbereit. Pellets einfüllen – und starten. Die Feineinstellung und auch der Einbau des Pellet-Saugsystems können später erfolgen. Der „P15” ist deshalb als einer der wenigen Pelletkessel auf dem Markt uneingeschränkt großhandelsfähig“. betont Christian Endler, „denn er funktioniert ohne Spezialistenwissen so, wie er aus dem Regal kommt. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit.“
Designorientierte Wohnzimmergeräte
Mindestens genauso designorientiert wie das Pellet-Heizkesselprogramm präsentieren sich die Wohnzimmergeräte (Kaminöfen), die in reine Luftheizgeräte (allesamt für Pelletbetrieb) und wasserführende Zentralheizgeräte (zwei für Pelletbetrieb sowie ein Scheitholz-Kaminofen) unterteilt sind. Damit bieten auch alle Westfeuer-Kaminöfen einen Mehrwert gegenüber einfachen Kamin-ofenmodellen, denn sie sind entweder durch die Pelletverwendung besonders komfortabel und sauber im Betrieb, oder sie tragen mit ihrer Wassertechnik zur Heizungsunterstützung bei – oder gleich beides.

 

Eine innovative Besonderheit weist hier der neue „Pueblo Aqua“ auf: Über eine „Firewall“ lässt sich die Wärmeabgabe in den Aufstellraum reduzieren und wasserseitig erhöhen. Falls über die Glasscheibe weniger Strahlungswärme in den Wohnraum abgegeben werden soll, wird die „Firewall“ geschlossen. Somit wird der Wirkungsgrad im Heizsystem erhöht.
Das nächste Ziel der Firma Westfeuer ist die konsequente Marktausweitung durch Aufbau eines überregionalen Handels- und Servicenetzes im gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland. Dafür sucht Christian Endler zurzeit engagierte Vertriebspartner – gern natürlich auch aus Kreisen der K & L-Leserschaft.